Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Pfaff: Moderne Energiezentrale ergänzt historisches Entree

Noch steht nur der Rohbau: Auf das Dach der Energiezentrale kommen die Kältemaschinen des MVZ.
Noch steht nur der Rohbau: Auf das Dach der Energiezentrale kommen die Kältemaschinen des MVZ.

Noch steht nur der Rohbau, bis zum kommenden Frühjahr soll die Energiezentrale auf dem Pfaff-Gelände fertig sein. Im Gebäude soll unter anderem die Wärmeversorgung des Quartiers geregelt werden, die beispielgebend für andere Quartiere der Stadt sein könnte.

Neben der Pforte und dem denkmalgeschützten neuen Verwaltungsgebäude wird die Energiezentrale das Entree der Pfaff-Geländes prägen. Altes trifft Neues – der Neubau soll eine Zukunftsperspektive im denkmalgeschützten Eingangsbereich des Quartiers sein. Ein „Schaufenster der klimaneutralen Energieversorgung“, sagt Baudezernent Manuel Steinbrenner (Grüne).

Kältemaschinen von MVZ auf dem Dach

Die Energiezentrale soll die Höhe der Pforte aufnehmen. Auf das Dach kommen zwei Kältemaschinen, die das Medizinische Versorgungszentrum versorgen. Sichtbar sein werden diese Maschinen für Passanten nicht. Sie verschwinden hinter einem Kranz von Fassaden-PV-Anlagen, die rot gefärbt sein werden. Die Abwärme der Maschinen wird in der Zentrale in das Wärmenetz des Geländes eingespeist. Etwa 20 Prozent der benötigten Wärme könnten die Aggregate beisteuern, schätzt Gerhard Stryi-Hipp, der wissenschaftliche Leiter des Projektes Enstadt-Pfaff, das zum Ziel hat, ein klimaneutrales Quartier auf dem ehemaligen Pfaff-Werksgelände zu entwickeln.

Rücklauf der Fernwärme für Quartier genutzt

Ursprünglich war geplant, die Abwärme von Aco Guss zu nutzen, um das Areal zu heizen. Doch die Wärmeleistung hätte nicht ausgereicht. Nun versorgen die Stadtwerke Kaiserslautern das Gelände mit Fernwärme. Allerdings wird ein Niedrigtemperaturnetz umgesetzt. Das hat den Vorteil, dass weniger Wärme während des Transportes verloren geht und dass Abwärme eingespeist werden kann. Statt der üblichen 70 bis 90 Grad Vorlauf reichen wegen der hohen Energiestandards der Gebäude, die im Quartier entstehen, 60 Grad aus, so Stryi-Hipp. Genutzt wird dafür der Rücklauf des Fernwärmenetzes der SWK, die Fernwärme wird also ein zweites Mal genutzt. Allerdings führt auch eine Fernwärmeleitung mit der üblichen Vorlauftemperatur in die Energiezentrale, erläutert Stryi-Hipp. Sie dient zur Sicherheit, sollte der Rücklauf doch nicht ausreichen, um das Areal zu heizen. Schließlich handelt es sich um ein Pilotprojekt. Mit den Erkenntnissen, die man auf dem Pfaff-Gelände gewinnt, soll geprüft werden, unter welchen Voraussetzungen in anderen Quartieren ein solches Niedrigtemperatur-Fernwärmenetz umsetzbar ist.

Fertigstellung für 2024 geplant

Die Energiezentrale baut die Stadt Kaiserslautern. Die Kosten sind etwas gestiegen, von ursprünglich kalkulierten 750.000 auf 800.000 Euro, sagt Bettina Dech-Pschorn, Projektleiterin von Enstadt-Pfaff. 20 Prozent trägt die Stadt, 80 Prozent werden gefördert. Fertig wird das Gebäude später als geplant. Laut Stryi-Hipp hatte eine europäische Ausschreibung verschiedener Gewerke keine Angebote ergeben. Es muss erneut national ausgeschrieben werden. Ursprünglich war die Bauzeit der Zentrale, mit deren Realisierung im Frühjahr 2023 begonnen werden sollte, auf ein halbes Jahr geschätzt worden. Nun soll sie im zweiten Quartal 2024 fertig sein.

Neben der Technik der SWK für das Wärmenetz soll sie ein Batterielabor aufnehmen, in dem Stryi-Hipp mit seinem Team des Fraunhofer ISE aus Freiburg bidirektionales Laden erforschen wird. Wie der Wissenschaftler erläutert, werden E-Autos häufig zuhause geladen. Mit der Anzahl an E-Autos wachse allerdings auch die Belastung des Stromnetzes, da viele Besitzer ihr Auto nach Feierabend ans Netz hängen. Die Wissenschaftler wollen erforschen, wie sich die Ladevorgänge klug steuern lassen und wie Autos als Batteriespeicher genutzt werden können, also Strom zurück ins Netz einspeisen können. „Da gibt es aktuell kein Geschäftsmodell“, sagt Stryi-Hipp. Auch weil die Batterie durch häufiges Be- und Entladen belastet wird.

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