Kaiserslautern
Kleinbus ohne Fahrer soll auf dem Campus der TU Kaiserslautern verkehren
Beim Besuch von Wissenschaftsminister Clemens Hoch an der Technischen Universität wurde der schlaue Bus erstmals vorgeführt. Hoch war beeindruckt. Und das ist gut so. Denn wenn das Shuttle vielleicht schon in ein paar Monaten zur Mensa rollt, muss das Land dafür die ein oder andere Genehmigung erteilen.
Das Shuttle ist ein Unikat mit Elektroantrieb
Für 260.000 Euro aus Drittmitteln hat Berns mit seiner AG Robotik das Vehikel angeschafft. Im Labor wurde es dann aufgerüstet, mit Sensoren, Funkantennen, Rechnerkomponenten und Navigationssoftware ausgestattet, Notschalter inklusive. Zehn Personen können in dem Bus befördert werden, Sitzplätze gibt es sieben. „Das Shuttle steuert sich selbst, dafür geben wir ihm verschiedene Routen vor und bringen ihm bei, zu stoppen, wenn sich ihm ein Mensch in den Weg stellt oder es auf Hindernisse trifft“, erläutert der Professor das Unikat, das außen und innen mit Kameras ausgestattet ist. Es ist symmetrisch aufgebaut, kann jederzeit die Fahrtrichtung wechseln, also vorwärts und rückwärts verkehren. „Später soll der Bus mit dem Uni-Logo auch Haltestellen ansteuern und nach Anmeldung Leute abholen.
Berns zufolge laufen bundesweit viele Versuche mit selbstfahrenden Kleinbussen. Das besondere an dem Kaiserslauterer Projekt sei, dass es nicht nur auf geschützten, fest definierten Strecken unterwegs sein soll. „Wir gehen da deutlich weiter.“ In den nächsten Wochen werde mit den Tests im Gelände begonnen, aber nur auf Fußgänger-Routen. Der Uni-Campus eigne sich dafür besonders, weil da Studierende auf Achse sind, die solchen Innovationen offen gegenüberstehen und keine Angst haben.
Perspektivisch soll der Kleinbus im Wohngebiet fahren
Auf Dauer hat Berns natürlich noch andere Pläne. Im Zuge des Modellprojekts „Smart City“ soll das Shuttle mit Elektroantrieb auch in der Stadt verkehren. „Es könnte zum Uniwohngebiet fahren, aber auch in Richtung Pfaffplatz rollen“, so Berns. „Die Idee ist, dass damit Menschen auf der sogenannten letzten Meile, also beispielsweise von der Bushaltestelle zur Haustür, befördert werden. Auf Bestellung.“ Bis es soweit ist, könne es noch ein bisschen dauern. „Aber wir sind zuversichtlich, dass wir das hinkriegen“, so Berns.
Bagger können selbstständig Gräben ausheben
Berns beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema autonomes Fahren. Beim Besuch von Minister Hoch wurde auch ein Projekt vorgestellt, bei dem es darum geht, autonomes Baggern zu ermöglichen. Dazu arbeitet die Arbeitsgruppe von Berns beispielsweise mit der Volvo Construction Equipment GmbH & Co KG. zusammen und dem Mittelständler AndroTec in Waldfischbach-Burgalben, der Sensorsysteme entwickelt. Autonomes Baggern soll etwa die Arbeit im Steinbruch sicherer machen. Dazu wurden Ladevorgänge automatisiert, der Bagger kann selbstständig Gräben ausheben, ohne dass ein Mensch das steuert. Solche Assistenzsysteme könnten künftig in schweren Gefahrenlagen wie beispielsweise bei Hochwasserkatastrophen zum Einsatz kommen, erläutert Berns. Seine AG hat schon viele Fahrzeuge automatisiert, vom Traktor bis zum Rettungsboot. Häufig wird mit der Industrie vor Ort zusammengearbeitet, beispielsweise mit General Dynamics oder John Deere.
Wissenschaftsminister Hoch war beeindruckt von dem Wissenstransfer, der von der TU ausgeht. Es sei wichtig, dass das Land auch Promotionsvorhaben fördere. „Unser Ziel ist, Forschungsergebnisse schnell in die praktische Anwendung zu bringen“. Durch den direkten Kontakt zu den beteiligten Unternehmen entstünden dann Arbeitsbeziehungen für die Zukunft und Fachkräfte würden in der Region gehalten, so Hoch. Es müsse gezeigt werden, wie wichtig die Wissenschaft für das Land ist und wie sie „uns voranbringen kann“.