Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Was Funktionäre vom Stopp-Konzept halten

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Noch immer werden zu viele Fußball-Begegnungen abgebrochen, weil die Gewalt auf oder neben dem Platz eskaliert. Jetzt will der DFB mit dem Stopp-Konzept gegensteuern. Wir fragten bei vier erfahrenen Funktionären nach, was sie davon halten.

Mit „gemischten Gefühlen“ steht Sascha Geisler, Vorsitzender der Schiedsrichtervereinigung Pirmasens/Zweibrücken, der Aktion des DFB gegenüber. Er ist eher skeptisch, ob solch eine Schiedsrichteraktion zum Erfolg, das heißt zur Fortsetzung des Spieles führen werde, „denn wenn es schon mal so weit gekommen ist, dann steht das Spiel ja schon ganz kurz vor dem Abbruch“. Er ist der Meinung, dass sich die in der Beruhigungspause versammelten Spieler im Strafraum teils eher gegenseitig pushen statt sich zu beruhigen. In den Strafräumen bilde sich eher „ein Nährboden für mehr“. Es sei zudem wohl schwierig zu vermeiden, dass Auswechselspieler zu ihren Mitspielern in den Strafraum gehen, was nicht statthaft ist. Auch sei es problematisch für den Schiedsrichter, der in der Mitte des Platzes mit Trainern, Spielführern und Ordnungsdienst kommuniziert, gleichzeitig darauf zu achten, dass kein Spieler der beiden Mannschaften den Strafraum verlässt, was mit einer Gelben Karte zu ahnden wäre. Geisler: „Die schwarzen Schafe unter den Fußballern werden sich von dieser Aktion nicht beeindrucken lassen.“ Zudem erfordere die Maßnahme von den Schiedsrichtern, „denen sowieso immer mehr aufgebürdet wird, ein Höchstmaß an Fingerspitzengefühl“. Es sei nicht gewiss, ob alle Unparteiischen dieses besitzen. Das Ziel des Gewalt-Stopps sei ohne Zweifel richtig, aber ob dies auch der zielführende Weg sei, bezweifelt der Chef der südwestpfälzischen Schiedsrichter.

Am ehesten zielführend sei diese Maßnahme, wenn die Aggression von außen komme. Dann könne eine Verständigung mit dem gastgebenden Verein und dem Ordnungsdienst erfolgen und eine Fortsetzung des Spiels gewährleistet werden. Generell sei mit der Maßnahme indes nicht viel mehr gewonnen als eine deutliche Kommunikation des Schiedsrichters, ohne dass es eines Stopp-Konzeptes bedürfe.

Richtige Anwendung

„Die Maßnahme ist sinnvoll, wenn sie richtig angewandt wird“, steht Reiner Ehrgott, der Vorsitzende des Fußballkreises Pirmasens/Zweibrücken, dem Stopp-Konzept vorsichtig positiv gegenüber. Es könnten „in extremen Situationen Spielabbrüche vermieden werden“. Er sehe aber die Gefahr, dass sich die Versammlung der Spieler jeder Mannschaft in deren Strafraum „negativ auswirken könne“, weil einige Spieler andere aufwiegeln könnten. Die Maßnahme greife zudem erst „kurz vor dem Eskalieren“. Da könne es indes zu spät sein. Auch Ehrgott gibt einer solchen Maßnahme deutlich mehr Erfolgschancen, wenn die Aggression ihren Ursprung außerhalb des Platzes hat. Problematisch sei indes die Zweiteilung der Maßnahme. Erst unterhalb der Regionalliga kann der Gewalt-Stopp zum Einsatz kommen.

Appell an die Vernunft

„Primär würde ich die Maßnahme positiv sehen“, befindet Klaus Kadel, der Vorsitzende des Fußballkreises Kusel/Kaiserslautern. In der Vergangenheit seien „nicht immer alle Maßnahmen ergriffen worden, um eine Begegnung fortzusetzen“. Nun könne in der Spielunterbrechung in Ruhe geprüft werden, ob dies in dem betreffenden Spiel eine Option ist. Die meisten Spielabbrüche basierten doch gar nicht auf gewalttätigen Auswüchsen. Oft genug ist eine schwere Verletzung eines Spielers der Grund. Kadel appelliert an die Vernunft der Zuschauer und Funktionäre. Da fielen immer wieder „Worte, die auf dem Sportplatz nichts verloren haben“. Die Grenze des Guten würde zuweilen von Eltern kickender Kinder „weit überschritten.“ Kadel, der alle Spiele der Deutschen bei der EM live verfolgen konnte, sieht die Gefahr, dass der Fußball auseinanderdividiert wird. Im Profibereich gebe es den VAR, Torlinientechnik und Karten, bei den Amateuren Zeitstrafen, meist nur einen Schiedsrichter und nun das Stopp-Konzept.

Zweifel an Wirksamkeit

Wenig zielführend ist das Konzept für den seit mehr als drei Jahrzehnte pfeifenden Thomas Müller aus Medard im Landkreis Kusel. Er ist der Meinung, dass der Schiedsrichter, der es so weit kommen ließ, dass er dieses Instrument braucht, um eine Spielfortsetzung zu erreichen, bereits zuvor wesentliche Fehler gemacht habe. Müller: „Man muss erkennen, wenn sich der Charakter eines Spiels verändert und sofort darauf reagieren.“ Das Stopp-Konzept sei doch bereits das Ende einer nicht förderlichen Entwicklung eines Spiels. So weit dürfe es niemals kommen. Er hegt auch Zweifel, dass „die Sache sich mit einer solchen Maßnahme beruhigt“. Eine „sinnvolle Ermahnung zur rechten Zeit“ sei da viel effizienter. Er sieht es auch als problematisch an, dass der Schiedsrichter in der Beruhigungspause alle Bewegungen der Spieler in den Strafräumen und auf der Auswechselbank beobachten solle, während er selbst kommunizieren solle. Es könnte auch sein, dass „ein Schiedsrichter mit dieser Maßnahme arrogant rüber kommt“, mutmaßt der 68-jährige Ortsbürgermeister von Medard, der noch an der Pfeife ist, sich allerdings mehr als Schiedsrichterbeobachter einbringt.

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