Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Peter Clemente spielt die großen Sonaten in der Fruchthalle

Virtuose: Peter Clemente kommt nach Kaiserslautern. Mit der Pianistin Anna Gourari war er bereits mehrfach unterwegs.
Virtuose: Peter Clemente kommt nach Kaiserslautern. Mit der Pianistin Anna Gourari war er bereits mehrfach unterwegs.

Pianistin Anna Gourari und Geiger Peter Clemente sind zwei international renommierte und vielfach ausgezeichnete Künstler. In ihrem Konzert „Große Sonaten“ stellen sie Meisterwerke von Robert Schumann, Franz Schubert und César Franck vor. Konstanze Führlbeck hat sich mit Peter Clemente unterhalten.

Herr Clemente, welche Stücke spielen Sie bei Ihrem Konzert in der Kaiserslauterer Fruchthalle und warum haben Sie sich für diese Werke entschieden?
Die Violinsonate a-Moll op. 105/1 von Robert Schumann für Klavier und Violine ist ein sehr leidenschaftliches Werk, das uns beiden einfach immer schon gut gefallen hat. Dann steht die gleichfalls in a-Moll geschriebene Arpeggione-Sonate von Franz Schubert auf dem Programm. Im Original ist sie für eine Arpeggione geschrieben, das ist eine Art Cello mit fünf Saiten, das sich nie durchgesetzt hat. Meistens spielen das heute Cellisten oder Geiger. Ich spiele es auf der Viola, weil es ein schönes Werk ist und gut zur Schumann-Sonate passt. Die Klangsprache von Schubert finde ich wahnsinnig schön und das Stück gefällt mir seit meiner Kindheit sehr gut. Die Violinsonate A-Dur von César Franck spielen wir nach der Pause. Das ist eine richtig große Konzertsonate. Sie hat einen „schönen Wurf“, sie ist groß von vorne bis hinten, sie hat überhaupt keine Längen. Sie gehört zu den berühmtesten Werken der romantischen Sonaten.

Apropos Romantik: Sie haben ein rein romantisches Programm.
Von der Frühromantik oder Spätklassik bis zur Spätromantik, ein Querschnitt durch die Romantik war von vornherein so konzipiert, das hat uns gut gefallen.

Wie ist es zu Ihrer Zusammenarbeit mit Anna Gourari gekommen?
Wir haben zusammen an der Münchner Musikhochschule studiert und schon in dieser Zeit Sonatenabende gespielt. Wir kennen uns sehr lange, fast 30 Jahre, und es macht uns großen Spaß, zusammenzuspielen. Wir haben die gleiche Herangehensweise an die Musik.

Wie proben Sie denn? Jeder für sich?
Zuerst muss man sich selbst gut vorbereiten, das ist ganz wichtig. Man muss sich eine Meinung bilden, wie man das Werk interpretieren möchte. In der weiten Probenarbeit kommt man dann zusammen. Da wir uns sehr gut kennen, funktioniert das auch sehr gut. Wir wissen, wie der andere drauf ist und wie er tickt. Die Chemie muss stimmen, man muss auch das Gefühl haben, dass man schätzt, wie der andere spielt, seine Herangehensweise an das Werk würdigt.

Arbeiten Sie lieber solistisch oder in Kammermusikformationen?
Mit Orchester spiele ich immer mal wieder, aber hauptsächlich spiele ich in Kammermusikformaten. Ich habe ein eigenes Trio mit Klavier und Geige, das Clemente-Trio, seit ich 18 bin. 1998 haben wir den Kammermusikpreis der ARD in München gewonnen, dann auch andere internationale Wettbewerbe. Es ist schön, mit Freunden zu spielen, man weiß, wie man spielt, man kennt die „Laufwege“ des anderen wie bei einem top eingespielten Fußballteam. Man spürt die Emotionen sofort. Das macht mir einfach einen Riesenspaß. Dieses Gemeinschaftsgefühl muss bei Orchesterkonzerten dann in einem großen Kollektiv passieren. Am besten klappt das, wenn man nur noch in der Sache drin ist und gar nicht mehr beobachtet.

