Kaiserslautern Prädikat „Wertvoll“

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Ein wenig Inszenierung gehörte auch zur Spielplan-Pressekonferenz des Pfalztheaters gestern dazu: Zwar ist schon seit vergangenem Jahr bekannt, dass Intendant Urs Häberli und Generalmusikdirektor Uwe Sandner ihre Verträge bis 2021 beziehungsweise 2020 verlängern werden. Gestern durfte dann aber nochmals zugeschaut werden, wie sie ihre Unterschriften unter die vom Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder vorgelegten Verträge setzten.

„Wertvoll“ lautet das Motto des Kaiserslauterer Pfalztheaters für die kommende Spielzeit 2017/18. Urs Häberli verwies denn auch in der Pressekonferenz darauf, dass man dies nicht nur selbstbewusst auf die eigene Arbeit als Kulturinstitution beziehe, sondern auch bei der Auswahl der Stücke als Kriterium angewandt habe. Vor diesem Hintergrund ist sicherlich die Produktion der 1951 uraufgeführten Oper „The Rake’s Progress“ von Igor Strawinsky (24. März) zu sehen. Sie passt in die Pfalztheater-Reihe mit Musik des 20. Jahrhunderts, die seit Jahren gepflegt wird. Eher Ungewohntes Terrain betritt das Theater auch mit der Oper „El Gato Montés“ des spanischen Komponisten Manuel Penella (1880-39). Ansonsten fehlen dem Opernspielplan jedoch die Überraschungseffekte. Donizettis „Lucia di Lammermoor“ zur Spielzeiteröffnung am 19. September ist dann ebenso wie Rossinis „La Cenerentola“ (10. Februar) oder Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“21. Oktober) eher Standardrepertoire. Eine perfekte Symmetrie stellen die Stücke der Sparte Schauspiel in der kommenden Saison her: Fünf teilweise modernen Klassikern stehen fünf zeitgenössische Stücke gegenüber. Erwartbares prägt die Riege der Klassiker: Das älteste Stück ist dabei Shakespeares „Macbeth“, bereits um 1606 entstanden (Premiere am 20. Januar). Nicht minder populär ist bis heute Molières Komödie „Der Geizige“, 1668 uraufgeführt (14. April). Bühnen-Dauerbrenner sind weiter Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ (der Briefroman erschien 1774, Premiere am 21. April) und Brechts „Der guten Mensch von Sezuan“ (1943 uraufgeführt), das am 30. September den Schauspiel-Auftakt markiert. Und auch Becketts „Glückliche Tage“ (11. Januar) gehört zu den bewährten Stücken des Autors. Für Überraschungen dürften eher die fünf zeitgenössischen Produktionen sorgen. So thematisiert Ayad Akhtars 2013 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Stück „Geächtet“ den Problemkreis Identität und Assimilation anhand eines religiösen Spannungsverhältnisses in der New Yorker Upper-Class (1. Oktober). Eine andere Facette der omnipräsenten Gegenwartsthematik zeigt Simon Stephens mit seinem Kriegsheimkehrerstück „Motortown“ von 2006 auf, das das Schicksal eines Irakkriegsveteranen schildert (3. März). Mit der NS-Vergangenheit beschäftigt sich zunächst das Rechercheprojekt „ASHCAN – Kriegsverbrecher im Kurhotel“, das das fiktive Treffen einer Gruppe von US-Offizieren und Nazi-Größen zu einer Polit-Groteske verarbeitet (27. Oktober). Und Aufstieg und Fall der Comedian Harmonists in den 1930ern schildert das gleichnamige Stück mit Musik von Gottfried Greiffenhagen und Franz Wittenbrink (25. November). In die Abgründe des Digitalen führt schließlich Jennifer Haleys preisgekröntes Stück „Netzwelt“ von 2015. Weiter für Aufsehen könnte die Sparte Tanz unter ihrem Direktor James Sutherland sorgen: Sein Stilwandel hin zum zeitgenössischen Tanz wird vermutlich auch die vier Produktionen prägen, die er sich für die kommende Saison vorgenommen hat, darunter „Giselle“ mit der Musik von Adolphe Adam und Arvo Pärt (13. Dezember) und eine Benefiz-Tanzgala – die erste ihrer Art (am 28. Juni).

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