Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Vom ehemaligen Ausstellungsgelände im Volkspark ist kaum etwas übrig geblieben

Für Einladungen zu besonderen Anlässen beliebt: Im Ausstellungspark öffnet sich das Restaurantensemble zum Schwanenweiher hin.
Für Einladungen zu besonderen Anlässen beliebt: Im Ausstellungspark öffnet sich das Restaurantensemble zum Schwanenweiher hin.

Vor 95 Jahren: Das Ausstellungsgelände mit Hallen und Park, ehemals auf dem Terrain des heutigen Volksparks, wurde am 1. August 1925 der Öffentlichkeit übergeben. Im Januar 1945 gehen die Hallen im Bombenhagel unter. Der Park verwildert 14 Jahre lang und wird zum öffentlichen Ärgernis. Im Januar 1959 beginnt die Stadt den Volkspark auszubauen, der heute eines der beliebtesten stadtnahen Erholungsgebiete ist.

Die Pfälzische Handwerkskammer, im Jahr 1900 gegründet, begeht 1925, vor 95 Jahren, ihr 25. Jubiläum. Die Kammer hat die Absicht eine Handwerks- und Gewerbeschau zu veranstalten. Das ist der Grund für den Bau der Ausstellungshallen. Stadtbaumeister Hermann Hussong plant und führt aus.

„Die Erinnerung an die Ausstellungshallen ist so lebendig und stark, dass aus ihr die Kraft fließt, um sie in absehbarer Zeit wieder erstehen zu lassen“, schreibt die RHEINPFALZ am 15. Januar 1955, als Hallenruinen und Park schon zehn Jahre heruntergekommen und vernachlässigt sind.

Zwei Jahr später, am Samstag, 21. September 1957, um 15.45 Uhr, vollstreckt das Technische Hilfswerk mit 252 Dynamitpatronen einen Stadtratsbeschluss. Das Betonskelett der Hallen wird nach langjährigen Diskussionen über einen eventuellen Wiederaufbau gesprengt. Um 15.47 Uhr zieht ein Staubschleier nach Westen und schreibt das Protokoll des zerredeten Wiederaufbaus auf Dächer und Straßen.

Wohnungsbauten statt Wiederaufbau der Hallen

Die Statiker trauten den Hallengerippen noch Rohbauwert zu. Der Wiederaufbau der Hallen hätte, nach Berechnungen der Stadt, 1948 nach der Währungsreform, rund eine Million D-Mark gekostet. Die Stadt hatte 1948 nur zwei Millionen D-Mark Schulden. Als sich der Rat 1957 für Dynamit entscheidet, wird der Wiederaufbau bereits mit zwei Millionen D-Mark kalkuliert. Die Stadt kann diesen Betrag wegen des vordringlichen Wohnungsbaus nicht aufbringen. Tausende einheimischer Familien sind in den 1950er Jahren auf Wohnungssuche, und die Stadt muss die ihr zugewiesenen „Ostzonenflüchtlinge“ unterbringen. Der Bau des Betriebshofs der damaligen Technischen Werke in der Stiftswaldstraße beanspruchte bereits 1954 einen erheblichen Teil des Ausstellungsgeländes. Auf einem weiteren Teil errichtet die Bau AG 1957, nach der Sprengung der Hallenruinen, 100 Wohnungen ebenfalls für „Ostzonenflüchtlinge“.

Obwohl der Park nur Zugabe zu den Ausstellungshallen war, stand er von Anfang an als Ausflugs- und Erholungsort im Mittelpunkt: gepflegte Gastronomie, Tanztee, Rosen- und Dahlienschauen, Eislaufen auf dem heute noch erhaltenen Schwanenweiher, ein großer und kleiner betongefasster Weiher mit Goldfischen und exotischen Wasserpflanzen und „Sommernachts-Brillantfeuerwerke“. Das war der Park, „die Ausstellung“ bis Ende der 1930er, Anfang der 1940er Jahre. Der Kunstflieger Ernst Udet jagt am 4. September 1927 mit seiner einmotorigen „Flamingo“ rücklings über das Ausstellungsgelände, dass sich die Silberpappeln im Luftsog biegen und die 20.000 Zuschauer Beifall klatschen.

