Kaiserslautern Glanzvolle Eröffnungsgala im sanierten Pfalztheater

Szene aus dem Familienmärchen „Die Schneekönigin“: Marius Petrenz und Paula Vogel bewerfen Schneemacher Johannes Beckmann (Künst
Szene aus dem Familienmärchen »Die Schneekönigin«: Marius Petrenz und Paula Vogel bewerfen Schneemacher Johannes Beckmann (Künstlerischer Leiter) mit Schnee.

Bei einer glanzvollen Eröffnungsgala erhielt das Publikum am Sonntag im frisch sanierten Großen Haus des Pfalztheaters Einblicke in die neue Spielzeit: Musiktheater, Tanz, Schauspiel und das Junge Pfalztheater JUP – es war für jeden etwas dabei.

Ein Gläschen Sekt oder Wein zum Auftakt und danach direkt hinein in den frisch sanierten Saal: Christian Käsemann, der neue Caterer, und seine Mitarbeiter waren vorbereitet auf den Ansturm der Besucher, die ihr Theater in Besitz nehmen wollten, kaum dass die Pforten eine Stunde vor Beginn der Gala geöffnet waren. Abonnenten und langjährige Besucher des Hauses nahmen mit interessierten Blicken die neuen Teppiche im Foyer und auf den Treppen wahr. Aber eigentlich warteten die meisten auf das Geschehen auf der Bühne. Zu denen, die der Eröffnungsgala gespannt entgegenfieberten, gehörten Rosemarie Schröer und Conny Romanakis, zwei langjährige Freunde des Pfalztheaters. Während der Sanierungsarbeiten hatten sie gelegentlich die Werkstattbühne besucht; jetzt waren sie gespannt, was endlich wieder im Großen Haus auf sie zukommen würde. „Wir wurden hier nur selten enttäuscht“, betonten sie.

Beckmann: Rückkehr nach einer langen Reise

Leichtes Gedränge vor den Türen zum Saal, die erst 30 Minuten vor Beginn geöffnet wurden. Und dann wurden die neuen Polster auf den Sitzen erobert. Karl-Heinz Schnabel aus Waldmohr hatte, wie er erzählte, für sich und andere Abonnenten aus dem Ort den Transport nach Kaiserslautern organisiert. Das Pfalztheater habe diesen im Rahmen seines Seniorenprogramms nicht mehr angeboten. Seine Initiative bereute er nicht. Es wurde für ihn eine ausgesprochen interessante Gala – wie für viele andere auch.

Ein Blick in die applaudierenden Zuschauerreihen auf den neuen, weinrot bezogenen Sitzen.
Ein Blick in die applaudierenden Zuschauerreihen auf den neuen, weinrot bezogenen Sitzen.

„Es ist ein schönes Gefühl, wieder auf der Bühne zu stehen, fast wie die Rückkehr nach einer langen Reise“, versicherte Künstlerischer Direktor Johannes Beckmann als Moderator der Gala. Mit drei „Toi, toi, toi“ mit dem Knöchel auf den frisch renovierten Bühnenboden lud er ein, das „Herzstück des Theaters“ wieder in Besitz zu nehmen. Gemeinsam mit den Gästen verlangte er „Vorhang auf“ – was dann auch perfekt gelang.

Publikum bejubelt „White Duett“

Orchester und Chor auf der Bühne waren gerüstet und mit ihnen Sopranistin Arminia Friebe für ihren ersten Auftritt als „Gräfin Mariza“. Wo wohnt die Liebe? Mit Massimiliano Jezzi, dem neuen zweiten Kapellmeister des Hauses, führte Beckmann dazu auf der Couch ein erstes von mehreren Gesprächen zu verschiedenen Darbietungen. 14 Programmpunkte hatte das Pfalztheater für die knapp dreistündige Veranstaltung mit Pause zusammengestellt. Nach der Gräfin überzeugte Astrid Vosberg die Fans mit ihrem „I love Paris“ im One-Woman-Musical „Alles Liebe, Linda“, in dem sie bereits Mitte September aufgetreten war.

Sängerin Arminia Friebe in der Operette Mariza, dahinter Chormitglieder und Musiker der Pfalzphilharmonie.
Sängerin Arminia Friebe in der Operette Mariza, dahinter Chormitglieder und Musiker der Pfalzphilharmonie.

Zarten poetischen Hauch legte der Chor des Pfalztheaters aus der Puccini-Oper „Madame Butterfly“ über die Bühne, gefolgt von den Tänzerinnen Camilla Marcati und Camilla Orlandi mit ihrem Auszug aus dem Tanzabend Rausch/Paradise. Bejubelt vom Publikum wurde dazu das anschließende „White Duett“ aus dem gleichen Stück. Für die „Schneekönigin“ legte Johannes Beckmann selbst Hand an. Mit Stromanschluss und Ventilator zauberte er der Königin wenigstens ein bisschen Schnee auf die Bühne.

Die Sparte Tanz mit einer Szene aus der Choreografie „Rausch/Paradies“ mit Vincenzo Rosario Minervini und Shelley Stolpner auf d
Die Sparte Tanz mit einer Szene aus der Choreografie »Rausch/Paradies« mit Vincenzo Rosario Minervini und Shelley Stolpner auf dem neuen spiegelglatten Bühnenboden.

„Sehr mutiger Auftakt“

Mit einem berührenden Liebesduett aus der Oper „Madame Butterfly“, gesungen von Arminia Friebe und Daniel Kim, schickte das Pfalztheater seine Galagäste in eine kleine Pause. Dort äußerten Tina Kutin und Stephan Dörn ihre Begeisterung über einen „sehr mutigen Auftakt“, der sehr vielversprechend sei. Die Akustik sei besser als früher, fanden sie. Den Chor hatten sie „mit Gänsehaut“ erlebt.

Bezirkstagsvorsitzender Hans-Ulrich Ihlenfeld, der gemeinsam mit seinem Stellvertreter Klaus Weichel und dessen Gattin die Eröffnungsgala erlebte, wünschte sich zu dem Zeitpunkt, dass das Haus weiterhin so gut besucht sein möge. Dann war die Pause auch schon zu Ende, und im Großen Haus wurde es richtig laut. Aus dem Schauspielensemble ließen die Darsteller mit der Komödie „Jeeps“ im Streit um gelostes und verlostes Erbe auf der „Sch…kerze“ rein gar nichts anbrennen. Einen spannenden Abend versprach auch das für das nächste Jahr geplante Ballettstück mit Gesang nach Kurt Weill und Berthold Brechts „Die sieben Todsünden“, aus dem Astrid Vosberg einen Auszug bot.

Lesung mit Hannelore Bähr und Henning Kohne

Geradezu zum Fürchten inszenierten Hannelore Bähr und Henning Kohne ihre Lesung aus dem Schauspiel „Mamma Medea“. Eigentlich soll es dabei um das irgendwie sagenhafte „Goldene Vlies“ gehen – und dann diese zänkische Mutter, die ihre Söhne absolut nicht bei sich haben will!

Ganz viel Applaus verdienten sich Bariton Hyunkyum Kim, die Pfalzphilharmonie und Damen des Orchesters unter Leitung von Generalmusikdirektor Daniele Squeo für das Lied „Mein Sehnen, mein Wähnen“ aus der Korngold-Oper „Die tote Stadt“. Auf diese Aufführung werden die Opernfreunde allerdings bis auf den kommenden Juni und die nächste Spielzeit warten müssen. „Unter Donner und Blitz“, einer Polka von Johann Strauss Sohn, schickte die Pfalzharmonie ihr Publikum schließlich in die verbliebenen Sonntagsstunden.

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