Kaiserslautern Tontrauben hervorgesprudelt

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Der legendäre Django Reinhardt schaute am Donnerstagabend in der Schreinerei der Kammgarn dem Lulu Weiss Ensemble ständig über die Schulter. Ebenso wie sein berühmter Vorfahre, der mit seinem Quintett du Hotclub de France in die Jazzgeschichte einging, verstand es der international gefragte Gitarrist Lulu Weiss mit seinem Quartett, Musik der Sinti, französische Folklore und amerikanischen Swing-Jazz zu einer mitreißenden Musik zu verschmelzen.

Die Geistesnähe des Ensembles zu Django Reinhardt war unverkennbar. In seinem Spiel schwang das Saitengefühl seines ganzen Volkes mit. Und doch hatte es einen ganz eigenen Sound: Statt eines Geigers, der in Gestalt von Stephane Grappelli in den 1930er Jahren den Sound von Django Reinhardt erheblich mitgeprägt hat, nahm Lulu Weiss mit dem Chilenen Sergio Parra einen Sopransaxofonisten in sein Quartett auf. Dieses Instrument klingt in seinen hohen Tönen zwangsläufig wie nicht gestimmt. Das war aber gerade der Vorteil für die „Dirtyness“, die „Schmutzigkeit“ der Intonation, die so wichtig ist für den Jazz. Das Sopransaxophon tendierte dazu, nahezu jede Note flacher klingen zu lassen, zur „blue note“ zu machen. Parra, der seit 30 Jahren in Deutschland, zur Zeit in Saarbrücken, lebt, versuchte sich nicht in flächendeckender Abgründigkeit, sondern erhellte das Notenmaterial greifbar: mit erfahrungsgesättigtem Ton und reicher Könnerschaft. Sein manchmal gleichsam seiltanzender, aber kraftvoller Stil, wie in „Crazy Rhythm“, sein empfindliches Vibrato, sein klarer und ausdrucksvoller Ton begeisterten immer wieder. Vor allem wenn er, wie in dem südamerikanischen Titel „Noche d’amore“, ganze Tontrauben hervorsprudelte. Die beiden Gitarristen Lulu Nello Weiss, Cousins, brachten Melodien hervor, die voll origineller, überraschender Wendungen waren und doch dank ihres logischen Aufbaus ein Ganzes ergaben. Ständig wechselten sie sich in der Melodieführung ab, wobei der Partner dann perkussiv mit einem durchgehenden Viertel-Rhythmus begleitete. Immer wieder überraschten sie mit chromatischen Rolls und irrwitzigen Glissandi. Die virtuose Vibrato-Technik, das spannungsvolle Bending der Saiten zur Erzielung von Dirty Tones, die kaskadenhaften Arpeggios, Synkopierungen und blitzartigen Up-stroke-Akzentuierungen, die der Ausdruckssteigerung dienten, waren faszinierend. So verstanden sie beispielhaft, sich durch die Harmoniewechsel zu swingen und dabei regelrecht zu explodieren. Lulu glänzte durch seine gläsernen Single Notes, während Nellos Spiel eher eine Pastellfärbung erzielte. Dem Standard „All of me“ gab Nello mit seiner ausdrucksstarken, unverfälschten Stimme Jazz-Intensität. Als Bassist verstand es Otmar Klein, Saarbrücken, mit nachtwandlerischer Sicherheit all die vielen Linien und Tendenzen, die sich in der Musik seines Ensembles bildeten, zusammenzuhalten. Auch verstand er es, die Töne auf seinem Instrument zu verändern, als spräche er auf einem Horn. Und das mit einer Beweglichkeit, die immer wieder verblüffend war. So erlebte das Publikum einen Jazz, wie er authentischer nicht sein kann. Und dabei strömte das Quartett soviel Wärme aus wie wenig andere in der kalt glitzernden Musik unserer Zeit.

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