Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Konzert der Pfälzischen Musikgesellschaft im SWR-Studio

Erlesene Klänge: Margaret Singer (Klavier) und Peter Arnold (Horn).
Erlesene Klänge: Margaret Singer (Klavier) und Peter Arnold (Horn).

Unter dem Motto „Lieben Sie Brahms?“ präsentierten Geigerin Eva Esser, Margaret Singer am Flügel und Hornist Peter Arnold auf Einladung der Pfälzischen Musikgesellschaft am Sonntagnachmittag im SWR-Studio romantische Kammermusik. Durch das Programm mit Werken von Carl Reinecke, Clara Schumann und Johannes Brahms führte Peter Arnold.

Die Gestaltung von Carl Reineckes (1824 bis 1910) Notturno op. 112 für Horn und Klavier überzeugte durch die klare Intonation und die weichen Melodiebögen von Peter Arnold, selbst ein dunkles Schicksalsthema entwickelte sich nach und nach zu einer liedhaften Weise. Pianistin Margaret Singer reagierte mit kraftvollem Anschlag und markant abgesetzten Phrasen in diesem plastischen Klangbild mit malerischen Farben. „Wir wollen eine kleine Oase sein in einer Zeit, in der wir gerade nicht so viel Freude haben“, begrüßte Peter Arnold die Besucher und rezitierte Verse aus Clemens von Brentanos Gedichtzyklus „Des Knaben Wunderhorn“.

Drei Romanzen für Violine und Klavier op. 22 von Clara Schumann (1819 bis 1896), Joseph Joachim gewidmet, stellten Geigerin Eva Esser und Pianistin Margaret Singer vor. In ihre dunkel-perlenden Klaviertöne fiel Geigerin Eva Esser mit einer kraftvollen und gleichzeitig frappierend zärtlichen Melodie ein, die Geige schien in ihren Händen zu singen. Nach einem differenziert gestalteten Steigerungsprozess, in dem beide Musikerinnen immer expressiver spielten, fesselte vor allem Eva Esser durch ihre innig-weiche Tongebung und eine Interpretation voller Hingabe, fast schon Selbstvergessenheit. In der zweiten Romanze setzte die Pianistin markante Impulse, auf die die Geige mit thematischen Einwürfen antwortete. Immer wieder fielen sich die beiden Instrumente ins Wort, ergänzten und kommentierten sich, wobei doch auch jedes Instrument seinen eigenen Gedanken nachhing. In der dritten Romanze drängten flutende Klänge mit stürmischem Überschwang immer weiter vorwärts, ungestüm strömten Eva Essers Geigenklänge dahin, um dann leise zu ersterben, während Margaret Singer in verhaltenen Akkorden das Werk ausklingen ließ.

Weiche, weite Melodien

Sehr plastisch gestaltete die Pianistin die „Träumerei“ aus dem Klavierzyklus „Kinderszenen“ von Robert Schumann (1810 bis 1856), in weichen, weit gespannten Melodiebögen. Klar, doch nie scharf oder gar mit schroffen Härten, eher wie mit einem musikalischen Weichzeichner akzentuierte sie die Themen, die sich in einer unbestimmbaren Ferne zu verlieren schienen, in einem Traumland jenseits von Ort und Zeit. Das Trio für Klavier, Violine und Horn Es-Dur, op. 40, aus dem Jahr 1865 leiteten Pendelmotive der Geige ein, in die Klavier und Horn mit dunkel getönten Motiven nach und nach einfielen; zwischen Horn und Violine entspann sich ein thematischer Dialog. Aus Einwürfen des Klaviers entwickelte sich ein Steigerungsprozess, an dem sich nach und nach alle Instrumente in wechselnder Intensität beteiligten, in einem mehrfach wiederkehrenden Anschwellen und Verebben. Die unruhige Hast und die schnellen, sich überstürzenden Motive des Andante unterstrichen den hektischen Charakter dieses Satzes und ließen überbordende Gefühlswelten voll dunkel-leidenschaftlicher Verstrickungen lebendig werden. In pochendem Drängen klang dieser Satz aus. Ein ganz anderer Ausdruck prägte das elegisch überhauchte Mesto. Leise, nachdenkliche Klavierakkorde wirkten in der subtilen Gestaltung von Margaret Singer wie ein Widerhall aus einer anderen Welt.

Rasant hämmerten ihre Akkorde dagegen im schnellen Finalsatz, im Wechselspiel mit Geige und Horn entstand in Reaktion auf ihre immer wiederkehrenden Impulse ein stürmisch bewegtes, ausdrucksstarkes Klangfresko voll wuchtiger dramatischer Spannung und reich ausschattierter dunkler Farben.

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