Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Insolvenz von Keeplocal: Kaiserslautern-Gutscheine können nicht mehr eingelöst werden

Mit den Kaiserslautern-Gutscheinen sollte der Handel vor Ort gestärkt werden.
Mit den Kaiserslautern-Gutscheinen sollte der Handel vor Ort gestärkt werden.

Lokale Gutscheine verschenken und damit den Kaiserslauterer Handel unterstützen: Damit ist nach der Insolvenz des St. Wendeler Unternehmens Keeplocal Schluss. Wer noch einen Kaiserslautern-Gutschein zuhause hat, kann diesen aktuell nicht mehr einlösen.

„Ich war geschockt“, sagte Alexander Heß, der Leiter des Kaiserslauterer Citymanagements, zum Aus von Keeplocal. Das saarländische Unternehmen, das Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat, hatte die Kaiserslauterer Stadtgutscheine seit 2021 angeboten. Die Idee dahinter: Statt auf die üblichen Gutscheine an einer Supermarktkasse zurückzugreifen, konnte mit der Keeplocal-Alternative der lokale Handel unterstützt werden, ohne an einen bestimmten Laden gebunden zu sein. Mit den Gutscheinen konnte in allen Kaiserslauterer Geschäften eingekauft werden, die sich an dem Gutscheinsystem beteiligten.

Kaiserslautern-Gutscheine seit 2021 erhältlich

Schon seit 2018 habe man nach einem solchen Gutscheinsystem gesucht, erinnerte sich Heß, 2021 fiel die Entscheidung dann auf die Zusammenarbeit mit dem Start-up aus St. Wendel. Mit dessen Gutscheinen konnten Kunden bei lokalen Händlern sowohl vor Ort als auch über deren Online-Plattform einkaufen. Die Keeplocal GmbH war zwischenzeitlich in über 100 Städten vertreten, unter anderem auch in Pirmasens.

Die Nachricht vom Aus des Unternehmens mache ihn „traurig, weil auch viel Herzblut in das Projekt geflossen ist“, sagt Heß. Die Stadt selbst sei an den Gutscheinen nicht direkt beteiligt, unterstreicht er, man habe das Vorhaben seitens des Citymanagements lediglich unterstützt.

Im Februar insgesamt 75 Lauterer Händler dabei

Noch Ende Februar 2024 konnte die Stadt vermelden, dass sich 75 Kaiserslauterer Händler das Gutscheinsystem nutzten. Das seien Geschäfte aus der Innenstadt, aber auch aus dem Gewerbegebiet gewesen, in erster Linie Einzelhändler, obwohl die Gutscheine auch Dienstleistern und Gastronomen offengestanden habe, so Heß. Gutscheine im Wert von rund 516.000 Euro waren seit der Einführung bereits verkauft worden, hieß es im Februar. Ein Großteil des Geldes sei auch wieder in den lokalen Handel zurückgeflossen. Besonders beliebt sei der Arbeitgebergutschein gewesen, der 80 Prozent des Gesamtvolumens ausgemacht hat, so Heß. Dabei handelt es sich um einen „steuerfreien Sachbezug“, das heißt eine Zuwendung, die als Sachleistung an die Mitarbeiter ausgezahlt wird. Dieser „steuerfreie Sachbezug“ kann monatlich bis zu 50 Euro pro Person betragen – eine „Win-Win-Situation“ für Arbeitnehmer und Handel, wie es von der Stadt hieß. Das Gutscheinsystem sei im vergangenen Jahr noch vom Handelsverband Deutschland ausgezeichnet worden, so Heß.

Auch einen Westpfalz-Gutschein hat es gegeben, der die ganze Region abdeckte. So sollten sich Händler aus kleineren Gemeinden beteiligen können, schildert Hans-Günther Clev, Geschäftsführer der Zukunftsregion Westpfalz (ZRW). Die ZRW habe Werbemaßnahmen der Kommunen mit Gutscheinsystem unterstützt, aber nie Keeplocal selbst. Gerade bei Arbeitgebergutscheinen sei es sinnvoll gewesen, die gesamte Westpfalz abzudecken. Wer beispielsweise in Kaiserslautern arbeite, aber in Pirmasens wohne, konnte den Gutschein so in beiden Städten einlösen. „Diese Gutscheine waren natürlich auch eine Möglichkeit, den Einzelhandel vor Ort während der Pandemie zu unterstützen“, sagt Clev, der das Aus von Keeplocal bedauert.

