Kaiserslautern „Niederlage als Chance begreifen“

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Florian Nöll gilt als Experte für Start-ups und digitale Wirtschaft. Schon als Schüler hat er erstmals gegründet, mittlerweile ist er Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Start-ups. Heute, Donnerstag, spricht er am „Founder’s Thursday“ von Start-up Westpfalz ab 19 Uhr im Tacco Kidd in der Innenstadt. Vorab hat er sich mit Julia Luttenberger unterhalten.

Als Gründer haben Sie ja einiges an Erfahrung. War das Gründen früher einfacher als heute oder sind die Gründer heute besser dran?

Tendenziell wird das Gründen eher einfacher. Start-ups sind mittlerweile in der Gesellschaft angekommen. Heute wissen mehr Menschen, nicht nur die relevanten Akteure aus dem Start-up-Ökosystem, was ein Start-up ist und was die besonderen Herausforderungen eines Start-ups sind. Start-ups sind medial präsenter als noch vor zehn Jahren, mit der Höhle der Löwen gibt es eine beliebte TV-Show und auch die Politik hat verstanden, welche Wichtigkeit die Start-up-Wirtschaft in Deutschland mittlerweile hat. Gibt es einen wichtigen Tipp, den jeder Gründer beachten sollte? Zum Gründen gehört natürlich erst einmal eine gute Idee. Am wichtigsten sind aber die Köpfe. Jeder der Gründer sollte seine eigene Erfahrung, seine eigenen Fähigkeiten mitbringen. Heterogene Gründer-Teams, also beispielsweise ein Gründer mit einem BWL-Hintergrund, ein Gründer mit einem technischen Hintergrund, sind tendenziell besser auf die bevorstehenden Herausforderungen vorbereitet als homogene Teams. Ohne in Stereotype verfallen zu wollen: Zwei Maschinenbauer können vielleicht ein gutes Produkt entwickeln, nicht aber unbedingt ein Vertriebsnetz aufbauen, sich um die Finanzierung kümmern und das Marketing umsetzen. Wenn man gründet, sollte man wissen, dass man Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Kreativität benötigt und in den kommenden Jahren sehr viel Zeit investieren muss. Gründen ist mehr als ein Vollzeit-Job. Gründen ist eine Lebenseinstellung. Wie sollte ein Gründer mit Niederlagen umgehen? Als Gründer muss man mit Niederlagen umgehen können. Wichtig ist dabei, jede Niederlage als Chance zu begreifen. Es gehört zum Geschäft dazu, auch mal von vorne anzufangen und Prozesse, Strukturen und Geschäftsmodelle neu zu denken. Die Kultur der zweiten Chance ist bei den Gründern schon lange angekommen. Leider noch nicht beim Gesetzgeber. Das Insolvenzrecht muss geändert werden. Wenn mutige Gründer scheitern, dürfen sie für ihren Mut, ihre Ideen und ihren Willen, etwas zu schaffen, nicht bestraft werden. Es muss ihnen möglich gemacht werden, es ein zweites oder drittes Mal zu versuchen. Diese Chance müssen wir allen geben.

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