Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Publikum in Ramsteiner Congress Center dankt Danceperados of Ireland mit Applaus im Stehen

Legten in Ramstein ein ungemein rasantes Tempo hin: die Tänzerinnen und Tänzer der Danceperados of Ireland.
Legten in Ramstein ein ungemein rasantes Tempo hin: die Tänzerinnen und Tänzer der Danceperados of Ireland. Foto: VIEW

Das Tanzen, Singen und Spielen liegt den Iren einfach im Blut. Das zeigte sich am Mittwochabend im Ramsteiner Congress Center, wo die Danceperados of Ireland, die Tanzwütigen, 350 Besucher zu Beifallsstürmen hinrissen. Aber auch für andere Leidenschaften sind die Iren weltberühmt. Dazu gehört der irische Whiskey. Beide Kulturen brachte die äußerst abwechslungsreiche Show zusammen und gab damit einen tiefen und authentischen Einblick in die Lebensweise der Iren.

Eine auf Musik und Tanz fein abgestimmte Multivision mit irischen Landschaften und Motiven rund um den Whiskey gab dem Publikum das Gefühl, mittendrin, also in Irland, zu sein. Das „Whiskey you are the devil“-Programm war gewiss keine Huldigung an den Alkohol und die bekannte Trinkfreudigkeit der Iren. Das wäre zu einfach. Sie tranken zwar oft, aber um Unterdrückung, Hunger und Perspektivlosigkeit zu verdrängen.

Die Kolonialherren, sprich: die Engländer, wussten genau, dass Menschen, die an der Flasche hängen, einfacher zu beherrschen sind. Viele Arbeitsplätze hingen von der Whiskey-Industrie ab. Den Preis dafür zahlten jedoch viele mit ihrer Abhängigkeit. Der Whiskey war seit dem Mittelalter mit dem politischen, sozialen und ökonomischen Zustand der Insel verbunden. Er wurde immer wieder von den Kolonialherren mit brutalen Steuern in die Illegalität verdrängt.

Kampf um Whiskey – Kampf um Unabhängigkeit

Der Kampf um den Whiskey war immer mit dem Kampf um die irische Abhängigkeit verbunden, und viele Folksongs wie „The Pur Pot Still“, „The Angels Share“ („Das Nippen der Engel“ – so bezeichneten die Iren die Tatsache, dass Whiskey in Fässern pro Jahr um zwei Prozent abnahm), „Dancing Delirium“, „Whiskey You are the Devi“, „Whiskey in the Jar“ oder „The Whiskey Revival“ kreisten an dem Abend um dieses Thema.

Als die lang ersehnte Unabhängigkeit 1920 erreicht wurde, rächten sich die Engländer und bestraften alle irischen Exporte ins Commonwealth mit drakonischen Steuern. Dann kam die Prohibition in den USA, in der irische Gangster das flüssige Gold schmuggelten und die Sheriffs clever austricksten. Die Show endete in der Gegenwart, in der irische Whiskey-Hersteller ein kleines Revival erleben.

Tänzer bieten Stepp-Feuerwerk vor fantastischer Band

Die Danceperados nahmen ihre Zuschauer mit auf eine Tour durch die illegalen Pubs, die „Sheebens“, in denen nicht nur exzessive getrunken, sondern auch wild musiziert und getanzt wurde, und die gleichzeitig Zentren der Rebellion gegen ihre Unterdrücker waren. Ein wahres Stepp-Feuerwerk entfachten die zehn Tänzer und Tänzerinnen gemeinsam mit der fantastischen Irish Folk Band.

Typisch irisch dabei war die Haltung: Während der Oberkörper kerzengerade war und die Arme eng an den Lenden anlagen, erzählten die Füße unglaubliche Geschichten, versuchten, sich gegenseitig in der Geschwindigkeit der steppenden Stakkatos zu übertreffen und warfen die Beine dabei – in vorzüglicher Haltung – wie Scheren bis Kopfhöhe in die Luft. Wie groß die Wirkung war, die ein so winziger Steppschuh verursacht, zeigte sich in dem Stepp-Feuerwerk. Zehenkeile und Absätze aus Glasfiber schnurrten wie Rädchen, steppten wie die Nadel einer Nähmaschine.

Dabei hielten die Tänzer stets eine Zwiesprache mit den sechs Musikern. Und dieses Sextett verstand es, verdammt kräftig zuzupacken. Wer das Feuer, das in den Jigs und Reels loderte, nicht sogleich spürte, konnte es zumindest optisch sofort realisieren. Die sechs pumpten Note für Note aus sich heraus und waren spätestens beim dritten Stück patschnass.

Akteure am Ende bewegt vom eigenen Erfolg

Dann war es Zeit für gefühlvolle Balladen. Vorzüglich verstanden sie es, in ihrer Musik die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde zu mischen. Und man fühlte sich mal schwer, mal leicht, mal heiß, mal kalt, aber die ganze Zeit mit beiden Füßen auf dem Boden irischer Tradition. Herausragend dabei Bodhran-Spieler/Schlagzeuger Conor Martin (Bodhran ist eine Rahmentrommel), die wunderbare Sängerin Geraldine MacGowan, der virtuose Gitarrist Ian Smith sowie die brillante Fiddlerin Joanna Hyde.

Dass der Abend nicht in ein tränenrühriges Sozialdrama abglitt, war der große Verdienst der Künstler. Authentizität und Herzblut sind die Vokabeln, die das Geschehen am treffsichersten beschreiben. Am Ende applaudierte ein begeistertes Publikum im Stehen. Und die Akteure waren sichtlich bewegt vom eigenen Erfolg.

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