Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Musikhaus Müller schließt zum Jahresende

Hätte gern noch ein bisschen weitergemacht: Willi Müller, Inhaber des gleichnamigen Musikhauses in der Eisenbahnstraße.
Hätte gern noch ein bisschen weitergemacht: Willi Müller, Inhaber des gleichnamigen Musikhauses in der Eisenbahnstraße.

Seit 30 Jahren ist das Musikhaus Müller Anlaufstelle für Musikliebhaber aus der ganzen Westpfalz. Seit 1991 am Stiftsplatz 5, seit 2006 in der Eisenbahnstraße 57. Am Jahresende wird Willi Müller sein Geschäft aus Altersgründen schließen. Auch wenn er es gerne noch weitergeführt hätte. Doch die Pandemie hinterlässt ihre Spuren.

„Wir sind wieder da“, erinnert ein Hinweis auf einem Schaufenster des Musikhauses Müller in der Innenstadt. „Leider nur noch eine kurze Zeit“, bedauert Willi Müller, dem es schwerfällt sein „Kind“ abzugeben. „Das Herz schmerzt“, fährt er sich an die Brust, wenn er an die bevorstehende Schließung denkt. Noch sieht es in dem 250 Quadratmeter großen Verkaufsraum aus wie immer: Eine Auswahl an E-Pianos und Keyboards der Marken Yamaha, Kawai und Korg haben ihren Platz neben Musikboxen und Verstärkern, Gitarren, Blasinstrumenten und Klavieren. Nicht zu übersehen: eine große Auswahl an Notenliteratur.

„Eigentlich sind wir gut durch die Pandemie gekommen“, blickt Müller zurück. Die Leute hätten wieder mehr Zeit und Muße gehabt, sich für Musik und Hausmusik interessiert. Das sei seinem Geschäft zugutegekommen. Auch wenn er im Frühjahr 2020 und Ende des Jahres entsprechend der Lockdowns geschlossen und für drei Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet hatte, hat er sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen können. „Wir haben online und per Telefon verkauft.“ Keyboards, Gitarren und Blasinstrumente hat er seiner Kundschaft persönlich nach Hause geliefert.

Lieferprobleme bei bestellter Ware

Was den Geschäftsinhaber momentan drückt, ist die Tatsache, dass er bestellte Ware nicht liefern kann. „Die Lieferkette ist unterbrochen.“ Wie in der Auto- und Elektroindustrie fehlten auch den Herstellern von elektronischen Musikinstrumenten Chips und Fertigungsteile. „Gleich, wo die Instrumente herkommen – aus China, Taiwan oder Indonesien –, ich bekomme keine Ware. Und das vor dem Weihnachtsgeschäft.“ Lieferrückstände von Bestellungen von vor einem Jahr hatte er bis ins Frühjahr zu verzeichnen. Noch sei der Nachschub an Akustikgitarren gesichert, verweist er auf große Lager in Europa. Für Instrumente aus Holz wie Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott, deren qualitativ hochwertige Hölzer gelagert sein müssen, könne es bald ähnlich aussehen, befürchtet der Musikalienhändler Auswirkungen der Holzverknappung.

Dass zwei seiner drei Mitarbeiter aufgrund der Situation im Laufe des Jahres gekündigt und ihn zwischenzeitlich verlassen haben, war für Müller ein Tiefschlag. 60 bis 70 Stunden habe er in den zurückliegenden Monaten arbeiten müssen. Nicht nehmen hat er sich, seinen Kunden bestellte Ware persönlich nach Hause auszuliefern. Ursprünglich habe er vorgehabt, sein Geschäft erst Ende 2022 aufzugeben. „Ein Jahr hätte ich gerne noch gemacht“, so der 67-Jährige.

Eine Geschäftsübernahme ist geplatzt

2019 hatte er noch Kontakt zu einem Kollegen der Branche in München, der sich für die Übernahme des Geschäfts interessiert hatte. Unter anderem, weil Müller nach eigenen Angaben einer von 200 Tophändlern von Yamaha in Europa ist. „Wenn auch der Kleinste.“ Der Interessent habe ihm während der Pandemie abgesagt. „Er musste selbst 40 Leute entlassen.“ Für den Lauterer Geschäftsmann ein Schock. „Ich hatte die Übernahme fest eingeplant.“

Seinem Beruf als Bankkaufmann war Müller nicht lange treu geblieben. Bereits 1976 hat der Pianist, der seit vielen Jahren Solisten vom Theater in Kaiserslautern und Saarbrücken am Klavier begleitet und selbst Konzerte gegeben hat, die Branche gewechselt. Als Angestellter des Musikhauses Klimmer hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Er hat privat nicht nur Klavier gespielt, er hat ab jetzt auch Klaviere und andere Musikinstrumente verkauft. „Das Musikhaus Klimmer war ein Vollsortimenter.“

2006 in der Eisenbahnstraße heimisch geworden

Als das Musikgeschäft am Schillerplatz 1991 seine Türen schloss, kam für Müller der Zeitpunkt, sich als Musikalienhändler selbstständig zu machen. Sein eigenes Musikgeschäft eröffnete der in Waldfischbach-Burgalben lebende Mitarbeiter Klimmers noch im selben Jahr am Stiftsplatz 5. Bereits nach wenigen Jahren stellte sich heraus, dass die Verkaufsfläche von 130 Quadratmeter zu klein war. Zu groß war die Nachfrage.

Mit dem Ladenlokal in der Eisenbahnstraße fand Müller 2006 die Geschäftsräume, die ihm über viele Jahre gute Dienste taten. „Die Lage war wesentlich besser als am Stiftsplatz“, verweist er auf den Publikumsverkehr zwischen Bahnhof und Innenstadt. 250 Quadratmeter Verkaufsraum und 250 Quadratmeter für eine Musikschule, Reparaturwerkstatt und Lagerräume boten ihm entsprechenden Handlungsspielraum. Nicht leicht fällt ihm, die Betreuung von Bläserensembles aufzugeben, verweist er auf Bläsergruppen an Schulen und Vereinen. Für etliche der Instrumente habe er die Finanzierung und die zweijährige Generalüberholung übernommen.

Müller: Kein Musikfachgeschäft mehr in der Westpfalz

Mit ansehen musste Müller, wie seine Lauterer Mitbewerber im Musikfachgeschäft nach und nach ihre Läden dicht machten. Schaller, Klimmer, Melchior und das Pianohaus Knoll gibt es heute nicht mehr. Für das Musikhaus Müller eine Entwicklung, die ihm weit über Kaiserslautern hinaus neue Kunden bescherte. Dass im Oktober das in Zweibrücken ansässige gleichnamige Musikfachgeschäft Müller angekündigt hat, seinen Geschäftsbetrieb einzustellen, werde dazu führen, dass es mit Verkauf und Service von Musikinstrumenten im Umkreis von 100 Kilometern schlecht bestellt sein wird. Müller blickt daher in eine, für der Region verbundenen Musikern, düstere Zukunft.

Im Ruhestand wird Willi Müller der Musik weiterhin verbunden bleiben. Zu eng sind seine Kontakte zu Chören, Musikvereinen und zu Kirchengemeinden, in denen er zu gottesdienstlichen Feiern die Orgel spielt.

Info

Ab Montag beginnt das Musikhaus Müller mit einem Abverkauf.

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