Kaiserslautern Swing, Swing und nochmals Swing

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Der Start in die neue Kammgarn-Spielzeit am Donnerstagabend war sensationell. Das Jaworek-Reinhardt-Ensemble setzte im recht gut besuchten Cotton Club sämtliche Energiequellen frei und spielte mit einer verblüffenden Leichtigkeit und Frische.

Das war der Sinti-Jazz, wie er in den 30er Jahren unter dem legendären Django Reinhardt kreiert wurde. Das Ensemble um den „Zaubergeiger aus der Pfalz“, Bodo Jaworek, und die Gitarrenvirtuosen Lolo Reinhardt und dessen 20-jährigem Sohn Jerome Django Reinhardt spielte Musik, die ohne Umwege ins Herz ging. Das Saitengefühl ihres ganzen Volkes schwang hier mit größter Intensität mit. Ob sie nun den traditionellen Sinti-Swing, die französische Musette, amerikanische Jazz-Standards oder russische Folklore spielten. Und sie strömten dabei so viel Wärme aus, wie wenig andere in der kalt-glitzernden Musikindustrie unserer Zeit. Das war lebendige Musik mit einem ganz eigenen Charme. Und sie hatte Swing, Swing und nochmals Swing. Dieser gleichmäßig durchgeschlagene, rasante Grundrhythmus war das schlagende Herz der Formation und der Ordnungsfaktor, an dem sich das musikalische Geschehen orientierte. Dazu kam noch die Mehrschichtigkeit der Rhythmen und die Spannung zwischen ihnen. Schier unauffälliger Kopf der Crew war dabei Lolo Reinhardt. Er war rhythmischer Antreiber. Und in seinen unglaublich virtuosen Soli brachte er Melodien hervor, die voll origineller Wendungen waren. Seine schnellen, chromatischen „Rolls“ waren verblüffend, die virtuose Vibratotechnik machte ein ums andere Mal staunen. Noch sprachloser machte die begeistert mitgehenden Zuhörer die virtuose Technik des Sohnemanns Jerome Django und des im zweiten Set hinzugekommenen Nico Weiss. Lang gezogenen Noten stellten die beiden Jungspunde schnellen Läufen gegenüber. Explosionen von Einzeltönen wechselten ab mit funkelnden Verzierungen. Während Django Reinhardt seine Arpeggien und blitzartigen Akzentuierungen mit gläsern klingenden Single-Notes servierte, ließ Weiss die Gitarrensaiten weicher erklingen, wobei die Glissandi über den ganzen Gitarrenhals hinweg ratterten wie eine Nähmaschine. Die Bezeichnung „Zaubergeiger“ trägt Bodo Jaworek zu Recht. Mit seinem perfekten Legatostil als Balladeninterpret, seiner technischen Leichtigkeit, dem klaren Ton und viel musikalischem Geschmack darf man ihn getrost zu den ganz Großen seines Genres zählen. Das Ensemblespiel bereicherte er durch Fantasie, spontanen Gefühlsausdruck und die Hohe Schule der Improvisation. Verblüffend auch der Gebrauch einer Vielfalt von Bogentechniken. Überraschungsgast war „Lady Bass“, Lindy Huppertsberg. Sie war der Fels in der Brandung und begeisterte mit ihrem perkussiven Kontrabassspiel. Ihre Pizzicato-Linien wirkten wie getrommelt, während Christoph Jung an der Percussion mit raffinierten Schlagfolgen Akzente setzte. Königin am Mikrofon war Djulia. Nuancenreich beherrschte sie mit ihrem eindrucksvollen Gesang sämtliche Genres, vom Jazz bis zum Chanson und zur Folklore. Die für europäische Ohren unorthodoxen Intervalle und die ungenauen Tonlagen gaben ihrem Gesang einen schwebenden Charakter. Viele Stücke zeigten ihren großen Humor, an dem Urwüchsigkeit und überschäumende Lebenslust, Ironie und eine trotzig herausfordernde Haltung zugleich teilhaben. Total unter die Haut ging ihre Zugabe, das russische Volkslied „Schwarze Augen“. Da steigerte sie sich in einen Rausch. Das Publikum war begeistert.

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