Wie ist Ihr Interesse für Musik geweckt worden?
Wie’s meist so ist, kommen Sportler aus Sport affinen Familien und ich komme aus einer Musik affinen Familie, obwohl kein Berufsmusiker darunter war. Meine Eltern hatten viele Musikerfreunde, mein Vater hat sehr gut Klavier gespielt. Da hab’ ich früh das Faszinierende an der klassischen Musik gespürt. Dazu muss man sich nur auf die Emotionen und die Klangbilder einlassen.

Gab es so etwas wie eine „Initialzündung“ für Ihre musikalische Karriere?
Wie ich zur Geige gekommen bin? Wir waren als Kinder mit den Eltern in Italien in den Ferien. Die Kinder von Freunden unserer Eltern dort haben Geige gespielt. Sie waren in unserem Alter, so sechs bis sieben Jahre alt. Das war ein Initialerlebnis für mich. Nach den Sommerferien wollte ich dann auch unbedingt Geige lernen. Meine Eltern haben das am Anfang gar nicht so ernst genommen und dachten, der hört bestimmt bald wieder auf. Aber ich hatte Glück mit guten Lehrern. Dann kann man auch Phasen durchstehen, in denen man einfach weitermacht und mit Disziplin bei der Sache bleibt.

Spielen Sie auch andere Instrumente?
Ja, ich spiel' aus Spaß Trompete, damit kann man die Atmung bewusst trainieren.

Welche Künstler hatten denn einen maßgeblichen Einfluss auf Ihre Karriere?
Der Geiger Frank Peter Zimmermann hat mich schon sehr geprägt, außerdem meine Lehrerin Ana Chumachenko, die mich zu Beginn meines Studiums in München unterrichtet hat, und ab dem fünften Semester mein Lehrer Valerij Klimov in Saarbrücken. Auch der belgische Geiger Arthur Grumiaux.

Haben Sie künstlerische Vorbilder?
Paul Gulda, Leonard Bernstein, die fand ich toll, weil sie breit aufgestellt sind. Aber so richtige Vorbilder? Herbert von Karajan, Claudio Abbado, das waren tolle Künstler. Aber ich habe auch Vorbilder, die gar nichts mit Klassik zu tun haben, zum Beispiel die Band Muse, eine britische Rockband.

Spielen Sie auch andere als klassische Musik?
Ich spiele mit dem E-Bass Rockmusik und habe eine Band, die heißt Yesbut, wir spielen englischen Rock. Wir waren fünfmal Vorband von Joe Cocker, das macht mir auch viel Spaß.

Und wer ist Ihr Lieblingskomponist?

Das hab' ich gar nicht, so wenig wie eine Lieblingsmusik. Am Abend Bier, am Morgen Tee. Ich liebe jede Art von Musik, die mir etwas sagt, aber nicht jeden Tag die gleiche Art Musik. Ich spiele nur Sachen von Komponisten, die mir etwas geben, die ich beseelen kann, weil ich sie spüre. Ich spiele aber auch Kontrabass in der Kirche in der Messe. Ich liebe es, mit verschiedenen Instrumenten unterschiedliche musikalische Kulturräume zu entdecken.

Und was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich spiele relativ viel mit meinem Klaviertrio. Und ich wünsche mir, dass es so wunderbar weitergeht, wie es jetzt wieder ist mit der klassischen Musik. Es ist das erste Jahr seit fünf Jahren, dass alles wieder normal läuft. Und ich möchte diese vielschichtigen, unterschiedlichen Musikrichtungen in Zukunft weiterverfolgen. Es ist mir wichtig, aktiv neugierig zu sein, mich nicht passiv berieseln zu lassen.

Info

„Große Sonaten“ mit Anna Gourani und Peter Clemente, Donnerstag, 14. März, 19.30 Uhr, in der Fruchthalle Kaiserslautern. Karten in der Tourist-Info (Fruchthallstraße), Telefon 0631 3652316, sowie beim Thalia-Ticketservice, Telefon 0631 36219814 und unter www.eventim.de.

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