Fussball
Trainerentlassung, Spielerexodus und noch ein Coronafall
Vor einem Jahr präsentierte der SV Enkenbach Pinto und Ruby als neues Trainergespann. Eine interessante Kombination zweier bekannter und erfolgreicher, aber in ihrem Wesen doch recht unterschiedlicher Trainer. Auf der einen Seite der dem Fußball leidenschaftlich ergebene Pinto, der als Coach schon bei vielen Klubs Station gemacht hatte und zu dessen Markenzeichen es dabei gehörte, dass er bei seinen Wechseln stets zahlreiche Spieler im Schlepptau hatte. Und auf der anderen Seite der Pädagoge Stephan Ruby, der schon bei seinem Debüt als junger Spielertrainer mit dem SV Morlautern eine Meisterschaft gewann und dann auch in Diensten anderer Klubs zahlreiche Titel einheimste, unter anderem auch beim SV Enkenbach.
Die Unvollendete
Der Start des Enkenbacher Trainerkollektivs stand unter keinem guten Stern, was aber für den gesamten Amateurfußball zutraf. Denn in der Saison 2020/21 führte wie schon in der vorausgegangenen das Coronavirus Regie und sorgte dafür, dass sie unvollendet blieb. Als in der Südstaffel der Fußball-A-Klasse Kaiserslautern-Donnersberg der Abbruch erfolgte, belegte der SVE nach sieben Spielen mit elf Punkten den sechsten der insgesamt zehn Tabellenplätze. Dem aufgrund der herrschenden Pandemie nicht allzu überraschenden Saisonschluss folgte dann das doch überraschende Ende von Rubys Trainerengagement beim SVE. Der Verein trennte sich von dem 48 Jahre alten Coach. Warum? Eigentlich wollte man doch mit Ruby längerfristig zusammenarbeiten. „Wir haben die Saison beobachtet und uns Gedanken gemacht“, beschreibt Matthias Leist, der 42 Jahre alte Vorsitzende des SVE, den Entscheidungsprozess, an dessen Ende die Trainerentlassung stand. „Uns war klar, dass wir einen anderen Weg einschlagen müssen.“
Getrennte Wege
Konkret heißt das, dass Leist, der seit zwei Jahren dem Verein vorsitzt, auf Pinto setzt, der seinerseits die Zusammenarbeit mit dem Vorstand „super“ findet und betont, dass dieser „zu tausend Prozent“ hinter ihm stehe. Dass ihm nun nicht mehr sein Kollege Ruby zur Seite steht, kommentiert der 42-Jährige so: „Wie es halt im Leben so ist, auf einmal geht man getrennte Wege.“
Und wie findet es Ruby, dass er zurzeit ohne Fußball auskommen muss? „Eigentlich bin ich ganz froh, dass ich draußen bin“, sagt der 48 Jahre alte Lehrer, der an der IGS Enkenbach-Alsenborn unterrichtet, und führt die Trennung auf „unterschiedliche Auffassungen“ zurück, die es zwischen der Vereinsführung und ihm gegeben habe. Entstanden seien diese dadurch, „dass ich deutlich gesagt habe, was mir nicht gefällt“. Trotz der Entlassung blicke er ohne Groll zurück, sagt Ruby, der sich aber durchaus vorstellen kann, wieder ins Trainergeschäft einzusteigen, wenn er ein interessantes Angebot bekommt. Dass sich kurz vor Beginn der Vorbereitung auf die neue Saison 2021/22 zahlreiche Spieler vom SVE verabschiedet hätten, tue ihm leid, so Ruby.
Neun Spieler gehen
In der Tat hat dieser Spielerexodus, Matthias Leist spricht von neun Spielern, darunter „vier, fünf Eigengewächse“, die kurz vorher noch fest zugesagt hätten, für den SVE zu spielen, den Verein und vor allem Trainer Pinto vor große Probleme gestellt. Pinto gelang es aber auf die Schnelle, noch einige Spieler zum SVE zu lotsen, und zwar Ender Ayik, Kevin Jung, Gilles Koudjou und Finn Heger. Nach der langen Pause fehle es seinen Schützlingen „an Kraft und Kondition“, beschreibt Pinto die an sich schon schwierige Situation, die sich durch die Quarantäne noch mehr zugespitzt hat. Kein Wunder, dass er mit einiger Ernüchterung der Mitte August beginnenden Runde entgegenblickt und schon zufrieden wäre, „wenn meine junge Mannschaft nichts mit dem Abstieg zu tun hat“.