Kaiserslautern
Zwischen Schwermut und tänzerischem Temperament
Was macht dieses einzigartige Quartett um den erst in Rodalben und jetzt in Frankfurt wirkenden Pfarrer Matthias Helms so besonders? Ist es dessen charismatische Ausstrahlung im betörenden Gesang bei jüdischer Musik, seine informative, humoristische Moderation oder sind es seine virtuosen Umspielungen auf der Violine? Oder einfach die über 30 Jahre produktive Zusammenarbeit dieses Quartetts, das sich der jüdischen Musik, dem entsprechenden Lebensgefühl in diesen hebräischen und jiddischen Liedern und Tanzweisen widmet, oder soll man vielmehr sagen: hingibt?
Helms verbrachte zwei Studienjahre in Jerusalem und kennt und beherrscht die jiddische oder hebräische Sprache und Musikkultur authentisch. Das Ensemble, zusammen mit Akkordeonist Rainer Ortner, Gitarrist Thomas Damm und Kontrabassist Thore Benz, ist eine Klasse für sich. Es trifft genau den Tonfall der Lieder und ihr vermitteltes Lebensgefühl, das sich melodisch zwischen Schwermut und jähem tänzerischem Temperament und ekstatischer Intensität in einem Spannungsfeld bewegt.
Absolut mitreißend
Hier zeigt sich, dass die oftmals nur fragmentarisch in einfachsten Tonfolgen überlieferten traditionellen Weisen, Tanzlieder und Klezmerstücke erst wirken, wenn sie entsprechend arrangiert werden – was das Ensemble selbst vornimmt – und in einer solchen Rasanz und Brillanz meisterhaft gespielt werden, die absolut mitreißend wirkt. Das geringfügige Abwandeln einer spannungsreichen Tonart bewirkt eine eigen- und einzigartige Klangwelt, verstärkt durch die verwendete Darbuka mit orientalischem Touch.
Atemberaubend virtuose Basslinien in schnellen Notenwerten und dies bei variierten Rhythmen, dazu der lebhaft pulsierende, stets synchron verlaufende Rhythmus der Gitarre sowie der Dialog zwischen Geige und Akkordeon: Das alles verleiht dieser Musik Spannung, Drive und rückt sie an Stilelemente des Jazz und harmonisch bisweilen auch an orientalische Musik heran.
Ohne Einspielschwierigkeiten
Die Musiker leben im Raum Frankfurt, Münster sowie Schwerte an der Ruhr, doch ihre langjährige, über 30 Jahre währende Erfahrung mit diesem Genre erlauben nach wenigen Probestunden stets von Neuem solche Höhenflüge und dies ohne Anlauf- oder Einspielschwierigkeiten.
Allerdings: Der Geiger, Sänger und Sprachrohr der Formation, Matthias Helms, macht im RHEINPFALZ-Gespräch vorab auch deutlich, dass diese Musik ohnehin nie nur reproduziert werden solle. Das widerspreche ihrem Geist: Die Texte sind unantastbar, so Helms, aber die ständige Suche nach geeigneten Harmoniefolgen, die energetische Rhythmisierung und auch der offene Raum für freie Improvisationseinschübe machten diese lebendige und bisweilen freie Gestaltungsweise aus.
Mit einfelliger Handtrommel
Ein weiteres Sonderlob verdient sich in diesem Zusammenhang Gitarrist Thomas Damm, der auch im Klezmerstil für Naschuwa – was Hinwenden, Umkehren und sich Interessieren bedeutet – komponiert. Ebenso auch die Darbuka – eine orientalische einfellige Handtrommel – kompetent einsetzt und den Basspart souverän und nahtlos sehr sicher aufgreift.
Was die Vortragsweise weiterhin ausmacht, ist die Vermittlung und Erläuterung humoristischer Textinhalte, was hier mit ironischem Augenzwinkern und in praller Musizierfreude geschieht. Ein besonderer Abend also.