Kaiserslautern Wie aus der Milch Butter wird

Aktionstag der Landwirtschaft am Altenhof: Andres Pinzon und Susanne Berndt stellen zusammen unter der Anleitung von Sonja Diehl
Aktionstag der Landwirtschaft am Altenhof: Andres Pinzon und Susanne Berndt stellen zusammen unter der Anleitung von Sonja Diehl und William Gortner (von links) Butter her.

Unter dem Motto „Triff deinen Bauern“ standen gestern Bauern aus der Nord- und Westpfalz in der Fußgängerzone Rede und Antwort. Eine Aktion, die hervorragend ankam. „Schade, dass wir das so nicht öfter machen können“, fasste ein zufriedener Jürgen Vogelgesang, der Kreisbauernvorsitzende, am Ende zusammen.

Was macht der große Schlepper in der Stadt, was die dicken Kartoffeln, der Mais, das pralle Obst, die Bauern? Der Schlepper ist nur Kulisse, Lockmittel quasi, der steht nur rum. Macht aber einen guten Job, die Menschen kommen heran, lassen sich auch mal die Früchte munden und sie lassen sich ein auf ein Gespräch mit den Nahrungsmittelerzeugern, hören zu, fragen – und ja, viele staunen, wenn ihnen etwa Bauer William Gortner eine Landwirtschaft vorstellt, wie sie in der Nord- und Westpfalz praktiziert wird, wenn er darauf verweist, welche Ausbildung hinter den Landwirten steckt und wie sie mit durchaus modernster Technik hochwertige Lebensmittel erzeugen. Und den Unterschied zwischen den Kartoffelsorten, den liefert der junge Bauer gleich mit. Sonja Diehl aus Erzenhausen, langjährige Landfrauen-Kreisvorsitzende, ist umringt. Wer hat schon aus nächster Nähe gesehen, wie „buttern“ geht? Sahne in ein leeres Schraubdeckelglas und Sonja Diehl schüttelt munter los. „Ist das nicht schön, das ist ein Naturprodukt ohne Zusatzstoffe und gleich kommt der kleine Butterklumpen aufs Brot“, erklärt die Milchbäuerin, wie aus Milch Butter wird. Kaum ist das Klümpchen mittels Sieb vom Rest, einer Buttermilch, getrennt, landet die gelbe Köstlichkeit auf einer Scheibe Brot. Auch hier geht die Erklärung weiter, was hinter dem Brot steckt, welche Getreidesorte Einsatz findet. Und probiert wird das Butterbrot natürlich auch ... Beim angebotenen Quiz kommt raus: Nicht wirklich viele können die Getreidearten richtig zuordnen, wissen wie Hafer, Roggen oder Weizen in Urform aussieht. Darum geht es im Grunde aber gar nicht, sondern um das Bild das viele von der Landwirtschaft haben und das ist häufig „Massentierhaltung, Monokulturen, abgeräumte Felder“. Das Quiz lockert nur die Atmosphäre und schon gibt es Fragen an die anwesenden Kartoffelbauern, die Grünlandbewirtschafter, die Viehhalter, die Getreidebauern. Antworten, persönlich und direkt, ohne Umwege über politische Phrasen oder mediale Schlagzeilen, die gab es gestern umgehend. „Informiert Euch über die Landwirtschaft, die Euch jeden Tag ernährt!“ Mit diesen markigen Worten spricht Günther Albrecht, der ehemalige Kreisbauernvorsitzende, die nächsten Passanten an und ist gleich mitten drin im nächsten „Aufklärungs“-Gespräch. Ein aufgestelltes Bildnis „Eine Kuh auf zwei Fußballfeldern“ erregt die Aufmerksamkeit. Lothar Ohliger, Bezirksgeschäftsführer im Bauern- und Winzerverband, eilt herbei. „Hier in der gesamten Region gibt es nicht mehr als 0,5 Großvieheinheiten je Hektar Land“, erklärt er die Darstellung, soll heißen: Massentierhaltung ist hier nicht. „Im Gegenteil, hier bei uns müssen bereits einige Grünlandstandorte über öffentliche Mittel gepflegt werden, weil es zu wenig Vieh gibt.“ Hintergrund der gestrigen Aktion war der bundesweite Aktionstag der deutschen Landwirtschaft. In Rheinland-Pfalz fand einzig die vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd organisierte Dialogmöglichkeit in der Innenstadt von Kaiserslautern statt. „Sich aus erster Hand über unsere Arbeit, über die Produktion der Lebensmittel zu informieren, ist vor allem für Menschen wichtig, die in ihrem Alltag nicht mehr direkt mit dem Bauernhof in Berührung kommen“, fasste Jürgen Vogelgesang die gestrigen Gespräche als bedeutsam für alle Beteiligten zusammen. Für zahlreiche Verbraucher sei der Bauer einer, der über Ernteausfälle lamentiere, nach Fördermitteln jammere, seine Tiere schlecht halte, das Trinkwasser vergifte und auch noch den Acker ausbeute. Nach dem Gespräch mit dem heimischen Bauern, den es in der Westpfalz zum Glück noch gebe, sah Vogelgesang eher realistische Bilder zur landwirtschaftlichen Produktion. „Wir werben heute hier auch für den Genuss und die Wertschätzung dessen, was von unseren Feldern und aus unseren Ställen kommt“, so der Bauernvorsitzende.

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