Kaiserslautern „Ungefähr 15 Prozent mehr Einsätze“

Kaiserslautern. Rettungskräfte, die für Notfälle bereitstehen, müssen immer häufiger ausrücken. Die Einsatzzahlen des DRK-Rettungsdienstes Westpfalz belegen dies. Redakteurin Pola Schlipf hat sich mit Rettungsdienstleiter Axel Gilcher über die Gründe und Auswirkungen unterhalten.
Unsere Gesamteinsätze sind von circa 68.000 Einsätzen im Jahr 2011 auf circa 80.000 Einsätze im Jahr 2015 gestiegen. Dies bedeutet eine Steigerung von ungefähr 15 Prozent in fünf Jahren. Auf den einzelnen Rettungswachen fällt die Entwicklung unterschiedlich aus. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass immer mehr Notrufe getätigt werden? Dies hängt beispielsweise mit der demografischen Entwicklung zusammen und der damit verbundenen älter werdenden Bevölkerung, gerade im ländlichen Raum. Ältere Menschen müssen natürlich öfter medizinische Dienstleistungen in Anspruch nehmen als jüngere. Die Bevölkerung wünscht sich eine immer bessere medizinische Hilfe. So wird der Rettungsdienst immer häufiger auch zu Einsätzen gerufen, die vor einigen Jahren noch gar nicht entstanden sind, weil die Patienten damals zuerst den Hausarzt oder ärztlichen Notdienst angerufen haben. Werden Sie auch häufiger von Personen angefordert, die gar nicht in Not sind? Die Tendenz der letzten fünf Jahre zeigt eine niederschwelligere Inanspruchnahme des Rettungsdienstes durch die Bevölkerung, bei denen ein Transport in eine Klinik manchmal weder notwendig noch vom Anrufer gewünscht ist. Weil der Rettungsdienst rund um die Uhr an 365 Tagen verfügbar ist, ist es heute häufig so, dass oftmals auch bei weniger akuten oder schlimmen Erkrankungen sofort der Rettungsdienst kontaktiert wird. Wie gehen die Rettungskräfte vor Ort mit einer solchen Situation um? Die Rettungskräfte helfen natürlich auch in solchen Situationen den Anrufern, sie stehen ihnen beratend zur Seite und untersuchen diese bei Bedarf – so wie es mit den Mitteln des Rettungsdienstes möglich ist. Sie stellen außerdem entweder den Kontakt zum Hausarzt oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst her. Oft hilft auch schon die reine Anwesenheit unseres Personals, damit es den Betroffenen besser geht und ein Besuch des Hausarztes bis zum nächsten Morgen warten kann. Allerdings wird unser Personal dadurch manchmal vor die Schwierigkeit gestellt, den Patienten wunschgemäß zu Hause zu lassen, obwohl sie dessen Vorerkrankung nicht kennen und es deshalb schwierig ist, vor Ort zu entscheiden, ob es nicht doch besser wäre, eine Abklärung im Krankenhaus vorzunehmen. Wer übernimmt die Kosten eines solchen Einsatzes? Reine Hilfeleistungseinsätze, bei denen ein Patient durch uns nur betreut oder auch rettungsdienstlich versorgt wird und anschließend kein Patiententransport in eine Zieleinrichtung stattfindet, können durch uns nicht abgerechnet werden. Das Gleiche gilt natürlich für Fehleinsätze, die völlig unbegründet hervorgerufen wurden. Natürlich ist dies für das Gesamtsystem unvorteilhaft, viel schlimmer ist aber, dass die Besatzungen des Rettungsdienstes bei solchen Einsätzen gebunden sind und für einen Notfalleinsatz dann unter Umständen nicht mehr rechtzeitig zur Verfügung stehen. Das kann im Extremfall dazu führen, dass zum Beispiel ein Rettungswagen, der normalerweise fünf Minuten bis zum Notfallpatienten bräuchte, im Einsatz ist und deshalb der Rettungswagen aus der Nachbarrettungswache anfahren muss. Könnten die steigenden Einsatzzahlen auch damit zusammenhängen, dass die Leute nicht wissen, wer für was zuständig ist? Für das Gesamtsystem Rettungsdienst ist es für alle Beteiligten wichtig, dass die Bevölkerung gut darüber informiert ist und weiß, für was die Notfallrettung und für was der Krankentransport zuständig ist. In akuten Notfällen oder bei Unfällen steht die Notfallrettung 24 Stunden jeden Tag jeder Mitbürgerin und jedem Mitbürger zur schnellen und professionellen Hilfe zur Verfügung. Wenn man darüber nachdenkt, dass es im Notfall oft auf Minuten ankommt, wird schnell klar, dass jeder natürlich im Bedarfsfall den Rettungsdienst alarmieren soll. Nichtnotfallpatienten, die fachgerecht und medizinisch betreut befördert werden müssen, sollten sich allerdings an den qualifizierten Krankentransport wenden. Dieser hat die Aufgabe, Patienten zu transportieren, wenn andere Beförderungsmöglichkeiten aus medizinischen Gründen nicht infrage kommen. Wenn wir dies beachten, sichern wir alle das Gesamtsystem Rettungsdienst und tragen mit dazu bei, dass schnelle und professionelle Hilfe immer dann zur Verfügung steht, wenn sie benötigt wird.