Kaiserslautern „Ich kann es einfach nicht lassen!“

Holte sich in Zagreb, Kroatien, Bronze bei der Judo-Europameisterschaft der Ü30: Stefan Schulz vom 1. Judo Club Kaiserslautern.
Holte sich in Zagreb, Kroatien, Bronze bei der Judo-Europameisterschaft der Ü30: Stefan Schulz vom 1. Judo Club Kaiserslautern.

„Ich kann es einfach nicht lassen“, kommentiert Stefan Schulz aus Mackenbach seinen Mattenstart bei der Europameisterschaft. Es war nach langer Verletzungspause ein Comeback mit Wurfstärke, um es mal in der Judosprache auszudrücken.

Im April sicherte sich Schulz, der aktuell in der Klasse M5 (50 bis 54 Jährige, bis 100 Kilo startet) die Vizemeisterschaft der Judoveteranen in Wiesbaden. Davor hatte sich der ehemalige Bundesligakämpfer zwangsweise mehrere Jahre in Abstinenz geübt. 2009 war die Patellasehne am Knie gerissen. Zum Pausieren gab es also gar keine Wahl. „Ist beim Judo passiert“, stellt er klar. Wobei auch sonst bei einem wie ihm, der einst im Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Gymnasium zur Schule ging. Im ersten Judojahrgang. Für seinen Verein, den 1. Judo Club Kaiserslautern, stand er in den Glanzzeiten des Lauterer Judos auf der Ersten Bundesligamatte. Später verstärkte er den TV Rodenbach in der Zweiten Bundesliga und in der Regionalliga. 2007 kämpfte er sich bei der Deutschen Meisterschaft der Ü30 auf den Goldplatz, ein Jahr später legte er auf europäischer Ebene mit Rang fünf nach. Dann kamen das Aus und der Wiedereinstieg mit dem Ablegen des 4. Dan. Heute trainiert Schulz in Mannheim beim Judoteam Heidelberg/Mannheim, das in der 2. Bundesliga aufläuft. Meist nur einmal pro Woche. „Mehr Judotraining geht wegen der Arbeit nicht“, sagt er. Waldlauf für die Kondition, das geht zusätzlich schon noch. Hat sich in Zagreb ausgezahlt. Da geht es gleich in Runde eins gegen den aktuellen Schweizer Meister Simon Vlajic in die Verlängerung, ins Overtime. Der Schweizer wird am Ende wegen Passivität bestraft, Schulz ist eine Runde weiter. Da wartet der Franzose William Lacombe, der amtierende Weltmeister auf den Deutschen. „Ich habe gegen den starken Franzosen zu viel Respekt gezeigt. Zwar habe ich mitgekämpft, aber er konnte seinen Griff immer besser durchsetzen. Nach einem Wurfansatz konnte er kontern und mich mit Kesa Gatame festhalten“, schildert Schulz noch einmal den Kampf, der ihn in die Trostrunde zwingt. Erst geht es gegen den extrem kraftbetont kämpfenden Ukrainer Valerii Shovkoplias erneut ins Overtime. Konditionelle Reserven sind gefordert. Die kann Stefan Schulz besser mobilisieren und gewinnt am Ende mit einem Tani Otoschi, einem sogenannten Talfallzug. Der Mann vom 1. Judo Club Kaiserslautern steht im kleinen Finale, im Kampf um Platz drei. „Ich war voll konzentriert und gewillt, den Italiener zu besiegen“, so der Pfälzer. Der Italiener Stefano Buti hatte zuvor schon zwei namhafte Gegner ausgeschaltet und war ebenfalls gewillt, Bronze mit heimzunehmen. Ist ihm nicht gelungen. In der Mitte der Kampfzeit wirft Schulz mit einem Sasae Tsuri komi, einer Fußtechnik, und geht direkt in den Festhalter über. Wen er unten hält, der entkommt ihm nicht. Das war die Bronzemedaille. Insgesamt gab es bei den Veteranen-Europameisterschaften in Zagreb (Kroatien) für die deutschen Teilnehmer acht Gold-, elf Silber- und zwölf Bronzemedaillen. Am Start waren 115 Frauen und 675 Männer aus 32 Nationen. Aus Deutschland nahmen 22 Frauen und 49 Männer an den Wettkämpfen teil. Den Vorsitzenden des 1. Judo Clubs Kaiserslautern Thomas Weingarth freut der Erfolg des Judokämpfers Schulz ganz besonders. Ist doch der Judo Club seit ein paar Jahren mit Aikido, Taiko und Kaizen aber ohne aktives Judo unterwegs. Und nun wird EM-Bronze serviert.

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