Kaiserslautern
Jugendverkehrsschule: „Radführerschein auch in der Pandemie möglich“
Es ist 8.30 Uhr am Morgen. Die Sonne hat noch nicht einmal den Reif in den Grünanlagen schmelzen lassen. Dafür herrscht auf dem Verkehrsübungsplatz gegenüber der Zoar-Wohnanlage am Kniebrech schon ein buntes Treiben. Ausgestattet mit Helmen, Masken und Fahrrädern wollen die 18 Viertklässler der Geschwister-Scholl-Grundschule heute ihren Fahrradführerschein machen.
Einen passenden Termin für den praktischen Teil jedoch während der Corona-Krise zu finden, war nicht leicht. „Dadurch, dass wegen des Lockdowns von Mitte März bis Juni die Schulen geschlossen waren, mussten auch einige Termine für den Fahrradführerschein nach hinten geschoben werden“, sagt Polizist Oliver Cusnick. Die wenigen Wochen bis Anfang Dezember, bevor die gesetzlich vorgeschriebene Fahrradausbildung für Kinder in die Winterpause geht, seien daher restlos ausgebucht.
„Regnen darf es bis dahin nicht mehr“, so Cusnick. Denn dann müssten die Termine auf „Anfang März, wenn es mit dem Radführerschein wieder losgeht“, verschoben werden. „Dann verzögert sich nächstes Jahr auch alles.“
Theorie vorausgesetzt
Zusätzlich bietet die Jugendverkehrsschule auch eine Fußgängerausbildung für die erste Schulklasse sowie eine Schülerlotsenausbildung an. Zudem betreuen sie 57 Kindertagesstätten, um die Vorschüler auf ihren späteren Schulweg vorzubereiten.
Insgesamt 28 Stunden werden für Verkehrserziehung in der dritten und vierten Klasse aufgewendet. Das theoretische Wissen lernen die Kleinen im Sachunterricht ihrer Schule. Am Ende steht ein Test an. „Nur wer diesen besteht, darf später an der praktischen Prüfung teilnehmen“, nennt Cusnick die Bedingung. Je nach Jahrgang absolvieren jährlich 42 bis 45 Klassen ihre praktische Prüfung auf dem Übungsplatz am Kniebrech.
Geänderter Prüfungsablauf
Damit das trotz Pandemie weiterhin so bleibt, werden derzeit strenge Hygienemaßnahmen eingehalten: Sowohl Oberflächen im Seminarraum als auch die Radlenker werden regelmäßig desinfiziert. Während der Einweisung zu Fuß durch den Parcours herrscht Maskenpflicht. Während der Fahrt dürfen die Kinder die Masken ablegen. Darauf verzichten die meisten: Bei den einstelligen Außentemperaturen schützen sie vor kaltem Fahrtwind.
Auch im Ablauf hat sich einiges geändert: Die verpflichtenden Übungsbesuche wurden von fünf auf drei reduziert, bei denen das richtige links und rechts abbiegen oder das Einordnen in den Straßenverkehr trainiert werden. Auch die klassische Prüfungssituation fällt weg: „Wir beobachten die Kinder und notieren uns, wie sicher sie auf dem Rad sitzen und ob sie alle Regeln beachten.“
Fällt Kindern aufgrund einer Beeinträchtigung das Radfahren schwer, dürfen sie den Führerschein auch auf einem Tretroller absolvieren. „Niemand wird ausgeschlossen“, so der Polizist.
Nicht alleine in den Straßenverkehr
Wenn Cusnick und seine Kollegin Tina Sornberger von der Verkehrstauglichkeit überzeugt sind, gibt es den Schein zwar ohne Handschlag, dafür aber mit Aufkleber und Bewertungsbogen. „So können die Eltern noch mit ihnen üben.“
Denn trotz bestandenem Führerschein sollten die Kleinen noch nicht alleine im Straßenverkehr und nur auf dem Bürgersteig unterwegs sein. Das sei bis zu einem Alter von zehn Jahren erlaubt. Cusnick betont: „Aber kein Polizist wird etwas sagen, wenn ein Kind mit elf Jahren noch den Gehweg benutzt, wenn es unsicher ist.“
Die Pandemie habe im Gegensatz auch eine Überraschung mit sich gebracht: So habe man in diesem Jahr wesentlich weniger Nicht-Fahrer als zuvor, beobachtet der Beamte. „Man merkt, dass viele Familien im Sommer mit den Rädern unterwegs waren.“
Nach anderthalb Stunden haben es auch die 18 Mini-Radler geschafft. Und die Polizisten Sornberger und Cusnick stellen sogar eine weitere Belohnung in Aussicht: „In jedem Jahr unternehmen wir mit der besten Klasse des Jahres einen Radausflug an den Gelterswoog.“