Kaiserslautern
Warum Lauterer Studierende fürs 49-Euro-Ticket 50,40 Euro zahlen
Für 49 Euro können Bahnnutzer künftig durch ganz Deutschland fahren. Der Preis ist für alle Kunden gleich, egal ob Senior oder Schüler. Als Student in Kaiserslautern muss er jedoch 50,40 Euro zahlen, wunderte sich Gerald Ehrhardt, als er das Ticket kaufte. „Auch bei Kommilitonen hat es Kopfschütteln verursacht.“
Der Hochschul-Student ist im Fachschaftsrat Angewandte Ingenieurwissenschaften und sitzt als dessen Vertreter auch im Studierendenparlament der Hochschulstandorte Kaiserslautern und Pirmasens sowie im hochschulweiten Senat.
„Mit dem Upgrade kostet das Ticket 50,40 statt 49 Euro“
Für das „Semesterticket plus Westpfalz“ habe er fürs Sommersemester 147,54 Euro gezahlt. Durch sechs Monate geteilt „ergibt dies also einen monatlichen Betrag von 24,59 Euro“. Vom VRN (Verkehrsverbund Rhein-Neckar) in Mannheim werde eine Upgrade-Lösung angeboten. „Hierfür soll als monatlicher Betrag 25,81 Euro bezahlt werden. Dies ergibt mit den Kosten für mein Semesterticket 24,59 plus 25,81 Euro, also 50,40 im Monat, anstatt den beworbenen 49 Euro für das Deutschlandticket“, wunderte er sich. Und fragte auch gleich beim VRN nach, ob es sich um einen Fehler handele.
„Nein, es handelt sich hier nicht um einen Fehler“, lautete die schnelle Antwort aus Mannheim. Der Teufel steckt im Detail, nämlich in der Kaiserslauterer Besonderheit, dass dieses Semesterticket über die Grenzen des VRN-Gebiets hinaus bis Saarbrücken gültig ist. Der VRN bekommt nicht die gesamte Summe für das „Semesterticket plus Westpfalz“, sondern „mit 8,40 pro Semester wird die Anerkennung des Studierendenausweises als Fahrschein auf der DB-Strecke Kaiserslautern-Saarbrücken finanziert“. Die 8,40 Euro sind die monatliche Differenz von 1,40 zum 49-Euro-Ticket.
Das Lauterer Semester-Ticket gilt übers VRN-Gebiet hinaus bis Saarbrücken
Während alle anderen VRN-Tickets originär nur im VRN-Gebiet gelten, kann das „Semesterticket plus Westpfalz“ als Ausnahme bis nach Saarbrücken genutzt werden, damit Studierende auch von dort aus anreisen können. Dafür wurde eine gesonderte Vereinbarung zwischen dem Studierendenwerk Kaiserslautern und der Deutschen Bahn geschlossen. „Dies gilt nur für die Studierenden der TU am Standort Kaiserslautern – nicht für Landau – und für die der Lauterer Hochschule am Standort Kaiserslautern und Pirmasens, nicht jedoch Zweibrücken“, präzisiert Boris Flesch, Leiter der SWK Verkehrs-AG, das Konstrukt. Da der VRN „nicht an dieser Vereinbarung beteiligt ist, konnten wir den Betrag bei der Berechnung des Upgrades nicht berücksichtigen“, erläutert die VRN-Mitarbeiterin.
Eine weitere Besonderheit, die das Lauterer Modell so kompliziert macht, ist, dass dieses Semesterticket ein reines Solidarmodell ist, also die ÖPNV-Nutzung im Beitrag fürs Studierendenwerk bereits enthalten ist. Deshalb könne es auch nicht wie andere Jahreskarten einfach aufs Deutschland-Ticket umgestellt werden, sondern das Upgrade wurde nötig, erläutert Flesch. „Und ich bin froh über diese Lösung“, auch wenn der Preis nun über 49 Euro liege. „Aber das Upgrade kann monatlich gekündigt werden“, nennt er eine Möglichkeit zu sparen.
Auch Gerald Ehrhardt gesteht ein, dass das Solidarmodell Vorteile hat. „Würden das Semesterticket nur diejenigen bezahlen, die es tatsächlich nutzen, wäre es pro Kopf sehr wahrscheinlich deutlich teurer“, wägt er ab.