KAISERSLAUTERN RHEINPFALZ Plus Artikel Organspenden sind im Westpfalz-Klinikum selten – Transplantationsbeauftragte will aufklären

Die neue Transplantationsbeauftragte des Westpfalz-Klinikums Kerstin Mönch und ihr Vorgänger Oliver Haas – natürlich mit Mundsch
Die neue Transplantationsbeauftragte des Westpfalz-Klinikums Kerstin Mönch und ihr Vorgänger Oliver Haas – natürlich mit Mundschutz. Er bleibt dem Thema auf »seiner« Station verbunden.

Im Westpfalz-Klinikum haben im vergangenen Jahr gerade einmal zwei Menschen ihre Organe gespendet. Diese Zahl zu erhöhen ist zwar nicht die Aufgabe von Kerstin Mönch, der neuen Transplantationsbeauftragten des Krankenhauses, „aber ich will schon dazu beitragen, dass sich die Menschen in der Westpfalz mit der Organspende auseinander setzen“.

Seit April ist Ärztin Kerstin Mönch die erste hauptamtliche Transplantationsbeauftragte des Westpfalz-Klinikums – eine Gesetzesänderung im vergangenen Jahr hat dieses Aufgabenfeld in den Kliniken gestärkt. Finanziert wird die halbe Stelle von den Krankenkassen. Mönch: „Die Gesetzgeber haben entschieden, Transplantationsbeauftragte mit mehr Zeit auszustatten.“ Bislang hatte sich im Westpfalz-Klinikum der Intensivmediziner Oliver Haas darum gekümmert. Er bleibt der Thematik treu. Mönch: „Ich bin froh, dass er weiter an meiner Seite ist. Denn in jeder Intensivstation im Haus und an allen Standorten gibt es Transplantationsbeauftragte aus dem ärztlichen und aus dem pflegerischen Bereich.“

Vorher bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation tätig

Mönch ist neu ans Westpfalz-Klinikum gekommen, aber vom Fach: In den vergangenen sieben Jahren hat sie bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) in Mainz als Ärztliche Koordinatorin gearbeitet. „Jetzt freue ich mich auf den Kontakt mit den Menschen“, sagt die 49-Jährige, die in Mainz beispielsweise ein bundesweites System zur Erfassung von schwerwiegenden Zwischenfällen bei Transplantationen mit aufgebaut hat. „In Kaiserslautern bin ich nun in Sachen Organspende quasi Schnittstelle für alle – ob Kollegen, Patienten, Angehörige oder auch für Fragen aus der Bevölkerung.“

Deutschland ist Organ-Importnation

Wie Mönch erläutert, ist Deutschland bei Organen ein Importland. Es gebe schlicht nicht genügend Spender, um die Nachfrage zu decken. „Dennoch ist mir wichtig, dass ich nicht überrede oder bei Angehörigen für Organspenden werbe“, betont die Medizinerin, „ich will gern den Anstoß geben, dass sich Familien, Partner, Eltern und Kinder, überhaupt mit dem Thema auseinander setzen.“ Wie schwierig das ist, verdeutlicht sie mit einem persönlichen Beispiel: „Schon seit meinem Studium bin ich überzeugte Organspenderin. Es war für mich nie eine Frage, dass nach meinem Tod meine Organe entnommen werden können. Bis ich meinen ersten Sohn auf dem Arm hielt.“ Da habe sie begonnen zu zweifeln. „Ich dachte, den könnte ich niemals freigeben“, erzählt Mönch. Doch dann habe sie sich die Gegenfrage gestellt: „Was wäre, wenn er ein Spenderherz bräuchte?“ Organspende sei ein ganz emotionales Thema.

„Niemand ist uns Rechenschaft schuldig“

Aber gerade das Gespräch über Organspenden sei extrem wichtig, ist Mönch überzeugt: „Wenn bei einem Angehörigen der Hirntod diagnostiziert ist, kann er sich nicht mehr äußern und die Entscheidung liegt bei den nächsten Angehörigen.“ Wer das vorher bespreche, verlagere die Verantwortung nicht auf seine Familie. „Die haben, wenn es soweit ist, oft schon genug zu leiden“, sagt die Transplantationsbeauftragte. In allen Fällen werde die Entscheidung der Angehörigen respektiert: „Uns ist niemand Rechenschaft schuldig. Das ist eine ganz persönliche Entscheidung.“

Wenige Organspenden in der Westpfalz

Dass im Westpfalz-Klinikum mit den Standorten Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen 2019 gerade einmal zwei Menschen nach dem Hirntod Organe gespendet haben (die Zahl schwankte in den vergangenen Jahren zwischen zwei und neun), hat mehrere Gründe, erklärt Mönch: „Viele schwere Unfälle sind mittlerweile so gut behandelbar, dass kaum noch jemand einen Hirntod erleidet. Es gibt also schon einmal deutlich weniger Menschen, die infrage kommen, als vor 20, 30 Jahren.“ Zudem sind in Deutschland nur bei einem Hirntod Organspenden zulässig, nicht wie in anderen Ländern auch nach dem Herztod. Mönch: „Aber das ist ein Thema, an das sich die Politik nicht ranwagt.“

Kaum Gelegenheiten zu Tricksereien

Gemauschel in Sachen Organspende sei nahezu ausgeschlossen. Skandale in der Vergangenheit hätten dazu geführt, dass es kaum noch Möglichkeiten gebe, mit oder wegen Organspenden zu betrügen. Mönch: „Aber wie in jedem System gibt’s immer Menschen, die die Lücken finden.“ Unter anderem durch das Sechs-Augen-Prinzip bei Transplantationspatienten sei es nicht mehr so einfach, Patienten auf Organ-Wartelisten nach oben zu mogeln. Überhaupt seien Organspenden und -empfänge streng getrennt.

Organspende positiv besetzen“

Für die nächste Zeit hat sich die Transplantationsbeauftragte vorgenommen, Fortbildungen zu organisieren – sowohl für die Beschäftigten des Westpfalz-Klinikums wie auch für die Bevölkerung: „Wenn es die allgemeine Lage zulässt, würde ich gern wieder in Abendveranstaltungen mit Gästen zur Organspende in Kontakt kommen.“ Mönch will mithelfen, dass sich die Menschen mit etwas beschäftigen, das für viele eher unangenehm ist: „Ich will das Thema Organspende positiv besetzen.“

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