Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Sebastian Reinerts Debüt in der Bundesliga gegen Schalke 04

Der damalige FCK-Trainer Wolfgang Wolf wechselte ihn in der 67. Minute gegen die Knappen ein: Sebastian Reinert.
Der damalige FCK-Trainer Wolfgang Wolf wechselte ihn in der 67. Minute gegen die Knappen ein: Sebastian Reinert.

Überrascht zeigte sich der Vater des Fußballers Sebastian Reinert kurz vor den ersten Bundesligaminuten seines Sohnes im Spiel gegen Schalke 04. Zu erwarten war die Bundesligapremiere aus Sicht von Vater und Sohn zu diesem Zeitpunkt jedenfalls nicht, die intensive Monate nach sich zog. Es war ein unvergessliches halbes Jahr, das Sebastian Reinert mit dem 1. FCK erlebte.

Das war in der Saison 2005/2006, als mit Fabian Schönheim, Daniel Halfar und dem aus dem saarländischen St. Wendel stammenden Reinert ein junges Trio dem totgeglaubten 1. FC Kaiserslautern nochmals Leben einhauchte. Auch Torhüter Florian Fromlowitz spielte damals schon eine Rolle beim FCK.

Am 29. Januar 2006 nahm sich Trainer Wolfgang Wolf ein Herz und wechselte gegen den FC Schalke 04 Reinert in der 67. Minute für den langjährigen Publikumsliebling, Kämpfer und Vielläufer Axel Bellinghausen ein. Die Knappen hatten damals eine mit Stars gespickte Truppe auf dem grünen Rasen. Mit dem Dänen Ebbe Sand und Ex-Nationalspieler Kevin Kuranyi im Sturm, dahinter der frühere Spieler der roten Teufel, Lincoln, der bei dem Klub aus Gelsenkirchen auflebte. Hinzu kamen Fußballgrößen wie Christian Poulsen und eine knallharte Innenverteidigung mit Marcelo Bordon und dem Serben Mladen Krstajic. Hinten rechts spielte bei S04 ein gewisser Rafinha, der vom brasilianischen Klub Flamengo Rio de Janeiro nach Deutschland kam, der halben Bundesliga Knoten in die Beine spielte und später zum FC Bayern München wechselte. Auch auf der Bank saßen beim damaligen Trainer Mirko Slomka mit Gerald Asamoah, Alexander Baumjohann und Gustavo Varela Akteure mit besonderer Qualität. Der FCK spielte eine eher mäßige Saison, kämpfte mit Halil Altintop, Boubacar Sanogo in der Offensive um Tore, Marco Engelhardt trieb das Spiel nach vorne mit Ervin Skela an. Punkte holte das Team in der Hinrunde kaum, Abstiegsängste kamen auf.

„Ich war damals noch bei den Amateuren, hatte aber die Vorbereitung in Spanien mitgemacht. Dort hat mir der FCK mitgeteilt, dass ich einen Profivertrag bekomme“, erzählt Reinert, der dennoch völlig überrascht darüber war, zu seinem ersten Bundesligaeinsatz zu kommen. Hatte er doch damit gerechnet, bis zum Ende der Saison noch bei den Amateuren zu spielen. „Ich war schon überrascht, dass ich damals im Kader stand“, erinnert er sich an sein Bundesligadebüt, ein Spiel, das unter widrigen Bedingungen, bei Regen und Nässe, stattfand.

Ein unglaubliches Gefühl

Lincoln hatte die Schalker in der zwölften Minute in Führung gebracht. „Wenn du dann reinkommst, musste du auch zeigen, dass du mithalten kannst. Du musst direkt da sein“, erklärt Reinert, der von einem unglaublichen Gefühl in den Momenten zwischen Warmlaufen und der Einwechslung berichtet. „Es war Wahnsinn. Cool gegen die Stars zu spielen, aber man versucht auch, seine Leistung zu bringen“, so Reinert, der sich erinnert, dass er in diesem Spiel statt auf seiner angestammten rechten Mittelfeldposition von Trainer Wolf auf die linke Seite geschickt wurde. Der damals 18-Jährige mühte sich mit dem FCK vergebens, kassierte in der 78. Minute auch noch das 0:2 vor 35.549 Zuschauern. Levan Kobiashvili hatte mit einem Elfmeter für die endgültige Entscheidung gesorgt.

Bastian Schweinsteigers Trikot

Ein Trikot eines Schalke-Spielers konnte Reinert nach dem Spiel nicht ergattern. „Ich habe mich das damals nicht getraut. Gegen die Bayern habe ich das Trikot mit Bastian Schweinsteiger getauscht. Das habe ich heute noch“, sagt der Saarländer. Reinert, der später noch beim SV Wehen Wiesbaden, den Sportfreunden Lotte und zum Abschluss seiner Spielerkarriere lange Jahre beim FK Pirmasens spielte, erlebte ein fantastisches halbes Jahr in der deutschen Eliteklasse. Auch ein Tor gelang ihm noch, am 3. Mai gegen Eintracht Frankfurt. Am Ende stand dann aber doch für den FCK der Bundesligaabstieg, nach einem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg in einem Alles-oder-Nichts-Spiel gegen den direkten Konkurrenten.

Es folgten 53 Spiele in der Zweiten Liga und eine Vielzahl von Partien in der dritt- und vierthöchsten Spielklasse. Gerade hat Reinert, der mittlerweile 33 Jahre alt ist, in Pirmasens wohnt und als Automobilkaufmann arbeitet, eine neue Aufgabe angenommen. Nach vielen Verletzungen hat er seine Spielerkarriere beendet und trainiert mit den westpfälzischen Sportfreunden Bundenthal eine Mannschaft aus der Landesliga West.

Serie

Das erste Spiel einer Profi-Mannschaft ist ein Erlebnis, das sich ins Gedächtnis einbrennt. In der Serie „Mein erstes Spiel“ berichten Sportfans von ihrem ersten Besuch bei ihrem Team oder ihrer Premiere auf dem Spielfeld. Das muss sich nicht nur auf den Fußball beschränken, sondern soll eine Reise quer durch alle Sportarten werden. Sie haben auch etwas zu erzählen? Dann können Sie sich gerne melden unter redkai@rheinpfalz.de.
x