Kaiserslautern Zwei Sterne funkeln gemeinsam

Zu einem hochemotionalen Musikereignis geriet das als „Gipfeltreffen der Weltstars“ angekündigte Pro Arte-Konzert am Freitag im Rosengarten Mannheim mit Cellistin Sol Gabetta und Pianistin Hèléne Grimaud. Mit Werken von Arvo Pärt, Robert Schumann, Claude Debussy und Johannes Brahms zelebrierte das Duo die hohe Kunst der perfekten musikalischen Verschmelzung.
In der Szene wird das Ausnahme-Duo augenzwinkernd als „Grabetta“ bezeichnet. Eine vom Klassik-Markt geschickt inszenierte Vermarktung zweier Musik-Diven? Das mag sein, beeinträchtigt aber das Hörerlebnis nicht. Denn das Resultat ihrer Zusammenarbeit ist so umwerfend schön, dass jegliche Gedanken an Kunst & Kommerz vom ersten Ton an in den Hintergrund rücken. Keine Frage: Da haben sich zwei starke Frauen gesucht und gefunden. „Wir tragen uns gegenseitig in eine höhere Dimension“, sagen die beiden Klassikstars. Für ihre Tournee haben sie Sonaten von Debussy (d-moll) und Brahms (Transkription der Violinsonate „Regen“, op. 78) im Gepäck. Das gleiche Programm wurde jüngst auf CD aufgenommen und in ihren Live-Auftritten mit Werken von Pärt und Schumann ergänzt. „Spiegel im Spiegel“ von Arvo Pärt als Auftakt einer spannenden Programmfolge, die weniger auf auftrumpfende Virtuosität setzte, sondern den schönen Beweis erbrachte, dass auch leise Töne aufhorchen lassen können. Sicher, die geeignete Kulisse bot der bis auf den letzten Platz besetzte Mozartsaal bei der Entdeckung der Stille mit seinen in diesem Fall besonders störenden Nebengeräuschen nicht. Unübertroffen scheint die emotionale Intelligenz des Duos. Da ist nichts Ausgeklügeltes, nichts Kopflastiges im Spiel der Künstlerinnen. Es geht ihnen offensichtlich nicht um die endgültig richtige Interpretation, sondern um die momentane Eingebung. Himmlisch kapriziös lassen sie Florestan und Eusebius, die beiden Alter Ego von Schumann im Zyklus „Fünf Stücke im Volkston op. 102“ zu Wort kommen. Und trotz aller Sprunghaftigkeit der beiden Individualistinnen, trotz aller Launigkeit in der persönlichen Deutung Schumann’scher Seelenwelten verschmelzen Cello und Klavier zu einer einzigen Stimme. Klassische Sonatenabende sind häufig nach dem Muster „Star und Begleitung“ gestrickt. Interessanterweise bedient auch Debussy in seiner Sonate für Cello und Klavier d-Moll dieses Klischee und fordert die Zurückhaltung des Pianisten. Selbst hier entpuppen sich die beiden Stars als völlig gleichberechtigt und zaubern einen überraschend modernen und jazzigen Debussy. Dazu trägt nicht zuletzt die fulminant vielfältige Pizzikato-Kunst einer Sol Gabetta bei, die von schnarrend-peitschenden Saitengeräuschen bis hin zu zartesten Klangtupfern reicht. Hèléne Grimaud indes verwandelt derweil den Steinway in ein Perkussionsinstrument und sorgt für eine ungemein spannende rhythmische Hintergrundkulisse. Zu einer zärtlichen Liebeserklärung von Johannes Brahms an Clara Schumann gerät die im Original für Violine und Klavier gesetzte „Regenlied-Sonate“. Schwärmerisch, verträumt, sinnlich und im letzten Satz geradezu ekstatisch agiert das Duo, scheinbar losgelöst von allem Irdischen.