Kaiserslautern
Kaiserslautern: The Watching aus Nanzdietschweiler gewinnt erste Runde des Lautrer Band Slams

Schön warm, stickig und gesellig war es am Donnerstag im Oberstübchen der Hannenfass-Bar. Ein sehr gutes Zeichen, denn das bedeutete, dass genügend Leute zur ersten Session des zweiten Band Slam Lautre gekommen sind, um daraus eine zünftige Party zu machen. Und eine Party war es. Um 21 Uhr hieß es im Club: Ton an! Licht aus! Slam ab!
Die vier Bands des Abends gaben alles, was die musikalische Spielkiste zu bieten hatte, um die Menge von sich zu überzeugen. Denn am Ende zählte eines: Wer die meisten Plektren – also das Slam-eigene Äquivalent zu den herkömmlichen Stimmzetteln – sammelt, kommt ins Finale. Und für einige Bands ging es nicht nur um das Finale an sich, sondern um den ersten erfolgreichen Gig überhaupt. Denn zwei der vier Bands haben sich gerade erst frisch gegründet.
Belldriantee als Mysterium
Eine dieser neuen Bands in der Lautrer Musiklandschaft ist Belldriantee. Die Google-Suche kann man sich sparen, eine Facebook-Seite gibt es ebenso wenig wie eine Homepage. Wie’s zum Bandnamen kam, bleibt ein Mysterium, die Namen der Musiker ebenfalls. Bis auf einen: Der Sänger heißt Freddie Nicolas, ein junger Musiker, der sein Gesangstalent auf so manchen Veranstaltungen der Stadt präsentierte – jüngst auf dem „Mode-Kulinarik-Straßenkunst“-Festival in der Eisenbahnstraße. Und Talent kann man auch seiner nagelneuen Formation nicht absprechen. Mit Sonnenbrillen auf der Nase und einem locker-lässigen „Deichkind“-Charme im Spiel, brillierten die Musiker mit zweideutigen Texten und teilweise ungeniert sexy Rhythmen. Man nehme Textzeilen wie „Mein Körper, dein Körper – wir sind so heiß“. Und mit dem sexy Liedgut erzeugten sie schon mal einen sexy Applaus.
Black-Lane-Frontmann Chris Müller zeigt Präsenz
Ein Applaus, den nur noch der charismatische Sänger von The Black Lane steigern konnte. Chris Müller (Gesang/Gitarre) legte sich mit jedem Song – ob schmiegsame Ballade oder harter Indie-Rock – mit ganzem Temperament ins Zeug, um die Zuhörer mitzunehmen. Joscha Boldt (Schlagzeug), Nils Haßler (Bass) und Florian Zapp (Gitarre) bereiteten mit sattem Sound den fruchtbaren Boden für Müllers dynamische und einnehmende Bühnenpräsenz. Gerade bei dem letzten Song im Set, „Bite the Bullet“, fesselte der Frontmann mit einer derart rauschhaften Energie, dass ihm die Begeisterung des Publikums sicher war. Und tatsächlich hagelte es tüchtig Klatsch-Salven und Jubel.
Twoeleven findet auf Anhieb viele Fans
Deutlich nervöser waren da die beiden Jungs des taufrischen Projekts Twoeleven, Lukasz Pietzkarek (Gesang, lokal bekannt als Frontmann von The Common Way) und Tilman Kries (Gesang und Piano, Sänger von State of the Art). Das Duo feierte seinen allerersten Auftritt – und das ausgerechnet beim Band Slam-Contest. Mutig. Genauso mutig wie ihre Musik. Denn die beiden Liedermacher spielen mit den weiten Sphären des Electro Pop gepaart mit den grantigen Tiefen des Alternative Rocks. So als träfen die Bands Muse und Nirvana aufeinander. Und so in etwa klangen Stücke wie „Shadows“ und „Disguise“ auch – durchzogen von traumhafter feingliedriger Elektronik und elegisch tief schürfendem Gitarre-Rock. Die Fans des Duos – deutlich erkennbar an den leuchtenden Armbändchen – gaben alles, um am Ende erstklassigen Applaus für die Musiker abzufeuern. Zurecht.
Derber Auftritt von The Watching
Das Finale der Session übernahmen die Hardcore-Rocker Nicholas Adkins (Gesang), Daniel Deschtschenja (Bass), Joshua Zellhöfer (Schlagzeug) und Maurice Bassler (Gitarre) alias The Watching. 2012 gegründet, komponieren die vier Jungs aus der Westpfalz ordentliche Alternative-Brocken. „Open Eyes“ prügelt so schön wie unbarmherzig ins Gehör prügelt und kitzelte Adkins einige versierte Growl-Extravaganzen ab. Das Publikum befeuerte den Auftritt der Jungs so derbe, dass man die Plektren schon abzählen konnte.
Am Ende lagen The Watching und Twoeleven mit je 30 Stimmen gleichauf, Belldriantee heimste 27 und The Black Lane 22 Plektren ein. Per Stich-Applaus ging das Final-Ticket nach Nanzdietschweiler – zu den Jungs von The Watching.