Kaiserslautern Pfalztheater: Was die Besucher der Premiere zur Oper „Madama Butterfly“ sagen
Minutenlanger, zuletzt stehender Applaus des Publikums waren am Samstagabend der Beweis für eine rundum gelungene Inszenierung. Mit der Hochzeit der 15-jährigen Geisha Butterfly (Arminia Friebe) und dem amerikanischen Marineleutnant Pinkerton (Daniel Kim) fing auf der Bühne zunächst alles recht friedlich an. „Liebe oder Laune?“ Während die junge Frau zu ihrer Hochzeit in Nagasaki zwei Dutzend Verwandte erwartete, war Pinkerton (Daniel Kim) ganz der Yankee, der im Sinne von „Amerika forever“ durch die Welt reiste. Er wusste, dass er die Braut (nach japanischem Recht) jederzeit wieder verlassen konnte. Was er dann auch tat. Von der eigenen Familie verflucht, blieb Butterfly mit einem Kind zurück.
In der Pause nach dem ersten Akt äußerte sich Hermann Wohlgemuth auf die Frage nach seinen Eindrücken vor allem zur Besetzung der beiden Hauptfiguren eher kritisch. Die Stimmen seien okay, fand er – aber die Optik!? Ein schneidiger Marineoffizier sei nicht klein, sondern kräftig, Butterfly dagegen eher zierlich. Die Besetzung im Pfalztheater sah daher für ihn nicht so harmonisch aus. Nach dem dritten Akt revidierte er seine Meinung etwas. Angesichts der Dramatik des Stücks war die Optik für ihn etwas weniger wichtig geworden.
Geist des Pfalztheaters wird wieder deutlich
Nach dem Schlussapplaus sammelte die RHEINPFALZ weitere Eindrücke von Premierenbesuchern. Selbst noch angefasst von den großen Emotionen des Stücks, freute sich Bezirkstagsvorsitzender Hans-Ulrich Ihlenfeld über die Ergriffenheit, mit der das Publikum das Stück und vor allem dessen innere Geschichte aufgenommen hatte. Sehr gut fand er, dass der Geist des Pfalztheaters wieder deutlich werde. Als „großartig“ hatte er die Interpretation der Titelfigur durch Arminia Friebe erlebt.
Jutta Achtelstetter rätselte derweil noch darüber, warum die „Butterfly“ im dritten Akt nicht nur ganz anders als vorher angezogen war. Innerhalb von drei Stunden um 30 Jahre gealtert? Davon abgesehen fand sie die Inszenierung „großartig“ und würde sie jederzeit weiterempfehlen. Für Hector Marquez, selbst Opern-Komponist aus Granada und zurzeit im Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) mit dessen Chor engagiert, war der erste Akt zu abstrakt. Der zweite und dritte Akt hatten ihn dagegen tief bewegt. Vor allem die Dekoration, als die Welt zusammenbrach, habe ihn tief berührt. Seine Eindrücke hatte er sich direkt aufgeschrieben. Spannend sei für ihn auch gewesen, wie die Inszenierung „Butterfly“ in die Zukunft versetzt. „Es hat Spaß gemacht, zuzuhören“ antwortete der 16-jährige Alvaro Leister auf die Frage nach seinen Eindrücken. Sein Vater, stellvertretender Schulleiter im ASG, hatte ihn angeregt, in die Oper zu gehen. Er würde sie sich direkt noch einmal anschauen, versicherte er.
Zur Premiere aus Metz mit der Bahn angereist
„Really good“ lobte Francesco Caselli die Inszenierung am Pfalztheater. Der Italiener war eigens mit seiner Partnerin aus seinem Wohnort Metz mit der Bahn nach Kaiserslautern gekommen, um erstmals eine „Butterfly“-Vorstellung zu besuchen. Es sei eine gute Entscheidung gewesen, betonte er. Die Sänger hätten ihn beeindruckt, Emotionen und das Herzklopfen bei ihm geweckt. Hannelore Armbrust und Angelika Brockman-More haben „Madama Butterfly“ am Pfalztheater als originalgetreu und dank asiatischer Besetzung einzelner Rollen als authentisch erlebt. Sehr gut gefiel den Besucherinnen auch die Stimmen der Sänger, die allerdings zu ihrem Leidwesen durch die Musik des Orchesters überstimmt worden seien – was wohl in erster Linie dem Gebäude geschuldet sei. Überrascht habe sie, dass die Oper nicht zu Ende war, nachdem das Kind der „Butterfly“ dieser entzogen worden war. Ein dritter Akt folgte.
Eine Stadt wie Kaiserslautern brauche das Pfalztheater als Ort der Kultur und auch der Demokratie, hob Referent Daniel Böhm stellvertretend für den erkrankten künstlerischen Direktor zur Eröffnung der Premierenfeier hervor. Er bedauerte, dass im Wahlkampf von Kunst wenig die Rede gewesen sei. „Wir brauchen Freunde, Gönner und Unterstützer“, sagte Böhm und freute sich über viele Förderer im Publikum. Für die „Freunde des Pfalztheaters“ hatten die stellvertretende Vorsitzende Marion Schulz-Reese und Pressesprecherin Marita Gies einen Bund gelber Rosen mitgebracht, die sie an die Sänger und auch an die hinter der Bühne Beteiligten verteilten.
Besonders viel Beifall für Arminia Friebe
„Wir haben eine großen Abend erlebt, was der Applaus des Publikums gezeigt hat“, hob Böhm hervor, bevor er als Erste die Mitglieder der Statisterie auf die Premierentreppe bat. Das Publikum geizte nicht mit Beifallsbezeugung. Nach Bariton Hyunkyum als Konsul der USA in Nagasaki, Tenor Johannes Hubmer als quirliger Heiratsvermittler und Tenor Daniel Kim als Pinkerton, „der Unsympathische“, durfte „Butterfly“ Arminia Friebe für ihre Interpretation einer der längsten Sopranrollen besonders viel Beifall entgegennehmen.