Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeinschaftsausstellung des KunstRaums Westpfalz und des Ateliers Zitronenblau

So sieht es aus, wenn die Kunst von Mario Müller-Ruiz in Dialog tritt mit Arbeiten von Michael Volkmar.
So sieht es aus, wenn die Kunst von Mario Müller-Ruiz in Dialog tritt mit Arbeiten von Michael Volkmar.

Die zutiefst bildnerische Form eines Kunstdialoges zeigt der Kunstverein KunstRaum Westpfalz in seiner temporären Galerie in der Pirmasenser Straße 6. Unter dem Titel „Inspirationsfelder“ gestalteten zwölf Künstlerpaare des Ateliers Zitronenblau und des Kunstvereins wechselweise „Ausgangswerke“ und „Antwortarbeiten“.

Der erste Rundumblick im Ausstellungsraum sieht nach einem ungewohntem Sehen und Lesen aus. Denn was da an Arbeiten an den Wänden hängt und auf Sockeln liegt, gruppiert sich meist vier Arbeiten. Auffallend gegensätzliche Motive, unterschiedliche Techniken, diverse Materialien. Nichtsdestotrotz – einzelne Werke sprechen spontan an. Sie markieren den Einstieg in die ungewöhnliche Lesart, sich auf das Kommunizieren jeweils zweier bildnerisch-kreativer Persönlichkeiten einzulassen.

Beispielsweise spricht die Paarung von geometrisch-präzisen Farbstreifen und nahezu monoton-violettem Farbgestus direkt an. Als Urheber dahinter sind Romy Groß und Gregor Kleine-Wilde zu nennen. Während sie sowohl Ausgangs- als auch Antwortmotiv im Informell-Stil auslotete, antwortet er mit strengsten Farb- und Formkanten. Für den Betrachter passiert ein spannender Moment: Wie sich den Ausgang-Antwort-Argumentationen gegenüber zu verhalten – bleibt er beim Nachvollzug des Künstlerdialogs? Oder beteiligt er sich als dritte Meinung?

Fabulierende Farben

Das Wechseln zu anderen Ebenen verleiht zusätzlich Bedeutung. Etwa das blaue, großformatige Quadrat-Relief aus Verpackungsmaterial mit gelben Innenleben. Mario Müller-Rutz nennt es „Lichter der Stadt“. Mit dieser Arbeit antwortet er auf eine reliefartig geschnittene, farblose Kegelform von Michael Volkmar. Ein erstaunlich krasser Gegensatz. Im Gegenzug antwortet Volkmar mit einer zweiten „Preziose“ zweier Schneeflocken-Piktogramme auf Müller-Rutz’ Gemälde „Winter“, das eine Zeichnung nackter Oberkörper integriert.

Mit Textilien antwortet Nina Mursinsky auf Gemäldeblätter von Kirsten Krug. Bot letztere das Motiv „Das zweite Gesicht“ als Ausgang an, so lautet Mursinskys Antwort: eine ausgewaschene Maskenparade. Mit überbordender Farbigkeit und noch mehr an gleichem Vokabular „fabulieren“ Carmen Hagner und Veronika Olma. Auf das bunt bekleidete Porträt der „Wartenden Frau“ etwa zeichnete Olma ihren „Wartenden Hund“ auf Farbstreifen. Umgekehrt antwortete Hagner auf Olmas grüntonige „Leistung muss sich lohnen“ mit rost-rot-grünen Formfragmenten zum Titel „Augenblick, mal!“ Ein befreiendes Bonmot, besonders bezüglich des Untertitels „Flügel wachsen im Prozess von Geben und Nehmen“.

Der unverstellte Blick

Diese Beschäftigung als Paare im Projekt „Inspirationsfelder“ setzt außerdem auf Initiative und Reflexion zweier Kunstszenen, die sich normalerweise eher nicht begegnen. Im Atelier Zitronenblau kreieren Menschen mit und ohne Einschränkungen bildende Kunst. Sie wird „Art Brut“ – rohe Kunst – oder auch „Outsider-Art“ genannt, um im Kunstmarkt bestehen zu können. Tatsächlich arbeiten dort Autodidakten mit Anleitungen geschulter Betreuer. Das spannende daran sind abseitige Bildaussagen, ungewohnte Blickwinkel und authentische Inhalte. Denn sie übersetzen ihre Welt, das heißt auch, sie sind weit weg von Kunstmärkten und deren Mechanismen.

Das ökumenische Gemeinschaftswerk schuf 2014 das Atelier Zitronenblau und bot eben jene Möglichkeit, sich mit einer eigenen Bildsprache als Künstler auszuleben. Der Kunstverein dagegen richtet sich an „Liebhaber der Kunst, an künstlerisch Tätige und an Neugierige“. Vorzugsweise in Ladenleerständen, wo sich Kunst eher selten aufhält, will er Foren für Kunstschaffende und Kunstinteressierte anbieten. Die aktuelle Begegnung dieser beiden Einrichtungen ist Birgit Weindl (Kunstverein) und Nina Mursinsky (Zitronenblau) zu verdanken.

Ausstellung

Bis 13. November in der Pirmasenser Straße 6, jeweils samstags von 11 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung unter www.kunstraum-westpfalz.de.

Mehr zum Thema
x