Kaiserslautern Kaiserslautern: Besuch bei Briefmarkensammlern
Briefmarkensammeln steht gerade bei jungen Menschen nicht mehr hoch im Kurs. Auch Frauen begeistern sich nur selten für das Hobby. Das zeigt ein Besuch auf dem Großtauschtag des Briefmarkensammlervereins. Dabei gibt es dort die ein oder andere Rarität zu entdecken: Ein Besuch zwischen dicken Sammelmappen und der ersten Briefmarke der Welt.
«Hohenecken.» In der Burgherrenhalle sind Tische aufgebaut, darauf stapeln sich die Briefmarkenkataloge. Die Anbieter haben nicht nur seltene Marken dabei, sondern auch Feldbriefe und weitere Exponate suchen einen neuen Besitzer. Vor allem Männer machten sich im September auf den Weg. Ein knallgelbes Transparent mit dem Aufdruck „Briefmarkentausch“ weist auswärtigen Gästen den Weg zum Eingang der Burgherrenhalle, wo der „Briefmarkensammlerverein 1912 Kaiserslautern“ zum Großtauschtag eingeladen hatte. Viele Freunde der Philatelie sind jetzt, zwei Stunden nach der offiziellen Eröffnung bereits auf dem Heimweg. Schnäppchenjäger kommen früh, um die besten Stücke schnell zu ergattern. In der Halle sind viele kleine Tische aufgebaut. Darauf dicke Ordner, Prüfgeräte und Pinzetten. Auf beiden Seiten vorhandene Stühle laden Anbieter und Interessenten zum Sitzen ein. Die Atmosphäre ist ruhig, konzentriert und erinnert etwas an eine Bibliothek. Frauen sind nur wenige zu sehen, junge Menschen fehlen ganz. Das ist auch generell im Briefmarkensammlerverein so.
Der Nachwuchs fehlt
Obwohl der Verein am Sommerferienprogramm teilnimmt, um Jugendlichen die Freude an der Philatelie zu vermitteln, fehlt der Nachwuchs. Martin Klemenz, zweiter Vorsitzender und für die Jugendarbeit zuständig, bedauert: „Die jungen Leute haben keinen Bezug mehr dazu. Heute benutzt man ja kaum noch Briefmarken.“ Am Großtauschtag sitzt Klemenz am Informationsstand und hat sogar die „Queen Victoria“, die erste offizielle Briefmarke der Welt aus dem Jahr 1840, dabei. Reich wird man mit dieser nicht, sie ist, je nach Zustand der Marke, bereits für weit unter 100 Euro erhältlich, erzählt er. Walter Ratka aus Lambsborn sucht nach einer bestimmten Literatur. Auf dem Tisch liegen zwar etliche vereinseigene Michel-Kataloge, der gesuchte ist aber nicht dabei. Ratka interessiert sich besonders für Rollenmarken. „Ich bin ja schon 80 und habe mir als letzte Sammlung die jetzige Blumenserie vorgenommen, weil sie sehr schön und interessant ist. Außerdem bin ich ja auch Hobbygärtner“, erzählt er. Ratka besucht regelmäßig Tauschbörsen, seit gut 60 Jahren interessiert er sich für das Sammeln von Briefmarken. „Sammeln hält frisch“, betont er und macht sich auf den Weg. Seine Frau hat heute Geburtstag und im Ort ist Kerwe, entsprechend schwierig war es für den Briefmarkensammler, von daheim wegzukommen.
"Ich bin nur die Begleitperson"
Ratka bedauert, dass er die Begeisterung für sein Hobby nicht mit seiner Familie teilen kann. „Es ist schade, dass mein Enkel kein Interesse hat“, sagt er und grinst. „Aber ich habe ja auch schon einen kleinen Urenkel …“, erzählt er. Aus der Vorderpfalz angereist ist ein Ehepaar, das seinen Stand direkt am Eingang aufgebaut hat. Philatelie begeistere überwiegend Männer und auch in der Burgherrenhalle ist kaum eine Frau zu sehen. „Ich bin nur die Begleitperson“, winkt auch die Dame aus der Vorderpfalz lachend ab, „aber mein Mann sammelt alles, was mit dem Thema zu tun hat“. Entsprechend groß ist auch das Angebot an Briefmarkenmappen, Postkarten und Briefen, das er mitgebracht hat. Für sein Hobby stehen ihm das größte Zimmer im Haus und der Speicher, insgesamt 60 Quadratmeter, zur Verfügung. „Ich lasse immer alles auf den Briefen drauf – die Briefmarken, den Luftpostvermerk, die oft in schöner Schrift geschriebene Adresse“, erklärt der Sammler und fügt hinzu „gerade in den Feldpostbriefen stehen unglaubliche Sachen, da läuft es einem eiskalt den Buckel runter.“ Am Tisch von Bertold Wunderle aus Offenburg wurde Reiner Marx aus Meisenheim schon mehrfach fündig. „Besonders die Briefmarken aus dem Deutschen Reich sind gestalterisch sehr schön“, freut er sich über den gerade gemachten Kauf. Eins zu eins getauscht werde auf solchen Börsen kaum, erklärt Wunderle. „Das passt selten. Ich suche immer einzelne Marken, und verkaufe nur meine Dubletten.“