Kaiserslautern
Quintett Spark: Springender Funke zum Verschmelzen zweier Welten
Eine musikalische Entdeckung mit Aha-Momenten für die zahlreichen Besucher der Kaiserslauterer Fruchthalle am Donnerstagabend. Das Ziel von Spark ist, Klassik einer breiteren Hörerschaft zugänglich zu machen. Feinsinn und Präzision aus der Klassik gepaart mit Energie und Biss des Rock-Pop-Genre. Was für eine wunderbare Idee. Da liegt der Gedanke nahe, sich auch mal mit Protagonisten der anderen Musikwelt zusammenzutun. Letzteres war aber doch eher ein Zufall geschuldet, wo sich die Konzertanten zum ersten Mal begegneten. Das Tour-Programm „Visions of Venus“ steht für die gezielte Auswahl der Kompositionen von Frauen.
Die stimmig beleuchtete Bühne beherbergt augenfällig eine Armada von Flöten, nebst gigantischer Subbassblockflöte. Daneben auch einen Flügel. Es sollte ein eindrucksvolles und abwechslungsreicher Konzertabend werden, der in acht thematische Blöcke gegliedert war.
Spannende Grenzgänge
Die Sängerin Wallis Bird betritt alleine die Bühne und bedient sich eines Loopers, um mehrstimmig Vokalismen zu einer Soundcollage zu erschaffen. Im Hintergrund paart sich eine zarte Flötenstimme dazu. Das Cello löst mit perkussiven Elementen ab, während der Gesang expressiv intoniert wird. Ungewöhnlich und leicht experimentell wird das Themenfeld „Kraft der Weisheit“ vorgestellt. Und mit charmant-witziger Ansage kommt Frau Bird daher: „Mein Name ist Dolly Parton und wir sind die Rolling Stones ... “ Mit dieser Botschaft wird das Crossover-Projekt verdeutlicht.
Die Stücke werden mit informativen Ansagen eingeführt und hintereinander weg gespielt. Im ersten eigenen Stück spielt die Sängerin Bird zum ersten mal ihre Bühnenpräsenz aus und forciert damit das ohnehin beschwingte Stück, zu dem die beiden Flötisten (Andrea Ritter, Daniel Koschitzki) im Duett brillieren. Das Thema „Heilung“ dient auch als Basis für das eigene Lied von Wallis Bird, das sie nach eigener Aussage immer selbst ein bisschen heilt, wenn sie es spielt.
Empathischer Gesang
Ein Höhepunkt für die Klassikpuristen ist die erste Sonatenkomposition einer Frau aus der späten Renaissance (Isabella Leonarda). Zur Ballade „Cloud on my tongue“ (Tori Amos) sitzt Wallis mit dem Pianisten (Christian Fritz) gemeinsam auf der Klavierbank und liefert einen eindrucksvoll empathischen Gesang.
Nach der Pause übernehmen immer wieder wechselnde Instrumentalisten kurze Hauptrollen. Da verführt das Violoncello (Isabell Garcia Castro) mit ihrem intensiv geschmeidigen Spiel zum Dahinschmelzen. Dort umgarnt die Melodica die theatralische, gefangennehmende Gestik der Sängerin. Oder die Flöten dienen als Rhythmusgeber. Die Violine bringt honigsüße und schnelle Tonfolgen (Stefan Balazsovics).
Stimmliches Chamäleon
Wallis Bird entpuppt sich als stimmliches Chamäleon, agiert von verhalten-zart bis zu herrlich rauer Raspelstimme wie in dem A cappella-Stück „Mercedes Benz“ (Janis Joplin). Das Publikum hat sie längst für sich und das interessante Projekt gewonnen, denn hier wird laut mitgesungen. Das weltweit am meist aufgeführte frauenkomponierte Stück von Elena Kats-Chernin ist ein instrumentaler Hörgenuss besonderer Güte („Fast blue village“). Auf der Zielgeraden fliegt die „Natural Woman“ als Sing-along durch den Saal (Carole King). Die stehende Ovationen werden mit der Zugabe „Only time“ (Enya) belohnt. Ein einfaches Arrangement, aber mit einer unwillkürlichen Sogkraft.