Zweiter Rossebändiger vor der Zerstörung gerettet

Als Schmuck des großen betongefassten Weihers vor den Hallen hat der Bildhauer Fritz Korter zwei Statuen aus Beton gehauen, die Rossebändiger. Einer der beiden Rossebändiger wurde bei dem Luftangriff fast völlig zerstört. Der andere war nur leicht beschädigt, sollte jedoch, nach dem Willen der Stadt, auch gesprengt werden. Die RHEINPFALZ schreibt am 26. September 1957: „Die Korter-Plastik im Ausstellungsgelände, die am Freitag dieser Woche im Rahmen einer weiteren Sprengung des Technischen Hilfswerks zerstört werden sollte, bleibt erhalten. Einem Aufruf der RHEINPFALZ-Redaktion ist die Rettung zu verdanken.“ Der damalige Redakteur, Manfred Frenzel, hatte sich mit Erfolg engagiert.

Das Konzept der Anlage sah so aus: In Hufeisenform eine 96 Meter lange und 16 Meter hohe Halle mit kleineren Seitenflügeln auf der Ost- und der Westseite, auf der Südseite der Ausstellungspark mit Haupteingang bei der Entersweilerstraße. Mit ihren klaren Bauhaus-Linien prägten die strahlend weißen Hallen die Parkkulisse. Die Restaurationsbetriebe befanden sich unweit der großen Haupthalle. Das entspricht heute der Ostseite des Schwanenweihers, der mit Wohnanlagen bebauten Donnersbergstraße. Dem Restaurantensemble, das sich zum Schwanenweiher hin öffnete, war ein Freisitz mit Tanzpavillon in unmittelbarer Nähe zur Wasserfläche vorgelagert. Der gesamte Freisitz zum Weiher hin war mit weißem Marmorkies aufgeschüttet. Es war stilvoll, zur Verlobung, zur Hochzeit, zu einem Jubiläum oder zum großen Geburtstag „in die Ausstellung“ einzuladen.

Vergnügungspark wird nie realisiert

In einem versteckten Winkel bei der westlichen Seitenhalle gab es ein Schmuckhöfchen, den Weinhof. In Nischen und unter Arkaden war dieser intime Raum mit grotesken Fantasiefiguren der Majolika-Manufaktur Karlsruhe ausgestattet. Der Kaiserslauterer Bildhauer Sepp Mages hatte die Grotesken gestaltet. Die Nationalsozialisten sahen in den Figuren „entartete Kunst“ und zerschlugen sie. Auf der Nordseite der Hallen, zur Stiftswaldstraße hin, war zunächst nur ein geschottertes Gelände hergerichtet, auf dem von 1928 bis 1936 die Mai- und Oktoberkerwen abgehalten wurden. Dort sollte, laut Hussong-Konzept, später ein „Vergnügungspark“ hergerichtet werden. Die Idee wird wegen des 1939 beginnenden Kriegs nicht realisiert.

Es gibt eine genaue Abrechnung des Projekts: Hallen und Park kosteten 1.445.674 Millionen Gold-Mark. Die Stadt musste rund 900.000 Mark selbst aufbringen, obwohl sich ein großzügiger Spender gefunden hatte. Julius Gravius, ein in Zürich lebender ehemaliger Kaiserslauterer Bürger, hatte die Absicht, für den Bau einer Markthalle in seiner Heimatstadt 600.000 Mark zu spenden. Oberbürgermeister Xaver Baumann überzeugte Gravius, dass der Betrag an dem Bau der Ausstellung besser angelegt sei. Gravius stellte nach dem Gespräch mit Baumann knapp eine halbe Million zur Verfügung. Das war das endgültige Aus für eine Markthalle auf dem Stiftsplatz, einem Projekt, das seit 1870 die Ratsgenerationen in Rage gebracht hatte, wegen der Kosten und des Standorts.

Die Ausstellungshallen in Kaiserslautern im Jahr 1925. Das Gelände ist heute Teil des Volksparks.
Die Ausstellungshallen in Kaiserslautern im Jahr 1925. Das Gelände ist heute Teil des Volksparks.
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