Kaiserslautern Wenn Realität auf Fiktion trifft

Ein Krimi zwischen Fiktion und Realität: Im Rahmen des neuen Semesterprogramms der Uni lud CampusKultur am Donnerstag zu einer Lesestunde mit der Autorin Brigitte Glaser ein, die ihren 2016er Roman „Bühlerhöhe“ vorstellte – eine spannende Geschichte, die auf wahren historischen Ereignissen vor dem Hintergrund des jungen Nachkriegsdeutschlands beruht.
Deutschland, 1952: Der Krieg ist sieben Jahre vorbei, die Nachwirkungen sind aber noch überall deutlich sicht- und spürbar. Das Wirtschaftswunder ist noch im Anfangsstadium, dafür ist das Verleugnen und Verdrängen der nationalen Kriegsschuld in vollem Gange. Im Zentrum der Geschichte stehen zwei Frauen, die während des Krieges auf verschiedenen Seiten „kämpften“. Rosa Silbermann, eine überzeugte Israeli, Sozialistin und Agentin des israelischen Geheimdiensts. Und ihre Gegenspielerin, die misstrauische Hausdame des Nobelhotels „Bühlerhöhe“, Sophie Reisacher, eine Elsässerin aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, die auf der Suche nach einem gesellschaftlichen Aufstieg ihre Heimatstadt Straßburg verließ, einen deutschen SS-Mann heiratete und nach dem Krieg als Geliebte eines französischen Offiziers überlebte. Beide Frauen wissen, was es heißt, wenn ein ganzes Land neu beginnen will. Und beide verfolgen ihre eigenen Pläne. Dass der Roman trotz seiner historischen Anknüpfungspunkte von den Veranstaltern unter der Themenreihe „Fake“ angekündigt wurde, hatte die Autorin anfangs noch sehr überrascht. Die Erklärung lieferte sie sich aber nach kurzem Überlegen quasi selbst: „Ich erzähle sozusagen eine erfundene Geschichte auf der Folie einer historischen.“ Tatsächlich basiert die (Rahmen-)Handlung des Romans auf historischen Begebenheiten und Personen. So spielt beispielsweise Alt-Kanzler Konrad Adenauer so etwas wie eine heimliche Hauptrolle am Randes des Romans. Auch die titelgebende „Bühlerhöhe“ ist ein real existierendes, jedoch seit 2010 stillgelegtes Luxushotel nahe Baden-Baden. In der Zeit, in der Glasers Roman spielt, also in den frühen 50ern, war die „Bühlerhöhe“ ein gut besuchtes Haus, und einer ihrer regelmäßigen Gäste war in der Tat Konrad Adenauer. Deshalb sind die Ereignisse nach dem damaligen Terminkalender des Kanzlers getaktet und beginnen 1952 mit seiner Ankunft dort. Die Handlungsorte wechseln immer wieder vom Schwarzwald zum zu dieser Zeit vier Jahre jungen Staat Israel. Der Roman ist jedoch auch ein klassischer Krimi vor dem Hintergrund der jungen Bundesrepublik mit rein fiktionalen Figuren und Ereignissen. Die Grenzen zwischen der realen Geschichte und der Phantasie der Autorin gehen fast nahtlos ineinander über. Was real ist und was Fiktion, erklärte die Autorin zwischen den gelesenen Sequenzen. So reist Rosa mit einem geheimen Auftrag in das Nobelhotel. Sie soll den Bundeskanzler schützen, der trotz scharfer Kritik aus der Bevölkerung am Bundesentschädigungsgesetz festhält und damit – im Roman – zur Zielscheibe eines geplanten Attentats wird, das auf der „Bühlerhöhe“ stattfinden soll. Dieses gab es nicht wirklich, Glaser ließ sich jedoch von drei realen Briefbombenattentaten auf Adenauer im Vorfeld des Entschädigungsgesetzes inspirieren. Glaser, Jahrgang 1955 aus Offenburg, hat sich bei ihrer Recherche einerseits auf die Erzählungen und Berichte Dritter gestützt, andererseits in den Geschichtsbüchern geforscht und die reale Historie in einen neuen fiktiven Kontext gesetzt. Die heute in Köln lebende Schriftstellerin hat den Roman bereits 2016 veröffentlicht. Es ist der erste historisch basierte Roman der Autorin. Buch-Tipp Brigitte Glaser: Bühlerhöhe, Roman, Ullstein-Verlag 2016; 11 Euro.