Kusel
Maler Karl-Heinz Naumann wäre 100 Jahre alt
Nicht bei allen Dilettanten, die mit literarischen, musikalischen, theatralen oder bildnerischen Ergüssen an die Öffentlichkeit streben, ist dieses Selbstbewusstsein durch Können gerechtfertigt. Trotz technischer Fertigkeit fehlen mitunter die eigene Bildsprache, der kreative Impetus, die künstlerische Aussage. Nicht so bei Karl-Heinz Naumann, obwohl er sich immer „nur“ als „Hobbymaler“ sah.
Der Kuseler Lehrer und Regionalhistoriker Karl-Heinz Naumann, der am kommenden Montag 100 Jahre alt wäre, war nicht nur ein hingebungsvoller, einfühlsamer, begeisterungsfähiger Literatur- und Lyrikkenner. Er gehörte 37 Jahre lang dem Redaktionskreis der „Westricher Heimatblätter“ an, wo er zudem zahlreiche Aufsätze zur Vor- und Frühgeschichte der Westpfalz veröffentlichte.
Literatur und Leinwand
Als grundlegend gilt seine „Historische Bestandsaufnahme“ der Kreimbacher Heidenburg, die er 1977 gemeinsam mit dem zwölf Jahre jüngeren Kollegen Karlheinz Schultheiß vorlegte. Er galt als Fachmann für Münzen aus der Spätantike, der unter anderem über die Funde in Merzweiler und am Mithras-Heiligtum bei Reichweiler forschte und publizierte. „Akribie und Detailkenntnis in der Geschichtsforschung kennzeichnen seine Arbeit“, hieß es 2007 in einer Würdigung. Und knapp: „Seine zweite große Leidenschaft ist die Malerei.“
RHEINPFALZ-Autorin Ingeborg Nicklas bezeichnete ihn einmal als „Maler des Westrich und der Stadt Kusel“, der „eine gleichermaßen poetische wie auch symbolträchtige Ader“ besitze. Seine Gemälde zeugen einerseits von einem emotionalen Gespür für Licht und Farbe. Daraus resultieren andererseits Stimmung, Atmosphäre und ein harmonisches Bildkonzept, das den Betrachter sofort einnimmt.
„Maler des Westrich“
In seinem 1994 erschienenen Buch „Bildende Kunst im Kreis Kusel“, das unbedingt eine Fortschreibung verdient, würdigt Michael Seyl vor allem die Natur- und Landschaftsgemälde: „Bei seinen Stimmungsbildern geht Karl-Heinz Naumann von der gesehenen Wirklichkeit aus. Nicht selten jedoch ergänzt der Künstler Bäume oder Sträucher, wenn es die ihm vorschwebende Bildkonzeption verlangt.“ Durch Baumstämme oder Astwerk erhalte das eigentliche Motiv damit „eine im Bild liegende Rahmung“.
Neben Ölbildern schuf Naumann ein umfangreiches druckgrafisches Werk, vor allem symbolhafte Radierungen mit persönlichen und/oder autobiografischen Bezügen – oder literarischen, wie sie dem belesenen „Homme de lettres“ in Pinsel, Kohle und Stichel flossen. „In solchen Werken“, schreibt Seyl, „verarbeitet er unter anderem Erlebnisse aus Krieg und Kriegsgefangenschaft“. Sie stehen im scharfen Kontrast zu den bewusst „schönen“ Landschafts- und Stadtidyllen, Jahreszeiten- und Naturimpressionen.
Freude an Büchern geweckt
Die jedoch machten aus Karl-Heinz Naumann einen künstlerischen Botschafter der Westpfalz, indem sie weite Verbreitung fanden. So nahmen Urlauber aus Kenia von einer Ausstellung, die zur Jahreswende 1999/2000 auf dem Potzberg stattfand, eine Herbststimmung Naumanns mit nach Afrika.
Dabei stammte der „Maler des Westrich“, der so gern die Burg Lichtenberg oder die Kuseler Altstadt auf die Leinwand brachte, weder von Glan noch Lauter noch Moosalb. Er wurde in Worms geboren, studierte nach dem Krieg Germanistik, Geschichte und Anglistik in Mainz. 1955 kam er nach Kusel und war seitdem Lehrer am Gymnasium.
Karl-Heinz Naumann konnte – unter Deutschlehrern eine empirisch rare Seltenheit! – in seinen Schülerinnen echte Freude am Gedicht entfachen. Noch als Ruheständler weckte er mit Abendkursen an der Kuseler Volkshochschule Begeisterung für die Welt der Lyrik. 82-jährig starb er im Sommer 2008.