Kaiserslautern Vollendete Wunderkind-Karriere

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In Zeiten, in denen der Jugendwahn auch die Klassik-Szene längst erreicht hat, tut Kontinuität auch mal gut: Rudolf Buchbinder, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, hat mit neun Jahren sein erstes öffentliches Konzert gegeben. Und er ist immer noch zu Gast in allen Konzertsälen dieser Welt – in der Region zuletzt auch in Ludwigshafen und Kaiserslautern.

Wunderkinder müssen ja manchmal steinige Wege gehen, nachdem ihnen zunächst alles zuzufliegen scheint. Auch Rudolf Buchbinder ist mit einer pianistischen Naturbegabung auf die Welt gekommen. Im zarten Alter von fünf Jahren hat ihn die Wiener Musikhochschule als Studenten angenommen, mit neun Jahren gab er sein erstes öffentliches Konzert. Einen solchen Einstieg in die Welt der klassischen Musik haben auch andere hochbegabte Künstler geschafft. Nur bei vielen blieb es bei dieser Frühvollendung. Die anschließende Karriere kam nicht in Gang. Das Vergessen setzte ein. Bei Rudolf Buchbinder verlief der Lebensweg anders. Steiniger, mühseliger, arbeitsintensiver, aber eben auch erfolgreicher. Seit fast 50 Jahren hat er mit seiner Frau Agi, die ebenfalls ausgebildete Pianistin ist und die er an der Hochschule kennenlernte, so etwas wie eine Beraterin, Managerin und Agentin an seiner Seite, die vor allem auch für eines sorgt: Buchbinder bleibt geerdet, trotz all seiner Erfolge. Er weiß eben um die Flüchtigkeit des vorschnellen Erfolges. Buchbinders Nach-Wunderkind-Karriere begann als Kammermusiker. Nicht zuletzt seine Frau drängte ihn zur Solisten-Laufbahn. Diese verfolgte er mit ebenso großer Seriosität wie künstlerischer Wahrhaftigkeit. Rudolf Buchbinder ist kein Pianist für die Galerie, kein Tastenlöwe, der virtuose Kunststücke und Zaubertricks in den Mittelpunkt stellt. Ihn geht es immer zuerst um die Musik, als deren Diener er sich versteht. Ganz altmodisch, ja, vielleicht sogar konservativ. Wenn man sich mit Buchbinder unterhält, dann überrumpelt er einen zunächst mit seinem typischen Wiener Charme, mit dem er beispielsweise auch der unbestrittene Mittelpunkt jeder Pausenrunde im Salzburger Festspielhaus ist. Dort ist er zwar immer wieder auch als Künstler zu Gast, zugleich nutzt er aber auch jede sich bietende Möglichkeit, um andere Konzerte und Opernproduktionen zu verfolgen. Rudolf Buchbinders Kernrepertoire ist wenig spektakulär: Klassik und Romantik. Ein besonders inniges Verhältnis pflegt er zu Beethoven, dessen 32 Sonaten er schon mehrfach in einem Marathon-Zyklus hintereinander gespielt hat. Aber was er beispielsweise mit den Klavierkonzerten Beethovens veranstaltet, mit wie viel technischer Perfektion und künstlerischer Empathie er dem klassischen wie dem romantischen Erbe, das sich in dieser Musik verbirgt, gerecht wird, das macht dann schon Staunen. Zumal, wenn er dies auch noch in einer Doppelfunktion als Pianist und Dirigent tut. Und wenn man Rudolf Buchbinders Brahms zuhört, dann stellt sich die Frage nach der Traditionslinie, aus welcher der Romantiker stammt, erst gar nicht: Man versteht sofort, wie viel Johannes Brahms Beethoven zu verdanken hat, weil der Pianist die Brücke zurückschlägt von der Romantik zur Klassik. CD-Tipps —Johannes Brahms: Klavierkonzerte, Wiener Philharmoniker, Rudolf Buchbinder (Klavier), Zubin Mehta (Leitung), Sony. —Ludwig van Beethoven: Klavierkonzerte, Wiener Philharmoniker, Rudolf Buchbinder (Klavier und Leitung) Sony.

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