Kaiserslautern Herzblut und Vorwärtsdrang
Die Zauder- und Angstfußballer des FCK könnten sich am Jaworek-Reinhardt-Ensemble ein Beispiel nehmen, wie man die Herzen der Fans erobern kann: Drive, Einsatzwille, Herzblut, Vorwärtsdrang, perfektes Zusammenspiel und Präzision – das waren die Eigenschaften, mit denen das Quartett am Freitagabend im Cotton Club sein Publikum begeisterte. Fehlpässe? Eigentore? Fehlanzeige!
Da stand in der Abwehr der alte Hase Ralf Müller, der auf seinem Bass den Laden zusammenhielt und dastand wie der Fels in der Brandung. Das Mittelfeld mit den beiden Gitarristen Lolo Reinhardt und Sohnemann Jerome-Django Reinhardt startete die schönsten Flankenläufe, gab präzise Vorlagen, und sie waren sich auch nicht zu schade, abwechselnd hinten auszuhelfen. Vorlagen waren das, die der Frontmann und Mittelstürmer Bodo Jaworek direkt aufnahm und verwertete. Er ist der „Grandseigneur der Jazzgeige“, ein großartig swingender Musiker, der mit den Mitteln der typischen Violinartikulation kleine Explosionen schuf. Staccato-Effekte, die er am Frosch des Bogens spielte, waren so heftig, als würde er ein Becken anschlagen. Geige spielte er wie Coltrane einst Saxofon. Durch den Gebrauch einer Vielfalt von Bogentechniken. Der „Dance Ambience“, die „Coquette Ninette“, der „Sinti-Swing“ und „Crazy Rhythm“ waren beredte Beispiele dafür. „Dinah“, Jaworeks Glanznummer, sowieso. Dazu lieferten die beiden Gitarristen und der Bassist einen durchgängigen Swing, der präzise wie ein Schweizer Uhrwerk und absolut synchron ablief und den Cotton Club schier zum Schwingen brachte. Titel wie „Einsam wirst du sein“ zeigten Jaworek aber auch als perfekten Balladeninterpreten, der mit herrlichem Legato-Stil, mit technischer Leichtigkeit und klarem Ton überzeugte. In der Musik des Quartetts schwang aber auch das Saitengefühl des ganzen Volkes der Sinti und Roma mit, die als ethnische Minorität immer wieder diskriminiert wurden und bis in unsere Tage werden. Was die beiden Gitarristen Lolo und Jerome-Django Reinhardt (erst 21 Jahre alt) präsentierten, war sensationell. Immer wieder brachten sie als Solisten Melodien hervor, die voll origineller, überraschender Wendungen waren und doch dank ihres logischen Aufbaus ein einheitliches Ganzes ergaben. Chromatische Rolls wie rasante Glissandi prägten ihren farbenreichen Personalstil genauso wie Stilarten des modernen Jazz, die sie ganz natürlich einfließen ließen. Vor allem Jerome brillierte immer wieder mit langgezogenen, klagenden Noten, denen er schnelle Läufe gegenüberstellte. Die Explosionen von kurzen Schauern, das spannungsvolle Bending von Saiten zur Erzeugung von Dirty Tones, blitzartige Akzentuierungen lagen ganz in der Tradition des großen Vorbildes Django Reinhardt und zeigten das Können des jungen Musikers, der eine große Zukunft haben dürfte. Dabei wechselten sich die beiden Gitarristen in der Leadführung stets ab. Dann übernahm der Partner jeweils die perkussiv geschlagene Rhythmusgitarre. Im Verein mit dem unentwegt pulsenden Bass von Ralf Müller schufen sie damit einen unbändigen, mitreißenden Swing, der jedem in die Beine ging. Das Publikum war begeistert und applaudierte zwei Zugaben heraus. Zu Recht großen Beifall erhielt auch der erst zwölf Jahre alte Berry Reinhardt, der mit Bravour seine Bühnenpremiere bestand.