Kaiserslautern
Reitsport Bassler: Geschäft an Nachfolger übergeben
Fußball oder Reiten? Diese Frage stellte sich dem jungen Knut fast an jedem Wochenende. Schließlich war sein Vater ein prominenter Fußballer, der es beim FCK bis in die legendäre Fritz-Walter-Elf geschafft hatte. Und die Mutter war nicht minder begeisterte Reitsportlerin, die es zu einigen Erfolgen brachte. Und mittendrin der Sohn, der hoffnungsvolle Talente auf beiden Feldern in sich vereinigte.
„Als junger Bursche habe ich einfach beides gemacht“, erinnert sich Knut Bassler lachend. „Morgens den ersten Parcours reiten, am frühen Nachmittag Fussball, dann wieder zurück zu den Pferden. Ich brauchte nur jemanden, der mich jedes Mal hin und her gefahren hat.“ Doch spätestens, als er Anfang der 70er Jahre eine kaufmännische Ausbildung in einem großen Bekleidungshaus absolvierte, wurde dem jungen Mann klar: „Fußball-Zubehör machen viele, beim Reitsport ist noch Luft nach oben.“
1972 selbstständig gemacht
Im Jahr 1972 machte sich Knut Bassler selbstständig, mit seinem ersten Laden in der Richard-Wagner-Straße. „Damals waren die Reiter zwar eine traditionsbewusste, aber keineswegs elitäre Gemeinde“, berichtet der heute 76-Jährige über seine unternehmerische Anfangszeit. „Hier in der Westpfalz hatten viele ihr Pferd direkt am Haus stehen oder in kleinen Reitanlagen um die Ecke.“ Es herrschte eine familiäre Atmosphäre, die über Jahrzehnte anhielt: „Jeder kannte den anderen, man war mit den meisten bald auf Du.“
Und die Gemeinde wuchs. Bald liefen Knut Basslers Geschäfte so gut, dass er sich eine Erweiterung und Modernisierung suchen musste. Er fand sie mit einem Grundstück am Hölzengraben, in nördlicher Nachbarschaft zur Lauterer Innenstadt. Dort stellte er im Jahr 1994 einen kompletten Neubau hin: „Insgesamt 600 Quadratmeter Geschäftsfläche und eine große Werkstatt, spezialisiert auf die Herstellung, Anpassung und Reparatur von Pferdesätteln“, beschreibt der stolze Besitzer sein Konzept. Es sollte dem Ehepaar und zwei Angestellten über Jahrzehnte ein gutes Auskommen sichern.
Mit Kombi auf Veranstaltungen
Aber so richtig prominent in der Reiter-Szene wurde Knut Bassler durch eine besondere Geschäftsidee: Mit einem Großraum-Kombi, der mit seiner auffälligen Werbung bald auf keiner Reitsport-Veranstaltung im Südwesten der Bundesrepublik fehlen durfte. Und der eine Mischung aus rollendem Supermarkt für Pferde-Zubehör und angeschlossener Werkstatt für kleine Reparaturen darstellte, wie sie auf jedem Turnier mal eben anfallen. „Schließlich waren es rund 70 Turniere pro Saison, auf denen wir präsent waren“, erinnert sich Bassler gern.
Ganz nebenbei natürlich auch eine prima Werbung für das Lauterer Geschäft, das längst eine erste Adresse in Sachen Pferdesport war. Eine Branche, die sich im Lauf der Jahrzehnte allerdings stark verändert hat: „Hatten wir früher zum Beispiel drei bis vier verschiedene Zügel im Angebot, sind es heute glatt drei Dutzend“, schildert der Geschäftsführer, „das Sortiment ist viel differenzierter und individueller geworden.“ Und auch die Kundschaft hat sich stark differenziert: „Wer mehr aufs Geld achtet, geht schon mal ins Internet. Unsere Stärke war dagegen immer die persönliche Beratung.“
Erste Gedanken über Ruhestand
Dieses Konzept wäre sicher noch ein paar Jahre gegangen, wenn Knut Bassler und seine Frau Stefanie nicht allmählich den Reiz von mehr eigener Freizeit und Abenteuer schätzen gelernt hätten. Aber auch die Corona-Krise ließ die Entscheidung reifen, konkret über den Ruhestand nachzudenken: „Zwei Saisons ohne nennenswerte Reisport-Veranstaltungen, das hat sich auch bei uns bemerkbar gemacht.“ Da kam das Interesse eines größeren Filialisten gerade recht, das Geschäft in Kaiserslautern samt der Stamm-Belegschaft zu übernehmen. „Nach einer Umbauzeit von zwei, drei Monaten geht es im Frühjahr unter neuem Namen an der alten Stelle weiter“, sagt der bisherige Inhaber, der sich über die gelungen Übernahme freut.
Pferde warten auf Bewegung
Angst vor der künftigen Freizeit haben Knut und Stefanie Bassler jedenfalls nicht. „An unserem Wohnhaus stehen zwei Pferde, die dringend auf Bewegung warten“, berichtet Bassler. „Und hinter dem Laden scharrt unser Wohnmobil schon mit den Hufen.“ Selbst das rollende Fachgeschäft hat der erfahrene Kaufmann bereits an eine Nachfolgerin im Landkreis weiter gegeben: „Sie ist eine bekannte Sattlermeisterin und wird sicher das Beste daraus machen“, freut sich der frisch gebackene Pensionär.