Kaiserslautern Wotan sitzt auf gepackten Umzugskisten

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Uwe Eric Laufenberg war in diesem Jahr so etwas wie der meistgefragte Mann für die Wagner-Gemeinde, wurden doch die Bayreuther Festspiele mit seiner „Parsifal“-Inszenierung eröffnet. Nun hat er nachgelegt in Sachen Wagner und seinen „Ring“, der ursprünglich in Linz zu sehen war, etwas aufgehübscht für sein Haus in Wiesbaden. Der Start mit „Rheingold“ darf zumindest als szenisch halbwegs geglückt angesehen werden. Musikalisch war die zweite Vorstellung unter der Leitung von Alexander Joel von einigen Konzentrationsschwächen gestört.

Schon wieder im Nahen Osten, irgendwo in einem zeitlosen Fantasie-Orient. Die Kostüme von Antje Sternberg erinnern an Laufenbergs „Parsifal“. Gisbert Jäkel hat Wotan und Anhang ein Beduinenzelt gebaut, darin sitzt der Göttervater auf gepackten Umzugskisten. Bewundern kann man schon mal das Architekturmodell von Walhall, das sich so gar nicht in die Wüstenumgebung einfügen will und eher an einen griechischen Tempel erinnert. Beziehungsweise an die deutsche Walhalla bei Regensburg. Diese Götter haben ihr unstetes Nomadenleben satt, Wotan, der uns im „Siegfried“ ja als Wanderer begegnen wird, möchte sesshaft werden. Auch seine Frau verspricht sich viel von der neuen Heimstatt. Hofft sie doch, dass der Gatte künftig lieber auf dem Sofa als in anderen – jüngeren – Frauenarmen liegen wird. Doch diese neue Heimat ist auf Blut gebaut, Fafner, der Erbauer, ihr erstes Opfer. Im Schlussbild sehen wir die Götter samt einer um Freia versammelten Kinderschar (offensichtlich ist sie die einzige, die noch Nachwuchs zur Welt bringen kann) durch ein gewaltiges Tor in die Götterburg einziehen. Deren schiere Größe wirkt wie das Fanal einer in ihrer Verwundbarkeit aufschreienden Natur. Die ist ohnehin nur noch in einer ästhetisch domestizierten Form existent. Videos stehen für die Wellenbewegungen des Rheins, für den Wolkenhimmel über Walhall oder die Höllenfeuer in Nibelheim. Die Rheintöchter, diese unmittelbarsten, unverstelltesten Naturwesen, täuschen nur vor, nackt zu sein. Eigentlich tragen sie hautenge, hautfarbene Gymnastikanzüge. Und die Welt, in der sie leben, ist begrenzt. Der Bühnenausschnitt hat die Form eines Auges - immer unter Wotans Beobachtung. In diese Scheinidylle in Es-Dur bricht mit Alberich die personifizierte Begierde, die pure Geilheit ein. Den Rheintöchtern ist solches Verhalten keineswegs fremd, doch in ihrem grausamen Spiel unterschätzen sie den Nibelungen. Der verzichtet auf ihre schlanken Leiber, wissend, dass er sie alle und noch viel mehr haben kann, wenn ihm der Ring erst einmal zur Weltherrschaft verholfen hat. Das dritte Bild zeigt ihn denn auch als Manchester-Kapitalisten des 19. Jahrhunderts. Alexander Joel am Pult des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden wählt eigentlich den richtigen musikalischen Ansatz. Innerhalb von Wagners „Ring“-Tetralogie ist „Rheingold“ sicherlich das Werk, das einem Kammerspiel am nächsten kommt. Joel strebt nach einem luftigen, leichten, durchhörbaren Klang. Er präsentiert uns den Einstieg in das gewaltige Werk als Kammermusik. Alle Reichsparteitags-Vorwürfe wären damit schon mal ausgeräumt. Ein Problem ist allerdings, dass man, wenn man alles hören kann, auch alle Fehler hören kann. Sei es in den Trompeten oder Hörnern, sei es bei verpatzten Sänger-Einsätzen von Wotan und Loge. Schließlich fehlt es dem Klang an Glanz, an Überwältigungspotenzial, alles wirkt ein wenig matt. So, als agiere das Orchester mit angezogener Handbremse. Zumindest den Sängern war das Orchester aber ein verlässlicher und rücksichtsvoller Begleiter. Nicht zuletzt auch dank der dynamischen Zurückhaltung war auf der Bühne genau jener Parlandoton möglich, der im „Rheingold“ notwendig ist. Vor allem Thomas de Vries als Alberich und Thomas Blondelle als Loge nutzen dies. Diese beiden Sänger ragten auch darstellerisch aus dem Ensemble heraus, während man beispielsweise bei den stimmlich überzeugenden Gerd Grochowski (Wotan) und Margarete Joswig (Fricka) durchaus die typischen Operngesten aus dem Museum beobachten konnte. Termine heute, 3., 8. Dezember

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