Aufgrund der Insolvenz des Unternehmens können derzeit keine Gutscheine mehr eingelöst werden. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt Gutschein-Besitzern, diese zunächst gut aufzubewahren, bis der weitere Fortgang des Insolvenzverfahrens geklärt ist. Wie hoch der Schaden für Kunden ist, die noch ungenutzte Kaiserslautern-Gutscheine besitzen, ist nicht bekannt.

Pallmann-Heger: „Hat nichts darauf hingedeutet“

Matthias Pallmann-Heger, der Vorsitzende des Kaiserslauterer Einzelhandelsverbands, kann seinen Schaden sehr wohl beziffern: Von einem „hohen dreistelligen Betrag“ spricht er, weil er Gutscheine angenommen habe, für die er nun vermutlich keine Zahlung von Keeplocal mehr erhalten werde. Auch Pallmann-Heger zeigt sich von der Insolvenz überrascht. „Für uns hat gar nichts darauf hingedeutet“, sagt der Einzelhändler. Die Abwicklung habe stets problemlos funktioniert. „Hätten wir gewusst, dass etwas im Argen liegt, hätten wir das sofort eingestellt“, sagt Pallmann-Heger, in dessen Geschäft für Porzellan, hochwertige Geschenke und Haushaltswaren man die Gutscheine sowohl kaufen als auch einlösen konnte – „wobei bei uns deutlich mehr Gutscheine eingelöst als gekauft wurden“. Seit Anfang vergangener Woche sei das plötzlich nicht mehr möglich gewesen, wegen technischer Probleme, wie es vonseiten des Unternehmens hieß. Er habe sich gewundert, warum die Probleme nicht schneller gelöst werden konnten. Im Internet sei er dann am Wochenende auf die Meldung zur Insolvenz gestoßen. Das Konzept der Stadtgutscheine finde er aber grundsätzlich sehr gut, er würde sich auch ein Nachfolgemodell wünschen, „aber das Vertrauen ist jetzt natürlich erstmal dahin“, so Pallmann-Heger.

Gutscheine im Wert von 1,2 Millionen Euro in Umlauf

Den Gesamtwert aller von Keeplocal in den vom Unternehmen betreuten Städten und Regionen in Umlauf befindlichen Gutscheinen bezifferte der zuständige Insolvenzverwalter Andreas Liebaug von der Rechtsanwaltskanzlei Staab in Saarbrücken auf rund 1,2 Millionen Euro. Liebaug prüft derzeit, ob überhaupt genug Masse für ein Insolvenzverfahren vorhanden ist oder das Unternehmen überschuldet sein könnte. „Es muss geklärt werden, ob die vorhandenen Vermögenswerte die Kosten des Insolvenzverfahrens decken können“, erklärt Liebaug. In dem Verfahren habe die Keeplocal GmbH eingeräumt, zahlungsunfähig und überschuldet zu sein. Nach einer ersten Einschätzung des Anwalts werde eine Fortführung des Unternehmens nicht möglich sein. Auch gebe es derzeit keine Interessenten für die Übernahme des Geschäfts.

Alle Besitzer von Gutscheinen sowie Mitarbeiter der bis zu 2000 Partnerunternehmen werden von Liebaug gebeten, sich bis Ende Juli zu gedulden. Insbesondere sollten Gutscheinbesitzer oder Partnerunternehmen bis dahin nicht in seiner Kanzlei anfragen, um eine effektive Bearbeitung des Prüfungsauftrags zu gewährleisten.

Die Kaiserslautern-Gutscheine konnten unter anderem in teilnehmenden Geschäften erworben werden.
Die Kaiserslautern-Gutscheine konnten unter anderem in teilnehmenden Geschäften erworben werden.
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