Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Trunken vor Begeisterung: Irish Folk Festival in der Kammgarn Kaiserslautern

Musik aus dem Herzen: Publikumslieblinge Caroline Keane & Tom Delany.
Musik aus dem Herzen: Publikumslieblinge Caroline Keane & Tom Delany. Foto: VIEW

Irre, die Iren! Über die Iren weiß man gemeinhin nicht viel, außer, dass es bei ihnen immer regnet, die Gräser immer grün sind und sie die beste und verrückteste Folkmusik der Welt haben. Das zeigte sich am Dienstagabend auch beim Irish Folk Festival (IFF) in der Kammgarn. Nicht gerade einen Topf voll Gold, wie die Sage erzählt, aber gewiss einen Eimer voll Glück trug anschließend jeder der 350 Besucher nach Hause. Motto des IFF: “Ruhe vor dem Sturm“.

Zum Brexit bemerkte Moderator und Produzent des IFF, Peter Pandula: „Wenn die Briten und die Europäische Gemeinschaft in Irland keine Lösung finden, kann es wieder dazu kommen, dass Nordiren und Iren aufeinander schießen. Um das zu verhindern, brauchen wir Ihre Solidarität.“ Die vier Formationen taten das ihre, um die Besonderheiten der gespaltenen Insel auf musikalische Weise herauszustellen.

Auf Anhieb katapultierten sich Caroline Keane & Tom Delany zu Publikumslieblingen, weil ihre Musik direkt aus dem Herzen kam. Ihr unwiderstehlicher Charme und ihr musikalisches Können zeigten zwei absolute Meister ihres Fachs. Toms Uillean Pipes mit Rohrblättern aus Schilf (irischer Dudelsack) und Carolines Concertina (Mini-Akkordeon) mit Zungen aus Metall erwiesen sich als eine wunderbare Klangkombination. Das Zusammenspiel der beiden, die an der Uni in Limerick einen Master für traditionelle irische Musik gemacht haben, war geschmeidig und frei fließend und von großer Ausdrucksstärke, und die schier unaufhörlichen Mäander ihrer Jigs und Reels machten das Publikum schon zu gleich Anfang ein wenig trunken vor Begeisterung. Sie irritierten aber auch ein wenig, und mancher fragte sich, wo kommt plötzlich der tief unterlegte, langanhaltende Basston her? Es war der Bass-Bordun, den Tom neben seinem virtuosen Spiel mit den Fingern aus seinen Uilleans Pipes herauszauberte.

Von Quellwasser und der Irischen See

Nach diesem Wirbelwind brachte der Songwriter Barry Kerr, gestrickter Pullover, Schirmmütze, mit herrlichen Balladen etwas Ruhe in das Geschehen. Seine Stimme klang zuweilen klar wie Quellwasser, dann wiederum aufgewühlt wie die Irische See oder auch ganz sanft und tat der Seele gut. Auf der akustischen Gitarre mit dem satten Sound zeigte der Multiinstrumentalist, dessen Songs so hervorragende Interpreten wie Kate Rusby covern, sich als Zauberer der Melodie.

Bedeutend mehr als nur eine Mütze voll Wind brachten The Fitzgeralds, Kanadas New-Folk-Sensation, ins Kasino. Die drei Geschwister Kerry, Julie und Tom zeigten sich nicht nur als hochkarätige Fiddlespieler, die alle Nuancen der Tradition verinnerlicht haben, sie entfachten auch mit ihren virtuosen Stepptänzen Stürme der Begeisterung. Oft schafften zwei Fiddles eine groovende Polyrhythmik, während die dritte Fiddle sich auf diesem Fundament mit halsbrecherischen Soli austobte. Die jungen Kanadier hatten aber auch Einsprengsel aus Bluesgrass, French-Canadian und Jazz im Repertoire. Zuweilen meinte man sogar die Inkarnation von Stephane Grappelli zu hören, der mit perfektem Legato-Stil und mit technischer Brillanz einen Ausflug zu den Kelten unternahm. Der vierte im Bund, Nate Douglas, die Crème de la Crème der kanadischen Gitarristen, komplettierte das Quartett mit virtuosem Spiel. Wenn die Kanadier bei ihren Songs mit wunderbarer Mehrstimmigkeit musizierten, ging das runter wie kanadischer Ahorn-Sirup. Als die Vier völlig ausgeflippt, geladen mit überschäumender Lebensfreude und ungestümer Kreativität, zu steppen begannen, brach im Publikum der Sturm los.

Mànran heizte die Party an

So richtig los ging die Party schließlich mit Schottlands führender Scot-Rock-Band Mànran. Dieses Sextett ließ die Puppen so richtig tanzen, so dass die Zuhörer im ganzen zweiten Set nur standen und mitklatschten und -sangen. Es war nicht nur die einzigartige Stimme von Ewen Henderson, sondern auch das weltweit einzigartige Duett zwischen irischen Uillean und schottischen Bagpipes. Es ist teuflisch schwer zwei Dudelsäcke mit zwei verschiedenen Tonlagen stimmig zu spielen. Ryan Murphy und Ewen Henderson schaffte das – mit einem Sound, den keine andere Band als Bläsersatz zu bieten hat, während Marc Scobbie mit wuchtigen Hieben auf dem Schlagzeug die Band vor sich her trieb.

Ein Akkordeon, Fiddle, Gitarre und Bassgitarre zudem genügten, um das volle Kasino in absolute Begeisterung zu versetzen. Entscheidend war der Spirit, der in diesen im positiven Sinne verrückten Schotten loderte, denn die Jungs pumpten Note für Note aus sich heraus und steigerten sich von Takt zu Takt bis zur Ekstase. Dabei hatten sie das Ohr ganz fest auf den Boden Irlands gelegt und hüpften zum Rhythmus der Musik. Zudem hatten ihre eigenen Songs einen hohen Wiedererkennungswert. Als zum Schluss sämtliche Musiker auf die Bühne kamen und eine irrsinnige Session feierten, war das Publikum nicht mehr zu halten und klatschte sich die Hände heiß. Zwei Zugaben, davon mit „Safe Home“ From John Smith eine traumhaft schöne Ballade.

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