Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Großbaustelle Viadukt: Oben rollen Züge, unten die Bagger

Großbaustelle Eisenbahnbrücke: Unten wird gebaggert, darüber rollen Züge.
Großbaustelle Eisenbahnbrücke: Unten wird gebaggert, darüber rollen Züge.

Seit rund anderthalb Jahren wird an der Eisenbahnbrücke nahe der Trippstadter Straße gearbeitet und das wird sich in den kommenden beiden Jahre nicht ändern. Für rund 60 Millionen Euro erneuert die Deutsche Bahn (DB) das Viadukt. Eine wichtige Rolle spielen dabei Hilfsbrücken. Ein Baustellenbesuch.

Es ist eines der bekanntesten Bauwerke der Stadt und es liegt an der Hauptverkehrsader zwischen Innenstadt und Uni: das Bahnviadukt. Seit Juli 2020 laufen Arbeiten an der mehr als 170 Jahre alten Brücke. Ziel: Abriss und Neubau. Allerdings sei das bei einer Bahnbrücke, über die weiterhin fahrplangetreu Züge rollen sollen, gar nicht so einfach, berichtet der Projektleiter der Bahn, Sascha Martin-Albrecht: „Das macht die Sache natürlich sehr kompliziert.“

Als ob es nicht schon kompliziert genug ist, rund 5000 Tonnen Abbruch-Material abzutransportieren und das Material für die neue Stahlbetonbrücke – laut Martin-Albrecht rund 1000 Tonnen Stahl sowie 4000 Kubikmeter Beton – heranzuschaffen und auch passgenau zu verbauen. Die Bahn hat dafür die beiden Bauunternehmen Implenia und Schleith beauftragt.

Die große Röhre wird von zwei kleinen flankiert

Seit Juli 2020 laufen die Arbeiten an dem Viadukt. Vor dem eigentlichen Abriss der alten, einzelnen, rund 13 Meter breiten Röhre, ist westlich des alten Durchgangs – beim Blick von der Trippstadter Straße aus links – bereits ein Teil der neuen Brücke gebaut worden. Den neuen Durchgang teilen sich derzeit Radfahrer und Fußgänger. Noch ist alles eingefasst mit Bauholz, ein Umstand, der sich bald ändern soll. Maryam Arabshahi möchte mit Unterstützung von CampusKultur der Technischen Universität (TU) das Holz bunter gestalten, die Unterführung zu einer temporären Kunstausstellungshalle umfunktionieren.

Rechts der alten Röhre soll ein ähnlich großer, weiterer Durchgang gebaut werden, so dass die ursprüngliche Unterführung der Bahntrassen, die natürlich auch durch eine neue ersetzt wird, von zwei neuen Röhren flankiert wird. Die große mittlere Röhre soll ausschließlich dem Autoverkehr vorbehalten sein, die beiden Außenröhren gehören in Zukunft den Radfahrern und den Fußgängern.

Acht Hilfsbrücken sichern die Bahngleise

Im Sommer 2021 wurden laut Martin-Albrecht acht Hilfsbrücken auf die alte Brücke gebaut. Vereinfacht gesagt sichern die rund 23 Meter langen Stahlteile, dass der Bahnverkehr auch in den kommenden beiden Jahren, wenn das Projekt weiter voranschreiten wird, rollen wird. Für den DB-Projektleiter sind die Hilfsbrücken denn auch ein „fundamentaler Bestandteil“ der Arbeiten. Zuvor mussten auch – ebenfalls von der Trippstadter Straße aus gut zu erkennen – viele Kabel verlegt werden. Kabel, die unter anderem die Elektrik der Signalanlagen auf den Gleisen regeln. Diese laufen nun übergangsweise über einen parallel zur Bahntrasse ausgelegten Gittermast. Allerdings musste auch auf die Leitungen im Boden geachtet werden, bevor überhaupt ein Stein aus dem alten Gewölbe gebrochen werden konnte: Gas, Fernwärme, Telekom, Wasser, Stadtentwässerung, quasi alles, womit die Häuser in der Stadt mit dem Nötigsten versorgt werden, zählte der Leiter des städtischen Referats Tiefbau, Sebastian Staab, auf. Auf der anderen Seite des Viadukts, von der Karcherstraße aus gesehen, wird laut Staab nach Abschluss der Bauarbeiten ein neuer Kreisel entstehen.

Genaue Kontrollen des Abbruchmaterials

Wer vor den Werkstoren der SWK steht, erkennt deutlich, wie viel des alten Bauwerks bereits mit Lastwagen abtransportiert wurde. Ein großer Bagger, der anstatt einer Schaufel einen überdimensionalen Meißel montiert hat, frisst sich Stück für Stück durch das alte Gemäuer. Ist genug Abraum gefallen, wird die Menge von einem zweiten Bagger zusammengetragen und anschließend auf Lastwagen verladen. Nicht ohne genau zu kontrollieren, was in dem Abbruchmaterial womöglich für Schadstoffe enthalten sind. „Wir haben es hier auch mit Baumaterial aus den 1950er Jahren zu tun“, erklärt Martin-Albrecht und nennt die Stichworte Asbest und Teer. „Wir dokumentieren alles genau“, versichert der Bauingenieur.

Der Eingang zum Fuß- und Radweg.
Der Eingang zum Fuß- und Radweg.
Den neuen Durchgang teilen sich derzeit Radfahrer und Fußgänger. Noch ist alles eingefasst mit Bauholz.
Den neuen Durchgang teilen sich derzeit Radfahrer und Fußgänger. Noch ist alles eingefasst mit Bauholz.
Projektleiter Sascha Martin-Albrecht erläutert die nächsten Schritte an der Baustelle.
Projektleiter Sascha Martin-Albrecht erläutert die nächsten Schritte an der Baustelle.
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