Hintergrund
Die Stopp-Regel im Fußball: Eine Pause zum Abkühlen
Bereits vor dem EM-Finale hat die Uefa beschlossen, die neue Mecker-Regel auch in ihren Cup-Wettbewerben zu übernehmen. Ein logischer und konsequenter Schritt. Denn trotz aller Skepsis hat sich das „Captains Meeting“ bei der EM zum Erfolgsmodell entwickelt. Was in anderen Sportarten seit jeher funktioniert, klappt plötzlich auch im Fußball. Was für eine Überraschung.
Folgerichtig ist, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) diese Regelung nun flächendeckend für alle Klassen übernimmt. Sie gilt ab sofort, auch in Freundschaftsspielen. Doch der DFB hat auch noch ganz andere Ideen. So können Schiedsrichter ab der neuen Saison ein überhitztes Spiel zur Beruhigung unterbrechen. Das sogenannte Stopp-Konzept, in der vergangenen Saison in Baden-Württemberg getestet, soll helfen, die Gemüter zu beruhigen, wenn die Atmosphäre auf dem Platz mal wieder zu hitzig wird.
Zwei Unterbrechungen erlaubt
Nach Aufforderung des Schiedsrichters müssen sich die Spieler in den eigenen Strafraum, der sogenannten „Cool-down-Zone“, begeben. Wer sich nicht daran hält, wird verwarnt. Der Unparteiische hat dann die Möglichkeit, sich mit den Trainern und Kapitänen im Mittelkreis zu versammeln und seinen Grund für die Aussetzung des Spiels zu erläutern. Auch Ordner können bei Bedarf angefordert werden. Zudem erklärt er das weitere Vorgehen und die Länge der Beruhigungspause. Maximal sind zwei Spielunterbrechungen zum Abkühlen erlaubt, bei der dritten Zwangspause muss die Partie abgebrochen werden.
Der DFB will damit seine „Maßnahmen gegen Gewalt im Amateurfußball verstärken“. Strategie oder Aktionismus? Bereits die Maßnahmen zur Gewaltprävention und die Ankündigung, Täter konsequenter zu bestrafen, liefen ins Leere. Noch immer haben Spieler, die einen Schiedsrichter tätlich angreifen, wenig zu befürchten. Selbst mehrmonatige Spielsperren wirken nicht sonderlich abschreckend. Und wer am nächsten Sonntag sowieso etwas anderes vorhat, holt sich noch schnell eine Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung ab. Alles halb so wild. Dafür wollen die Landesverbände jetzt sogenannte „Kümmerer“ als Ansprechpersonen für betroffene Schiedsrichter einsetzen, die inzwischen von C-Junioren beleidigt und bedroht werden.
Pilotprojekt unterhalb der Regionalliga
Den Grundstein für die Einführung des Stopp-Konzepts legte der DFB durch einen Antrag beim International Football Association Board (Ifab), das Änderungen der Fußballregeln berät und beschließt. Das Ifab genehmigte auf dieser Grundlage ein Pilotprojekt, das sich über die komplette Saison und alle Altersklassen im Männer-, Frauen- und Jugendbereich unterhalb der Regionalliga erstreckt.
Die Entwicklung ist nicht neu: Profis und Amateure bewegen sich immer weiter auseinander, weil nach unterschiedlichen Regeln Fußball gespielt wird. Hier die Torlinientechnologie und der Videobeweis, dort das Lamentieren über angebliche Fehlentscheidungen. Hier die Gelb-Rote Karte, dort die Zeitstrafe. Hier sechs Auswechslungen, dort vier. Und in den deutschen Profiligen greift das Stopp-Konzept der Amateure nicht.
Die Faszination des Fußballs lag schon immer in ihrer schlichten Schönheit – und ihren einfachen Regeln, die überall gleichermaßen gelten und damit den Fußball weltweit verbinden. Dieser Illusion wurden die Spieler inzwischen längst beraubt.
Info
Weitere Regeländerungen:
Neben dem Stopp-Konzept müssen sich die Amateurfußballer in der neuen Saison auf weitere Neuerungen einstellen. So darf ein Spieler nach erfolgter Zeitstrafe erst in der nächsten Spielunterbrechung das Feld wieder betreten. Bislang war dies auch im laufenden Spiel möglich. Hält sich der Spieler nicht daran und betritt ohne Zustimmung des Schiedsrichters den Platz, wird dieser mit der Roten Karte bedacht.
„Strafmildernd“ wirkt sich dagegen zukünftig ein Handspiel aus, wenn dieses „unabsichtlich“ erfolgt. Verhindert also ein Spieler durch ein „unabsichtliches“ strafbares Handspiel einen aussichtsreichen Angriff, so wird dieses nicht mehr mit einer Gelben Karte geahndet. Wenn damit eine klare Torchance verhindert wird, reduziert sich die persönliche Strafe von Rot auf Gelb.
Eine weitere Regeländerung befasst sich mit dem Strafstoß. So wird das verfrühte Betreten des Strafraums nur noch dann vom Schiedsrichter geahndet und bestraft, wenn sich der Spieler einen konkreten Vorteil verschafft und die Gegenseite einen gravierenden Nachteil erfährt.
