Stadtgespräch
Von bunten Wänden und geschlossenen Kitas
Statt langweiligem Baustellen-Tunnel aus Holz eine Unterführung voller Kunstwerke: die Idee von Maryam Arabshahi ist wirklich klasse. Die Bauunterführung, die unter der Eisenbahnbrücke an der Trippstadter Straße entlangführt, soll auf Anregung der jungen Frau ab dem 6. Dezember mit Kunstwerken geschmückt werden. Schön, wenn sich Menschen in der Stadt engagieren, wobei Maryam Arabshahi häufiger gute Einfälle hat: Bereits zum zweiten Mal hat sie im Spätsommer eine Müll-Sammelaktion in Kaiserslautern organisiert, um die Stadt zu verschönern. Und wer sagt, dass nicht auch Bauelemente verschönert werden können?
Der Einfall kam Maryam Arabshahi, als sie selbst den Tunnel durchquerte und sich überlegte, dass der viel besser aussehen könnte. Es ist schön, dass die Deutsche Bahn auf den Vorschlag eingegangen ist und die Aktion unterstützt. Ich bin jetzt schon auf die Motive gespannt, die die Menschen einreichen – professionelle Künstler sind genauso dazu eingeladen wie Hobbykünstler.
Türen bleiben zu
Eher aus- als eingeladen fühlen sich dagegen viele Eltern in den Kindertagesstätten ihrer Sprösslinge. Die Eltern des Stadtelternausschusses haben darüber berichtet, dass in einigen Kindertagesstätten seit der Corona-Pandemie für sie kein Zutritt möglich ist. Nicht überall hatten Eltern die Möglichkeit, bei dieser Entscheidung mitzureden, sondern müssen sich den Vorgaben der Träger beugen.
Nicht jedes Elternteil kann dies nachvollziehen – verständlich. Ich erinnere mich lebhaft, wie wichtig mir der unkomplizierte Austausch mit den Erzieherinnen war, als meine Tochter im Kindergarten war. Die Eltern haben sich auf den Fluren getroffen, es gab ein großes Hallo und ein kleiner Blick hinter die Kulissen war immer möglich. Die Kunstwerke, von denen mir mein Kind erzählt hat und die sie mir unbedingt zeigen wollte – kein Problem. Diese Leichtigkeit hat die Corona-Pandemie zerstört.
Dabei sind beide Seiten sehr gut zu verstehen. Einerseits die Eltern, die im schlimmsten Fall noch nie in der Kita ihres Kindes waren, weil die Eingewöhnung in die Phase des Lockdowns fiel und die Einrichtung seither nur noch für die Kinder geöffnet ist. Natürlich gibt es Gesprächsangebote und Wege, den Kontakt zur Kita herzustellen. Aber es ist komplizierter und die Unbekümmertheit fehlt. Als Elternteil hat man nicht mehr das Gefühl, an diesem Teil des Lebens des eigenen Kindes Anteil zu haben.
Gleichzeitig ist es aus Sicht der Träger absolut nachvollziehbar, dass nicht alle Einrichtungen geöffnet werden. Das Argument, damit der Sicherheit der Kinder und des Personals zu dienen, ist nicht von der Hand zu weisen. In dem Moment, wo Menschen zusammenkommen, kann sich das Coronavirus verbreiten. Die Angst der Träger, bei einem größeren Ausbruch die ganze Einrichtung schließen zu müssen, ist groß.
Bei den Gesprächen mit den unterschiedlichen Verantwortlichen wurde eines deutlich: Sie nehmen den Schutz der Kinder und des Personals sehr ernst und versuchen auf verschiedenen Wegen, die Eltern auch dann einzubeziehen, wenn die Kitas für sie geschlossen bleiben. Dass dies nicht zur absoluten Zufriedenheit aller funktioniert, ist leider abzusehen.
Zumal es schlicht unfair ist, dass manche Kita-Gebäude großzügige Eingangsbereiche haben, während andere mit Verweis darauf, dass die Hygiene-Konzepte in schmalen Gängen nicht eingehalten werden können, geschlossen bleiben. Das frustriert, eine Lösung ist allerdings nicht in Sicht.
Letztlich wünschen wir uns alle, dass die Kitas zu möglichst viel Normalität zurückkehren zu können und wieder zu Orten der Begegnung werden. Doch mit dem Blick auf die Herbst- und Wintermonate sieht es danach im Moment nicht aus. Es ist bitter, wie stark die Pandemie in das Leben der Kleinsten und ihrer Familien eingreift, ohne, dass es einen Kompromiss gibt, der allen Ansprüchen gerecht wird. Die Gefahr durch eine Infektion ist für die Kleinen nach derzeitigem Wissenstand deutlich geringer als für Erwachsene – doch die Einschnitte, die das Virus in ihr gesellschaftliches Leben und ihre Entwicklung vornimmt, sind es nicht.