Kaiserslautern
Kino für Frauen
Das von Ihnen erdachte Projekt „Kino Frauen aller Kulturen“ läuft nun schon seit 2017. Bewirkt es das, was Sie sich vorgestellt haben? Welches Feedback bekommen Sie?
Es bewirkt weit mehr, als ich mir erhofft hatte, nämlich Frauen aus unterschiedlichsten Kulturen gemeinsam ins Kino zu holen und menschlich zusammenzubringen. Es sind Freundschaften entstanden, Kinder aus Flüchtlingsfamilien haben eine Oma gefunden. Besonders gut hat das auch in Kaiserslautern funktioniert. Da hat etwa eine Deutschrussin eine Ukrainerin mit ins Kino gebracht. Es geht um Inklusion, nicht nur um Integration. Auch ich selbst habe in der Pfalz tolle Kontakte gefunden, etwa mit Ursula Simgen-Busch, der Betreiberin des Provinzkinos. Das sind schöne Erfahrungen. Deshalb werde ich voraussichtlich im Februar 2023 wieder hier sein. Mit einer Lesung über Thomas Mann in der Fruchthalle.
Sie setzen sich dafür ein, dass Schauspielerinnen jenseits der 50 gute Rollen und überhaupt Aufgaben im deutschen Film bekommen. Woran liegt es, dass Frauen in der Altersgruppe im hiesigen Film kaum präsent sind?
Das liegt an dem Schubladendenken in Deutschland – das ist hier besonders ausgeprägt. Es sind altbackene Ideen und Vorstellungen, über die man nicht hinaus kommt. Das fängt schon bei Begrifflichkeiten an, die die Frauen in Kategorien einteilen: die Hausfrau, die Karrierefrau, die Rabenmutter, die Schlampe. Weshalb zeigt man im Film nicht einmal eine junge Oma, die ihr Leben lebt und Freude hat – als Vorbild? Meine Enkelin ist sieben und ich bin eine solche Oma. Aber lieber besetzt man stattdessen eine 35-Jährige mit der Rolle einer Älteren und die Maske schminkt sie dann um Jahrzehnte älter.
Es liegt wohl auch daran, dass man Frauen nicht genug wertschätzt. Ein Mann kann auch mit Hängebauch noch Charisma haben – einer Frau, die nicht perfekt ist, spricht man das ab. Die Funktionäre von ARD und ZDF bestimmen, wen oder was die Zuschauer zu sehen bekommen.
Wie sieht es in den hierzulande gedrehten Filmen selbst aus? Spiegeln die die Realität mit ihren Problemen wider?
Es geht leider selten darum, die Wirklichkeit zu zeigen, die Probleme, mit denen Frauen zu kämpfen haben, zum Beispiel die Situation Alleinerziehender. Oder die vielen, gerade älteren Frauen, die jenseits der Armutsgrenze existieren müssen. Da wird eine andere, glattere Realität erschaffen. Aber es gibt in Deutschland und Österreich auch durchaus sehr gute neue Filme, die da viel tiefer gehen. Sehr gut gefallen hat mir der Film „Corsage“ von Marie Kreutzer. Da geht es um die Kaiserin Sissi als Vierzigjährige.
Ist das nicht in Frankreich anders? Dort spielen Darstellerinnen wie Catherine Deneuve oder Isabelle Huppert in weit höherem Alter herausfordernde Rollen jenseits von Klischees.
Vielleicht wertschätzt man die Frauen dort mehr, vielleicht geht es auch um die Vielschichtigkeit der Gesellschaft. Schauspieler werden in Frankreich überhaupt mehr unterstützt. Die Darsteller und Darstellerinnen sind innerhalb der Arbeitslosen-Organisation Assédic abgesichert.
Haben Sie den Eindruck, die Rolle der Frau ist – auch bei uns – wieder rückschrittlich?
Auf jeden Fall. Im Grunde braucht man nur eins zu tun: umsetzen, was im Grundgesetz steht. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Und zwar auf jeder Ebene des Lebens. Weil wir davon aber noch weit entfernt sind, müssen alle Frauen zusammenhalten, um dafür zu kämpfen. Mich selbst betrifft das insofern, als ich über 18 Jahre hinweg meine drei Kinder groß gezogen habe und mir - Stand jetzt - nur eine minimale Rente bleibt. In der Coronazeit ist etliches flachgefallen. Darum veranstalte mit einem Reiseunternehmen individuelle Reisen auf Teneriffa und habe mir so ein weiteres Standbein geschaffen.