Kaiserslautern
Mit Vortrag das Werk Theodor Zinks gewürdigt
Für Freitagabend hatte das Lauterer Stadtmuseum zu einer kleinen Feierstunde in die Museumsscheune eingeladen, um Gründer und Namensgeber Theodor Zink zu würdigen, der vor 150 Jahren zur Welt kam.
Die noch agrarisch-vorindustrielle Welt habe den am 24. September 1871 in Ulmet Geborenen maßgeblich geprägt, führte Klesmann mit Blick auf den Bildungsgang des Jubilars aus. Wie sein Vater auch habe Zink die pädagogische Laufbahn eingeschlagen. Nach der Ausbildung am Lauterer Lehrerseminar von 1888 bis 1890 und verschiedenen beruflichen Stationen in der Westpfalz sei er in die Barbarossastadt versetzt worden. Parallel zu seinem pädagogischen Wirken habe sich der junge Lehrer einen immer weiteren Horizont zu einer Vielzahl volkskundlicher Themen erarbeitet. Früchte dieser Beschäftigung mit der sich damals zunehmend wandelnden Lebens- und Arbeitswelt seien erste Publikationen gewesen. Die breite Themenpalette wie Schriften zu Flurnamen, zur Mundart oder zur Geschichte des Waldumgangs zeigten den zunehmenden Fundus wissenschaftlicher Arbeit.
Kaum überschaubare Sammlung von Altertümern
1907 habe der Kaiserslauterer Bürgermeister Hans Küfner Zink damit beauftragt, sich der Archivalien der Stadt anzunehmen. Aus Erzählungen von Zinks Tochter ginge hervor, so Klesmann, dass diese die Bücherfülle des väterlichen Arbeitszimmers und die kaum überschaubare Sammlung an Altertümern bewundert habe. Der Versuch Zinks, die Gründung eines Heimatmuseums anzustreben, sei allerdings durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 zunichte gemacht worden. Mit 43 Jahren für den Frontdienst zu alt, sei der Pädagoge einer Landsturmeinheit am Lauterer Hauptbahnhof zugeteilt worden. Sein Tagebuch, das der Sammlung des Museums angehöre, erweise sich nicht nur an dieser Stelle als ergiebige Quelle. Beobachtungen dort sowie die Reflexionen zu seinem Zeitungsstudium ließen eine deutsch-nationale Prägung seines Denkens erkennen. „Aber dabei ist immer auch eine menschliche Haltung zu konstatieren“, hob der Museumschef hervor. Die Quellen zeigten beispielsweise die Anteilnahme am Schicksal russischer Kriegsgefangener. Die Niederlage des Deutschen Reiches und die Novemberrevolution 1918 hätten den Bismarckverehrer Zink hart getroffen. Die Quellen zeigten jedoch, dass es in seinem Denken kein Platz für eine Verherrlichung der alten Zeit gab. Auch Kritik am verbreiteten Standesdünkel übte er.
Seit 1920 Mitglied im Historischen Verein, habe Zink in den Folgejahren unter dem Dach des Gewerbemuseums eine Dokumentation der Handwerksgeschichte erarbeitet. Die Wirtschafts- und Staatskrise 1923 mit der Hyperinflation und dem Auftreten der von ihm kritisierten pfälzischen Separatisten verzögerten die Pläne für ein Stadtmuseum ein weiteres Mal. 1924 habe Zink den Schuldienst quittiert und sei in der Funktion eines Konservators bei der pfälzischen Landesgewerbeanstalt Kaiserslautern tätig geworden. Als Leiter der Abteilung „Inventarisation der pfälzischen Handwerksaltertümer“ habe er mit dem Fotografen Reinhold Wilking die Pfalz bereist.
Eröffnung des Museums nicht mehr erlebt
In der bitteren Not der Weltwirtschaftskrise seit dem Jahr 1929 habe Zink scharf kritisiert, dass vor allem die Jungen den rechten Parteien nachgelaufen seien. Auch das Versagen der bürgerlichen Parteien habe sein Missfallen erregt. Die Bewunderung für den Außenminister und Weimarer Reichskanzler Gustav Stresemann ist für Klesmann ein Beleg dafür, dass man Zink zu dieser Zeit in der politischen Mitte einzuordnen habe. Die Quellen belegten, dass es vonseiten Zinks keinerlei antisemitische Äußerungen gegeben habe. Gleichwohl sei er 1933 in die NSDAP eingetreten. Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung hätte der sogenannte Röhm-Putsch 1934 mit die damit verbundene Mordaktion bewirkt, der der bayrische Ministerpräsident von Kahr und der ehemalige Reichskanzler von Schleicher zum Opfer gefallen seien.
In den späten 20er Jahren habe sich der Fundus der Zinkschen Sammlung durch Spenden und Leihgaben aus der städtischen Bevölkerung erheblich vergrößert. Kommunale Räume in der Spittelmühle hätten schließlich die Perspektive für ein Stadtmuseum eröffnet. Doch eine sich dramatisch entwickelnde Herzerkrankung habe verhindert, dass der Initiator die Eröffnung des Museums noch erlebte. Zink starb am 31. Oktober 1934. Das vom ihm begründete Museum sei die wissenschaftliche Grundlage der Lauterer Stadtgeschichte. Erst 1978 habe es neuerlich eröffnet werden können.