Kaiserslautern
Klinikums-Betriebsratsvorsitzender: „Müssen darüber sprechen, was uns die Pflege wert ist“
„Wir sind an 365 Tagen rund um die Uhr für die Menschen da“, sagt Leonel Alves, Betriebsratsvorsitzender des Westpfalz-Klinikums. In der Zeit nach Corona, fordert er, „müssen wir offen darüber sprechen, was uns eine Pflegekraft und unser Gesundheitssystem wert sind“. Als Betriebsratsvorsitzender am Standort Kaiserslautern und Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats des Westpfalz-Klinikums ist Alves für rund 4000 Mitarbeiter zuständig. Bei einem Gespräch Ende Februar monierte Alves gegenüber der RHEINPFALZ: „Wir sind die Prügelknaben der Nation.“ In der bundesweiten Presse tauchten Krankenhäuser seiner Erfahrung nach – Stand Februar – meist in Zusammenhang mit Keimen, Abrechnungsbetrug oder schlechter Patientenversorgung auf, kritisierte Alves das damals in der Öffentlichkeit vorherrschende Bild.
Nun, einige Wochen und eine Pandemie später, habe sich das mit der Wertschätzung und der Berichterstattung geändert: „Es ist schön, zu hören, dass man wahrgenommen wird.“ Es sei noch nie so deutlich wie jetzt geworden, dass man auf ein gut funktionierendes Gesundheitssystem mit engagierten Mitarbeitern angewiesen ist. Alves: „Die schwierige Frage wird nun sein: Was ist uns das wert?“ Doch, das räumt er ebenfalls ein, „ist das eine Frage, die derzeit noch nicht ansteht. Noch beschäftigt uns der richtige Umgang mit Corona. Über Zahlen müssen wir später reden.“ Aktuell stehe die Frage im Vordergrund, wie man mit der Viruserkrankung umgeht, ohne Mitarbeiter oder Besucher zu gefährden.
„Das sind auch die Fragen, die Mitarbeiter an uns als Betriebsrat herantragen“, berichtet Alves aus seiner täglichen Arbeit, „der eigene Schutz ist den Kollegen natürlich sehr wichtig.“ Kein Wunder: Wie die Süddeutsche Zeitung in dieser Woche berichtete, sind seit Mitte April täglich durchschnittlich mehr als 230 Menschen aus Gesundheitsberufen an Corona erkrankt – auch am Westpfalz-Klinikum gab es bereits Fälle in der Belegschaft. Bundesweit kommen etwa elf Prozent aller Corona-Erkrankten aus dem Gesundheitssektor.
Die Geschäftsführung, attestiert der Betriebsratsvorsitzende, habe in der Hinsicht gute Arbeit geleistet und weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Mannschaft gut auszustatten. Alves: „Es gab in den vergangenen Wochen auch kritische Momente, als beispielsweise täglich auf neue Schutzausrüstung gewartet wurde.“ In einem kurzen Zeitraum sei nichts zu bekommen gewesen – und der Lagerbestand gleichzeitig bedrohlich gesunken. Alves: „Das sind natürlich Dinge, die das Personal emotional beschäftigen.“
Auch vor diesem Hintergrund sei es gut gewesen, den Krankenhausbetrieb herunterzufahren. Dass Überstunden abgebaut werden konnten, ordnet Alves als sinnvolle Maßnahme ein: „Der Berg ist zwar kleiner geworden, aber es sind – übrigens über alle Bereiche und alle Berufsgruppen – noch genügend da.“ Zudem sei Ende März/Anfang April nicht absehbar gewesen, wie sich die Situation entwickelt.
Dass das Westpfalz-Klinikum eine strenge Besucherregelung erlassen habe, sagt Alves, „ist ja im Sinne der Mitarbeiter und der Patienten“. Durch die Öffnung für geplante Operationen und die nach und nach anlaufenden ambulanten Behandlungen seien bereits jetzt wieder deutlich mehr Menschen im Krankenhaus unterwegs, als noch vor einigen Wochen.