Kaiserslautern Kaiserslautern gestern und heute: Der Weinhof im Ausstellungspark
Zentraler Punkt des Ausstellungsparks – der „Ausstellung“ – war eine von Stadtbaumeister Hermann Hussong geschaffene, 96 Meter lange und 16 Meter hohe Halle mit kleineren Seitenschiffen auf der Ostseite und auf der Westseite. In einem versteckten Winkel bei der westlichen Seitenhalle gab es ein Schmuckhöfchen: den Weinhof. In Nischen und unter Arkaden war dieser intime Raum mit grotesken Fantasiefiguren geschmückt. Der Kaiserslauterer Bildhauer Sepp Mages hatte die Grotesken gestaltet und ließ sie in einer Majolikamanufaktur in Karlsruhe produzieren. In der Mitte des etwas mystischen Areals ließ Architekt Mages ein sternförmiges Becken mit einem Brunnen anlegen. Als wasserspeiende Brunnenskulptur wählte er den griechischen Gott Dionysos mit einem Weinkrug und mit Reben verzierter Kopfbedeckung. Wie im Nachschlagewerk der griechischen Geschichte steht, war Dionysos der Gott des Weins, des Rauschs der Fruchtbarkeit, aber auch des Wahnsinns und der Ekstase. Als das gesamte Arrangement fertig war, schien nichts näher zu liegen als der Name „Weinhof“. Im Jahr 1926 wurde er für Besucher geöffnet.
Zwei Theorien zum Verschwinden der Figuren
Über den Untergang der Figuren gibt es zwei Theorien: In der Stadtliteratur steht, dass die Nationalsozialisten die Grotesken als „Auswüchse einer Epoche des Verfalls“ und als „Kulturbolschewistisches Machwerk“ bezeichnet hätten und sie unmittelbar nach der Machtübernahme im Jahr 1933 an Ort und Stelle zertrümmert hätten. Wie sich jedoch Zeitzeugen erinnern wollen, sollen die Grotesken noch im Jahr 1942 hinter einem Bretterverschlag auf ihren Sockeln gestanden haben. Schließlich habe sie die HJ auf den Stiftsplatz transportiert und dort öffentlich zerschlagen. Die Zerstörung der Figuren durch die Nazis stimmt wohl. Sie könnten aber noch bis 1942 erhalten gewesen sein.