Kaiserslautern Zum sechsten Mal Europameister

Er schreibt deutsche Karategeschichte: Jonathan Horne (links). Das Bild zeigt den Kaiserslauterer mit seinem Trainer Uwe Schwehm
Er schreibt deutsche Karategeschichte: Jonathan Horne (links). Das Bild zeigt den Kaiserslauterer mit seinem Trainer Uwe Schwehm.

Der Karateka Jonathan Horne ist neuer Schwergewichts-Europameister. Nicht zum ersten und auch nicht zum zweiten Mal. Nein, der Athlet vom Teikyo-Karate-Team Kaiserslautern hat sich auf der europäischen Karatebühne bereits zum sechsten Mal ganz nach vorne gekämpft.

Als Favorit ins spanische Guadalajara gereist, ist Jonathan Horne, der amtierende Weltmeister im Kumite plus 84 Kilogramm, eindeutig der Gejagte. Allein – er lässt sich nicht jagen, wird seiner Favoritenrolle gerecht, holt sich Gold und den Titel. Leicht war es nicht. Sagt auch keiner. Schließlich ist es im Kampfsport mitunter der Bruchteil einer Sekunde, der über Sieg oder Niederlage entscheidet. Zudem steht Karate in anderen Ländern ziemlich hoch im Kurs. „Andere Nationen kämpfen auf höchstem Niveau, viele geben deutlich mehr Gas, als es in Deutschland überhaupt möglich ist“, weiß Horne, der die Qualität der Konkurrenz nicht unterschätzt. Und da ist enormes Potenzial und sehr viel Qualität auf den Karatematten unterwegs. Das müssen vor allem seine Mannschaftkollegen im Team-Wettbewerb erkennen. Während Horne auch da seinen Kampf gewinnt, reicht es bei den drei Kollegen nicht, und so scheidet Deutschland frühzeitig aus dem Mannschaftskampf aus. „Die Leistung war nicht schlecht, aber mal kommt Pech dazu, mal eine taktische Fehleinschätzung“, stellt sich Horne, der seit einigen Jahren auch der Aktivensprecher im Deutschen Karateverband ist, vor die Mannschaft. Die deutschen Damen holten dagegen Bronze, und Horne steuerte im Einzel Gold zur Gesamtbilanz bei. Leicht war es, wie schon erwähnt, nicht: Gleich im ersten Kampf der diesjährigen kontinentalen Titelkämpfe muss der Kaiserslauterer gegen den Kosovaren Herolind Nishevci alle Register ziehen, kommt über ein 2:2 nicht hinaus. Erst in der Verlängerung verbucht er den Sieg durch Senchu, der ersten erzielten Wertung. In Runde zwei wartet dann der ehemalige Europameister Simone Marino aus Italien. 2:1 heißt es am Ende für den Deutschen. Noch ein Match bis zum Halbfinale. Dort wartet Rhizvan Talibov aus der Ukraine. Horne behält die Oberhand und siegt mit 5:4. Im Halbfinale lauert sein Dauerrivale Gurbanli Asiman aus Aserbaidschan. Horne macht viel Druck, kontrolliert den Kampf, kann aber nicht punkten. Endstand 0:0. Die Kampfrichter sehen den Deutschen vorne, und Horne zieht ins Finale ein. Dort treffen der aktuelle Weltmeister Jonathan Horne und der ehemalige Weltmeister Slobodan Biteviv aus Serbien aufeinander. Ein kampfmäßiges Bonbon für die Zuschauer der Europameisterschaft. Horne kann seine Klasse ausspielen, siegt klar mit 4:1 und wird Europameister des Jahres 2019. Im Jahr 2008 stand er als 19-Jähriger zum ersten Mal ganz oben in Europa. Als 30-Jähriger legt er nun den sechsten Titel zur Sammlung dazu, sagt aber, dass ihm jeder Titel gleich viel wert sei. „Jedes Turnier ist neu, jedes Mal gilt es, sich neu zu behaupten“, will er von Routine oder Abgeklärtheit so gar nichts wissen. Das gilt übrigens auch für sein ganz großes Ziel: „Olympische Spiele 2020 in Tokio“. Derzeit läuft es für ihn ganz gut. „Es geht alles in die richtige Richtung“, sagt er mit Blick auf seine bisher erzielten Qualifikationspunkte. Der Weltmeister- und jetzt der Europameistertitel geben zudem Rückenwind – aber „noch ist alles offen“, sagt der Karatechampion und verweist auf die vielen noch anstehenden Qualifikationsturniere. Sein Wille, es zu schaffen, ist da, die Lust am Karatesport auch. „Es macht immer noch sehr viel Spaß!“, sagt er. Er will ganz einfach die Karategeschichte, seine Geschichte, zu Ende schreiben. Dabei, es ist auch schon eine Geschichte des Deutschen Karateverbandes. Holt er sich doch als junger Mann im Jahr 2005 den Juniorenweltmeistertitel, legt mit zwei Siegen bei den World Games (2009 und 2013) nach. Dann im vergangenen Jahr der Weltmeistertitel im Schwergewicht, quasi eine Erlösung für den Deutschen Karateverband. Das gab es so noch nicht. Bislang konnte auch kein amtierender Weltmeister den Titel Europameister nachlegen. Jonathan Horne hat nachgelegt. Fehlt nur noch Olympia. Das wäre dann der Schlusspunkt. Aber wie sagt er ganz zurückhaltend, bevor er erneut ins Training entschwindet: „Noch ist alles offen.“

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