Kaiserslautern
Westpfalz-Klinikum: Hebammen-Ausbildung erfolgt künftig über Studium
Im Herbst 2021 können bis zu 40 angehende Hebammen ihre Ausbildung an der Hochschule in Ludwigshafen aufnehmen. Drei davon können während des auf sieben Semester angelegten Studiums am Westpfalz-Klinikum praktische Erfahrungen sammeln.
Hintergrund ist die Umsetzung einer EU-Richtlinie, wie Andrea Bergsträßer, die Pflegedirektorin des Klinikums im Gespräch mit der RHEINPFALZ erläutert. Demnach soll die Ausbildung zur Hebamme, die bisher grob gesprochen eher einer dreijährigen Fachausbildung ähnelte, künftig „akademisch gelagert“ sein. Sprich: Die Ausbildung wird in ein Studium umgewandelt.
Westpfalz-Klinikum als Kooperationspartner
Dazu habe die Ludwigshafener Hochschule Kooperationspartner gesucht, das Westpfalz-Klinikum habe sich beworben und habe einen Zuschlag für drei Plätze erhalten. „Dafür mussten wir uns ordentlich anstrengen“, unterstreicht Bergsträßer. Bisher erfolgte die Ausbildung zur Hebamme an der Hebammenschule am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer. Das ist laut Homepage des Krankenhauses auch noch bis 2022 möglich, parallel dazu startet das Studienangebot an der Hochschule in Ludwigshafen.
Wer sich für das Studium Hebammenwissenschaft – ab dem kommenden Wintersemester – interessiert, kann sich bei der Hochschule in Ludwigshafen bewerben. „Wir nehmen aber auch Bewerbungen entgegen“, sagt Bergsträßer. Zugangsvoraussetzungen seien die Hochschulreife, aber auch Praktika im Pflegebereich seien gerne gesehen. „Als Hebamme kommt man Menschen sehr, sehr nahe“, sagt Bergsträßer. Daher schade es nichts, sich mit dem Berufsbild vorher auseinandergesetzt zu haben.
Allgemein, so Bergsträßer, sei es in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden, Nachwuchs in dem Bereich Geburtsbegleitung zu finden. Ein Grund: die allgemein gesunkene Anzahl von Schulabgängern.
Akademisierung kein Nachteil
Dass die Ausbildung zur Hebamme nun „akademisiert“ werde, sieht Bergsträßer keinesfalls als Nachteil. „So sprechen wir auch andere Gruppen von Schulabgängern an“, so die Pflegedirektorin, die das Modell, das nun für Hebammen umgesetzt wird, auch für die Pflege passend findet. „Die Akademisierung würde auch dem Pflegeberuf gut tun.“ Zumal viele EU-Länder, aber auch Großbritannien, die USA und Australien auf Krankenpflegekräfte setzten, die ihre Ausbildung an einer Hochschule erfahren haben.
Fachlich baue die akademische Ausbildung der Hebammen laut Bergsträßer auf „ein umfassendes Verständnis rund um die Geburtshilfe und auch die Nachsorge.“ Sicher werde der theoretische Teil der Ausbildung zunehmen, dafür werde sie insgesamt „breiter aufgestellt“: Während des Studiums gehe es darum, den angehenden Geburtsbegleiterinnen Handlungskompetenzen zu vermitteln, so Bergsträßer. Heiße: Den Hebammen nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch die Fähigkeit, eigene Lösungswege zu entwickeln.
Das Westpfalz-Klinikum beschäftigt laut Bergsträßer festangestellte Hebammen, etwa 20 Köpfe verteilen sich auf knapp zwölf Stellen. „Mit dem Modell sind wir sehr glücklich“, unterstreicht die Pflegedirektorin. Das Team könne sich nicht über mangelnde Arbeit beklagen.