Kaiserslautern
Westpfalz-Klinikum-Betriebsrat: „Wir sehen da kein Licht am Ende des Tunnels“
Die Lage im Westpfalz-Klinikum sei noch immer angespannt. Während allerorten geöffnet und zunehmend auf medizinische Masken verzichtet werde, sind im Krankenhaus die Corona-Fallzahlen noch immer auf einem hohen Niveau, berichtet Betriebsratsvorsitzender Leonel Alves, der Anfang April in seine zweite Amtszeit gestartet ist. Dabei sei wichtig, dass viele Patienten nicht wegen, aber mit Corona behandelt werden müssen. Egal ob wegen oder mit, die Arbeit sei jedenfalls deutlich anstrengender als sonst, sagt Alves, „denn das Personal muss auf den Isolierstationen immer in voller Schutzkleidung arbeiten“.
Zudem fehle coronabedingt immer wieder Personal auf den Stationen. Nicht wenige seiner Kollegen hätten die schwierige Situation satt und wollen aus dem Pflegeberuf aussteigen. Alves: „Die wechseln teilweise sogar in völlig andere Berufe.“ In Gesprächen dominiere derzeit ein Negativdenken. Das beschleunige die Abwärtsspirale bei den Pflegekräften, von denen es ohnehin viel zu wenige gebe. „Und wir sehen da kein Licht am Ende des Tunnels“, ist Alves ernüchtert. Längst sei der Applaus für die Pflege verklungen, geändert habe sich nichts. „Viele Kolleginnen und Kollegen glauben nicht mehr daran, dass sich etwas ändert.“ Dazu habe die Politik beigetragen, die vor der Bundestagswahl 2021 große Versprechungen gemacht, aber seitdem nichts umgesetzt habe. Beim Corona-Bonus sei bislang nicht klar, wie der verteilt wird.
Umorganisation soll mehr Zeit für Patienten bringen
Im Westpfalz-Klinikum versuche man der Arbeitsbelastung gegenzusteuern, indem die Organisation auf den Stationen so umgestellt werde, dass beispielsweise mehr Stationshilfen eingesetzt werden. Essensausgabe oder Zimmervorbereitung müssten nicht zwingend von gut ausgebildeten Pflegekräften übernommen werden. Alves: „Wir wollen den Pflegekräften Tätigkeiten wegnehmen, damit sie mehr Zeit für Patienten haben.“ Allerdings sei es nicht einfach, seit Jahrzehnten bestehende Strukturen zu ändern.
Alves ist es ein Anliegen, nicht nur auf die Pflege und die Ärzte zu schauen, „im Krankenhaus arbeiten so viel mehr Menschen, die durch Corona erheblich mehr Arbeit haben“. Als Beispiele nennt er die Labormitarbeiter, die Tag und Nacht die Corona-Tests auswerten, und die Beschäftigten in der Krankenhausverwaltung, die sich um die Kontaktnachverfolgung kümmern. Alves: „Wir alle sind von der Situation betroffen.“ „Wir“, das sind beim Westpfalz-Klinikum an seinen Standorten in Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen rund 4000 Mitarbeiter, 3200 allein in Kaiserslautern.
Zwei wichtige Ereignisse nennt Alves für das Westpfalz-Klinikum in diesem Jahr: das Ende der Pandemie – „hoffentlich“ – und den Wechsel in der Geschäftsführung des Krankenhausverbundes. Sollte sich die Pandemie abschwächen, bedeute das zunächst nicht weniger Arbeit für die Beschäftigten im Krankenhaus. Alves erklärt: „Dann müssen wir alles, was liegengeblieben ist, abarbeiten. Aufgeschobene Operationen und Untersuchungen führen dann dazu, dass wir vom jetzigen Notfallbetrieb nahtlos in einen 105-Prozent-Betrieb wechseln.“ Den Mitarbeitern bleibe da keine Zeit zum Durchschnaufen.
Im Herbst wechselt die Geschäftsführung
Im Herbst stehe dann der Wechsel an der Spitze des Hauses an: Peter Förster geht in Ruhestand, Thorsten Hemmer übernimmt. Das wird Veränderungen bringen, ist Alves sicher: „Das wünschen sich auch viele Mitarbeiter. Gleichzeitig wird es bedeuten, sich selbst bewegen zu müssen.“ Eben weil sich Abläufe und Organisationsformen ändern. Um das anzugehen, seien eine transparente und zügige Information der Mitarbeiter wichtig, zeigt sich Alves überzeugt: „In Sachen Information müssen wir agiler werden und brauchen Angebote, um die Mitarbeiter schneller zu erreichen.“
Überhaupt sei die größte Ressource des Westpfalz-Klinikums das Personal. Und da suche man gerade in fast allen Bereichen nach neuen Kolleginnen und Kollegen: „Egal ob Pflege, Ärzte, IT-Bereich oder Haustechnik – wir brauchen überall Leute.“ Der Fachkräftemangel gehe auch an dem Maximalversorger nicht spurlos vorbei, zusätzlich fehle es an ungelernten Kräften.
„Masterplan Personal“ soll helfen
Mit einem „Masterplan Personal“ soll es gelingen, neue Mitarbeiter zu gewinnen und Beschäftigte im Unternehmen zu halten. Beispielsweise mit flexiblen, aber verbindlichen Arbeitszeiten. Arbeitgeber und Betriebsrat seien dazu in Gesprächen und würden über Ideen wie eine Einspringprämie oder andere finanzielle Anreize diskutieren. Alves: „Wir wollen den Mitarbeitern Angebote machen, dass sich Weiterbildungen lohnen. Qualifikationen sollen honoriert werden.“
Gerade die Weiterbildungen werden zunehmend wichtiger, wie Alves sagt: „Neue Technik kann nämlich im Alltag für Arbeitserleichterung sorgen, aber bis es soweit ist, braucht es Fortbildungen.“ Um beispielsweise mit digitalen Patientenakten umgehen zu können. Der Betriebsrat begleite daher die Digitalisierungsbemühungen des Westpfalz-Klinikums intensiv, hole sich auch Expertise von außerhalb. Alves: „Wir wollen, dass es da vorangeht, weil die Beschäftigten davon profitieren können.“