Kaiserslautern
Trump gewinnt US-Wahl: So ist die Stimmung in Kaiserslautern
Ralf Leßmeister (CDU), Landrat des Kreises Kaiserslautern: „Den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen habe ich mit großem Interesse verfolgt. Überraschend ist sicherlich das offensichtlich frühzeitige und klare Ergebnis zugunsten von Trump. Ich hätte mir zugegebenermaßen lieber ein anderes Wahlergebnis gewünscht, da wir die Ära Trump mit der Unberechenbarkeit in seiner Person und den damaligen Äußerungen zu den Truppenabzugsandrohungen ja schon leidvoll vier Jahre erlebt hatten. Auch ist für deutsche Verhältnisse das Wahlergebnis zugunsten eines Kandidaten, der kein Hehl daraus macht, extrem zu polarisieren und mit Wahlaussagen aufzuwarten, die andernorts zum Teil mehr als kritisch gesehen und dennoch von der Mehrheit des amerikanischen Volkes unterstützt werden, nicht nur für mich persönlich mehr als überraschend. Insgesamt erwarte ich für unsere Region jedoch keine gravierenden Auswirkungen – eher in der nationalen und europäischen Politik. Ich hoffe jedoch, dass der Beraterstab den bekannt unberechenbaren neuen US-Präsidenten vernunftgeleitet beraten wird.“
Dieter Rombach, IT-Experte, lebte, lehrte und arbeitete in den USA: „Ich bin zurzeit in den USA und habe die Katastrophe hautnah mitbekommen. Die Enttäuschung ist riesengroß. Ich habe mit meiner Familie in den 80er- und 90er-Jahren acht Jahre in den USA gelebt und bin entsetzt, wie stark sich das Land seither negativ verändert hat. Ich glaube, dass Biden den Stab zu spät an Kamala Harris übergeben hat. Sie konnte sich in den letzten 100 Tagen kein eigenes Profil aufbauen. In Europa müssen wir uns – so schnell es geht – darauf einstellen, dass die freie Welt in den USA keinen verlässlichen Verbündeten mehr haben wird. Aber die wichtigste Erfahrung für unsere Politik ist, dass wir vermeiden müssen, dass politische Parteien von Rivalen zu Feinden werden. Der gesamten Welt, insbesondere Europa, stehen vier schwierige Jahre bevor.“
Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach: „Ramstein ist nicht nur US-Militär-, sondern auch ein Nato-Stützpunkt und daher schon eine Besonderheit. Man wird sehen, wie Donald Trump seine Aussage, den Ukraine-Krieg beenden zu wollen, tatsächlich umsetzt und wie sich dann die Zusammenarbeit mit der Nato weiter gestaltet. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass er hier den Schlüssel rumdrehen und alle Truppen abziehen wird. Seine Wiederwahl wird jedenfalls keine Auswirkungen von heute auf morgen haben. Vor Jahren hat er schon einmal mit einem Abzug gedroht, wenn die BRD nicht zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben bereitstellt. Das waren letztlich nur Drohgebärden. Zumal in der Vergangenheit hier viel in den Militärstandort investiert worden ist und auch noch weitere langfristige Projekte anstehen. Das spricht nicht für einen Truppenabzug. Zurzeit wird das US-Hospital in Weilerbach gebaut, ein neues Highschool-Gebäude in Ramstein ist vor knapp zwei Jahren eröffnet worden, gerade wird die Middle-School neu errichtet. Auch auf der Air Base werden neue Wohnkomplexe geschaffen. Allerdings ist Trump als Präsident der Oberbefehlshaber des Militärs. Man muss jetzt sehen, wie die Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sind.“
David Lyle, Geschäftsführender Vorstand der Lebenshilfe und Halb-Amerikaner: „Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten macht mich sehr nachdenklich. Der Chefredakteur von Focus-Online meinte, dass Trump ,vielleicht der ehrlichste Lügner der Welt’ sei. Er meinte damit, dass Trump einfach sagt, was er denkt. Er ist sehr emotional, sagt aber nicht gerade die Wahrheit. Allerdings ist er mit dem, was er sagt, nah bei den Menschen. Was ja offenbar gut ankommt, denn er hat es geschafft, dass ihn Millionen von US-Amerikanerinnen und -Amerikaner gewählt haben. Ich persönlich halte nicht viel von ihm, ich glaube auch nicht, dass er in den kommenden vier Jahren viel bewegen wird. Aber: Er wird eine andere Politik machen als Joe Biden. Unabhängig davon: Wenn ich nach Berlin schaue, dann kriegen die dort im Moment auch nicht so sehr viel gebacken.“
Peter Degenhardt (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landstuhl: „Die erneute Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ist zumindest in ihrer Deutlichkeit sicherlich so nicht erwartet worden. Gleichzeitig wird seine Partei offensichtlich beide Kammern des US-Kongresses kontrollieren und er kann insofern durchregieren. Es wird abzuwarten sein, inwieweit sich seine oft irrlichternde Art auch auf die konkrete Politik auswirken wird. Für die militärische Präsenz der US-Amerikaner in unserer Region erwarte ich keine gravierenden Änderungen, dafür sind die Air Base Ramstein, das große US-Hospital in Landstuhl und andere militärische Einrichtungen in der Stadt und im Landkreis Kaiserslautern einfach für die Rolle der USA als Weltmacht zu wichtig. Sorgen bereiten mir Ankündigungen Trumps, Einfuhren auch aus der Europäischen Union erneut mit Strafzöllen zu belegen. Dies wäre für die ohnehin kriselnde Wirtschaft in Deutschland sicherlich ein weiterer schwerer Schlag.“
