Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfalz-Klinikum: Große Nachfrage an neuer Palliativstation

Mit der richtigen Behandlung todkranken Patienten mehr Lebensqualität verschaffen: Das ist die Aufgabe der neuen Palliativstatio
Mit der richtigen Behandlung todkranken Patienten mehr Lebensqualität verschaffen: Das ist die Aufgabe der neuen Palliativstation am Westpfalz-Klinikum.

Im Dezember ist am Westpfalz-Klinikum eine Palliativstation eröffnet worden. Mit großem Personalaufwand und wenig Technik werden die Patienten dort versorgt. Die Arbeit in der Abteilung ist aus mehreren Gründen kein Job für Anfänger.

Geleitet wird die noch junge Palliativstation am Westpfalz-Klinikums-Standort Kaiserslautern von Ute Bauch, der Leitenden Ärztin der Abteilung für Schmerztherapie, und Palliativmediziner Stefan Kniele. Beide sind Fachärzte und besitzen die Zusatzweiterbildung Palliativmedizin. Organisatorisch gehört die Palliativeinheit zum interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin (Anästhesie, Chefarzt Stefan Hofer, und Innere Medizin 1, Chefarzt Gerhard Held). Gemeinsam haben die beiden Ärzte bereits vor mehr als sechs Jahren das Konzept entwickelt, erzählt Kniele, der froh ist, „dass ein Krankenhaus dieser Größe nun endlich eine entsprechende Station hat“.

In Gebäude 19, dem früheren Schwesternwohnheim, hat die Station ihr Zuhause gefunden. Auf dem Stockwerk der Inneren 1, Onkologie, wurden fünf Zimmer mit jeweils einem Bett umfangreich renoviert, um dort schwerkranke Menschen in einem privaten Umfeld zu behandeln, sagt Kniele. Also Patienten, die aufgrund einer fortschreitenden Erkrankung eine begrenzte Lebenserwartung haben und symptomatisch sind, zum Beispiel Schmerzen oder Luftnot haben.

Den Übergang nach Hause oder ins Hospiz erleichtern

Ziel der Palliativmedizin sei es, Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt den Übergang nach Hause, in die Obhut eines Hospiz- oder Pflegedienstes, oder in ein Hospiz zu ermöglichen. Kniele: „Wir sind eine Akut- und keine Sterbestation. Wir möchten, dass Patienten unsere Station mit mehr Lebensqualität verlassen. Eine Wiederaufnahme ist dann jederzeit wieder möglich.“

In der Regel bleiben die schwerstkranken Patienten sieben Tage lang auf der Station, werden symptomorientiert behandelt. Ute Bauch ist Anästhesistin und Spezialistin für die Behandlung von Schmerzen. Neben Medikamenten in Tablettenform kommen auch Schmerzpflaster und die sogenannte Schmerzpumpe zum Einsatz, die es Patienten ermöglicht, bis zu einem gewissen Grad ihre Medikamente selbst zu dosieren.

Mitarbeit auf einer Palliativstation: „Man muss das wollen“

Stefan Kniele ist Internist/Pneumologe und Schlafmediziner und hat in der Vergangenheit zehn Jahre lang auf der Palliativstation in Landstuhl gearbeitet, weiß, dass dieses Feld der Medizin belastend sein kann: „Man muss das wollen.“ Alle in dem interdisziplinären Team haben sich aktiv dafür entschieden. Auf der Palliativstation arbeiten Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Seelsorger und Psychologen zusammen – jeweils aus unterschiedlichen Fachgebieten, je nachdem, welche Hilfe ein Patient benötige. Diese ganzheitliche Betreuung sei sehr personalintensiv, sagt Kniele, „gleichzeitig wird nur wenig Technik eingesetzt“.

Sind die Symptome möglichst gut gelindert, würden die Patienten entlassen. Kniele: „Wer möchte schon im Krankenhaus bleiben, wenn er schwer krank ist?“ In ihren eigenen vier Wänden könnte sich ein SAPV-Dienst um die weitere Betreuung der Patienten kümmern – SAPV steht für Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung, also fachkundige Pflegedienste.

Fünf Betten, die gut ausgelastet sind

Die fünf Betten der Station seien vom Start weg gut ausgelastet, berichtet Kniele von einer Nachfrage für das Angebot, das nun im Westpfalz-Klinikum und dem Einzugsgebiet bekannt gemacht werden soll. Denn insgesamt sind zwölf Betten für die Station genehmigt, die „peu à peu“ aufgebaut werden soll, sagt der Palliativmediziner. Der Bedarf sei jedenfalls da.

Neben Betten und Zimmern ist vor allem erfahrenes Personal wichtig: „Der Anspruch an Pflege und Medizin auf dieser Station ist hoch, und man muss mit Niederlagen umgehen können.“ Um in Gesprächen mit todkranken Menschen und deren Angehörigen Antworten geben zu können, brauche es viel Erfahrung, viel Wissen. Medizinisch und menschlich. Man dürfe keine Luftschlösser bauen, sondern müsse ehrliche Worte richtig verpacken, „das kommt über die Zeit und die Erfahrung“.

Nur selten arbeiten Berufsanfänger auf der Station

Deswegen seien die Teamarbeit so eng und wichtig und nur selten Berufsanfänger auf der Station eingesetzt. Kniele: „Es braucht ein toughes Team, Leute, die schon was erlebt haben.“ Die beiden Leitenden Ärzte seien froh, so eine Mannschaft gefunden zu haben. Zwar erlebe man auf der Station viel Leid, das zu einem gewissen Punkt gelindert werden könne, aber es gebe auch schöne Situationen, erinnert sich Kniele an die Zeit in Landstuhl zurück: „Wir hatten Patienten die geheiratet haben, es wurden da schon mal Haustiere reingeschmuggelt und eine Übernachtungsparty auf Matratzen mit Freunden und Dosenbier gab es auch.“

Wegen des hohen Personalaufwands sei eine solche Station für die Krankenhäuser nie rentabel, aber dennoch wichtig. Die Gründung eines Fördervereins ist in Vorbereitung.

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