Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ramstein: Irische Nacht lässt leisere Töne vermissen

Rockten mächtig los: Bei der Ghosttown Company hätte sich mancher Besucher die eine oder andere Ballade gewünscht. Foto: VIEW
Rockten mächtig los: Bei der Ghosttown Company hätte sich mancher Besucher die eine oder andere Ballade gewünscht.

Die Wiege des Irish Folk ist ganz klar Irland. Aber sein Wohnzimmer ist mittlerweile die ganze Welt. Irisch inspirierte Musik ist eine globale Angelegenheit. Die Irische Nacht am Freitag in Ramstein war ein Beispiel dafür. Dass guter Folkrock nicht notwendigerweise von der grünen Insel kommen muss, bewiesen die sechs Musiker der Formation Ghosttown Company aus Trier.

Dem Logo der Band entsprechend – ein behüteter Schafskopf, der eine Flöte zwischen den Lippen hält – ertönt zu Beginn Schafsgeblöke aus den Lautsprechern. Bandleader Steffen Sauer gibt den Little Drummer Boy auf den Snare Drums und los geht die Fahrt. Von Anfang an volles Rohr. Die Band, die sich 2015 gründete, schon ein Jahr später das Publikumsvoting der Stadt Trier gewann und 2017 beim Deutschen Rock&Pop-Preis fünffach ausgezeichnet wurde, versteht es, die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde einmalig zu mischen. Die Künstler haben das Ohr ganz fest auf den Boden Irlands gelegt und intensiv hineingelauscht. Und sie verstehen es, ihre eigenen Ideen einzubringen. So erleben die 900 Besucher spannenden Folkrock mit Einflüssen aus traditionellen keltischen Stücken, Americana und einer geballten Ladung Rock. Damit heizen sie dem Publikum gehörig ein.

Klassiker und Eigenkompositionen

Klassiker wie „Whiskey in the jar“ spielt die Band ebenso wie Eigenkompositionen. Fernab von Cover-Mainstream und Radiopop haben die Jungs starke Songs geschnitzt. Felix’ schnittige E-Gitarre, Steffens pochende Drum- und Bassbeats lassen so richtig die Späne fliegen und legen den keltischen Kern aus Edwins Akkordeon und Pascals brillantem Spiel auf Quer- und Piccoloflöte frei.

So schlängeln sich die keltischen Riffs der sechs Trierer durch die rockigen Themen wie ein geschickter Radfahrer im heftigen Verkehrsgewühl. Der Brummifahrer, der die tiefen Töne liefern muss, ist Harry am energetischen, pulsenden E-Bass. Der Mann, nach dessen jaulender, singender E-Gitarre der Rhythmus tanzt, ist der Multiinstrumentalist Felix, der auch Mandoline und Banjo vorzüglich beherrscht und damit immer wieder besondere Klangfarben dem Crossover beimischt. Als Rampensau entpuppt sich von Anfang an der Frontmann Christian Fett. Seine Seebärenstimme hat einen unverwechselbaren Charakter und Power ohne Ende.

Auf Dauer ermüdende Power

Auf Dauer ermüdete aber diese ständige Power, die in Arme und Beine, aber auch ganz schön auf die Hörgänge ging. Da vermisste man einen Ausgleich zwischen laut und leise, Harmonie und Angriff, der gerade durch das Pendeln der Waage entsteht, wo früher alles in die Schale für Lärm geworfen wurde. Ab und zu eine Ballade hätte man sich zur Erholung gerne gewünscht. Nicht optimal war auch die Tontechnik. Zuweilen waren die Songs übersteuert und der Akkordeonist ging oft völlig unter.

Höhenflüge mit jungen Tänzern

Höhenflüge erlebten die unzähligen Zuschauer beim Auftritt der Irish-Dance-Formation „Tir Nan Og“ (auf Deutsch: „Land der ewigen Jugend“) unter Leitung ihrer Tanzlehrerin Mary Sweeney. Die acht Mädchen und ein Junge im Alter zwischen acht und 16 Jahren entwickeln sich von Jahr zu Jahr immer erstaunlicher und zeigten eine sensationelle Tanzshow. Schreie der Begeisterung begleiteten immer wieder ihre Vorführungen. Die Kinder klackerten mit den Füßen – Hacke, Spitze, Hacke, Spitze – so rasant, dass man als Zuschauer kaum folgen konnte. Dabei sah alles so leicht und locker aus, dass man die Anstrengung, die dahinter steckte, gar nicht wahrnahm. Sie hatten aber nicht nur Rhythmus und Musik in den Füßen, auch ihre kerzengerade Haltung, wie im Irish Dance vorgeschrieben, war vorbildlich. Star dabei war der 16 Jahre alte Cillian Sweeney, der steppte, bis ihm förmlich die Füße glühten.

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