Ralf Schwarm (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weilerbach: „Überrascht war ich von dem Ergebnis nicht unbedingt, eher von der Deutlichkeit. Wenn ich sehe, dass man mit so wenig Inhalt, mit Fake News, Lügen und Denunziationen eine Wahl gewinnen kann, dann finde ich das beängstigend. Es zeigt mir zudem, dass in Deutschland alle etablierten Parteien daran arbeiten müssen, dass unsere Demokratie erhalten bleibt. Was unsere Region angeht, denke ich, dass wir in der begrenzten Amtszeit nicht direkt negative Auswirkungen spüren werden. Da kann man nicht alles anders machen. Bei uns vor Ort veränderte sich in Trumps vorheriger Amtszeit ja auch nicht viel. Es gibt zudem Verträge und Vorgänge, die am Laufen sind. Das entstehende neue US-Hospital bei Weilerbach kann man nicht mehr in Frage stellen, weil es schon gebaut wird. Militärische Kräfte bei uns in der Region abzuziehen und sie vielleicht eher in Richtung Polen zu verlagern, war ja mal eine Drohung. Aber ich bin mir nicht sicher, ob man sich in der derzeitigen Lage in Richtung Osten ausdehnen will. Aber vielleicht ist das Ganze eher eine Hoffnung von mir.“
Stefan Weiler, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft: „Die Mehrheit der Amerikaner hat Donald Trump gewählt. Das war ein demokratischer Prozess, deshalb müssen wir das jetzt so akzeptieren. Für Kaiserslautern wird der Trump-Sieg keine negativen Auswirkungen haben, eher im Gegenteil. Es ist zu beobachten, dass die Militärpräsenz zunimmt. Die Amerikaner haben hier einen großen wichtigen Militärsitz, den wird Trump genauso brauchen wie ihn Kamala Harris gebraucht hätte. Die Konflikte in der Welt werden ja nicht weniger werden. Und Ramstein ist nun einmal die Drehscheibe für alles in Europa. Deshalb befürchte ich auch nicht, dass sich der Regierungswechsel in den USA negativ auf die Wirtschaft in der Region auswirken wird.“
Artur Stark, Gastronom und New-York-City-Kenner: „Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, dass Donald Trump noch einmal US-Präsident wird. Ich war im Oktober mit einer Gruppe in New York und da hat man gemerkt, dass Trump eine große Unterstützung erfährt, die offenbar auch noch mal angestiegen ist. Die Kandidatin der Demokraten, Kamala Harris, hatte zwar einige Prominente aufgeboten, aber aus meiner Sicht wird die Wahl nicht auf den letzten Metern entschieden. Für den 23. November habe ich die nächste Tour nach New York City geplant, da fliegen wir mit einer kleinen Gruppe rüber. Allerdings, das habe ich während der ersten Amtszeit von Trump gemerkt, gibt es Menschen, die eine so starke Aversion gegen ihn hegen, dass sie Touren in die USA absagen. Das habe ich auch bei einigen Ausflügen nach New York schon gemerkt. Allerdings muss man sagen, dass New York City nicht die USA ist. Die Stadt ist weltoffen und was Trump anbelangt auch tief gespalten.“
Raymond Germany, SPD-Stadtratsmitglied mit US-amerikanischem Vater: „Ich bin von dem Ergebnis weder überrascht noch habe ich es erwartet; aber überrascht hat mich, wie deutlich es ausfiel. Mich persönlich erschüttert es, aber es zeigt, dass man in den Staaten auf vermeintlich einfache Lösungen setzt, sich mit Oberflächlichkeiten zufrieden gibt und sich nicht die Mühe macht, Konsequenzen zu sehen. Vielleicht muss es soweit kommen, dass ein System kollabiert, denn ich glaube nicht, dass eine derart gespaltene Gesellschaft noch zehn, 20 Jahre so weiterleben kann. Für uns in Deutschland ist das unbegreiflich, aber ich fürchte, dass wir nicht daraus lernen und uns auch dahin bewegen. Um das zu verhindern, muss mehr in schulische Bildung investiert und politisches Handeln auf niederschwelliger Ebene begreiflich gemacht werden. Sicherheitspolitisch darf sich Europa nicht zu abhängig von den USA machen; ich zweifle die Nato in keiner Weise an, aber die Wertigkeit der einzelnen Gruppierungen muss sich ändern.“
Brigitte Schulz, promovierte deutsch-amerikanische Politologin, Enkenbach: „Trumps Sieg wird hier in der Region kurzfristig nichts verändern. Dazu ist der Militärindustrie-Komplex in den USA zu stark. Hier ist zuletzt viel in das US-Militär investiert worden, wie zum Beispiel in das neue US-Hospital in Weilerbach. Längerfristig gesehen, wird aber Trumps Bildungs-, Gesundheits-, und Klimapolitik einen Einfluss auf uns haben. Zum Beispiel, wenn Robert Kennedy jr. Gesundheitsminister wird. Das wird viel Unheil anrichten. Kennedy jr. will unter anderem Impfungen verbieten. Es steht zu Befürchten, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter seiner Ägide weniger Geld von den USA bekommt, oder dass sie ganz aus dieser Uno-Organisation austritt.“