Kaiserslautern
Friedenskonzert in der Friedenskirche
Die als „Friedenskonzert“ beworbene Veranstaltung war dank Peter Arnolds Textauswahl eine meditative Gedenkstunde zu den Antinomien aus Krieg und Frieden. Schon damit löste der Horn-Professor und ehemalige Solohornist von SWR und Radio-Philharmonie große Betroffenheit aus. Die nächste Erkenntnis war, dass die Region durch gezielte Förderung außergewöhnliche Talente hervorbringt.
So präsentierte Arnold mit der erst zwölfjährigen Nachwuchspianistin Zijing Lisa Lin eine Hochbegabung - und bestätigte, dass es seiner Pfälzischen Musikgesellschaft ein besonderes Anliegen ist, diese vorzustellen. Schließlich ist es der langjährigen und intensiven sowie harmonischen und produktiven Musikerbeziehung zwischen Arnold und dem Düsseldorfer Orgelprofessor Torsten Laux zu verdanken, dass Werke wie die hier zu hörende Uraufführung entstehen.
Überraschendes Waldhorn
Das Waldhorn ist ein oft registerartig eingesetztes Orchesterinstrument. Kann es aber singen, wehklagen, in höchsten Tönen jubilieren und zum Träger von seelischen Regungen werden? Wenn es so butterweich und himmlisch geblasen wird, dann uneingeschränkt ja. Bearbeitete Werke und Originalkompositionen mit Klavier- und Orgelbegleitung durch Laux) legten klingendes Zeugnis ab von sicherer und intonatorisch reiner Tongebung, gepaart mit Ausdruckstiefe und sehr schlanker gewinnender Tongebung.
Vielleicht war die Romanze aus Mozarts Konzert Es-Dur ein Hauch zu romantisierend, weil der melodische Fluss durch ein Übermaß an agogischen Dehnungen und Verzögerungen beeinträchtigt wurde. Was bei Rheinberger mehr überzeugte, weil dessen Adagio freier gehalten ist und dies mehr verträgt, ja an manchen Stellen erfordert.
Mit Spannung erwartete Uraufführung
Im Mittelpunkt stand die mit Spannung erwartete Uraufführung für Horn und Orgel von Laux. Unter dem Titel „Dona nobis pacem“ verarbeitet sie Passagen der ukrainischen Nationalhymne mit melodischen Einheiten des aramäischen Gelübdes „Kol nidrei“ sowie einem Choralfragment nach Luther. All das zusammengewürfelt (so schien es) wirkte etwas collagenhaft und eher wie ein Puzzle, das letztlich doch kein klares Bild ergibt.
Die Interpretation überzeugte wie zuvor die anderen gemeinsam zelebrierten Programmpunkte durch genaues Zusammenspiel. Die Komposition erschloss sich dagegen nicht immer. Da wäre es hilfreich gewesen, in der Einführung die verschiedenen Teile vorzustellen und gesondert zu erklären. So blieb ein Publikum eher irritiert als inspiriert zurück.
Beeindruckende Zijing Lisa Lin
Dagegen wirkte die Eigenkomposition von Arnold für Horn solo in der Präsentation verschiedenster Kantilenen und heikler Anblastechniken in betörendem Wohllaut. Die Choralfantasie Nr. 2 von César Franck wirkte in der Aufführung durch Laux ausgereift, detailliert ausgeformt und plastisch, selbst in heiklen Partien in exaltierter Harmonik und mit ungewohnten Klangwirkungen. Einerseits verlor der Vortrag in der guten Akustik und dank der kammermusikalischen Durchsichtigkeit an Schärfe, gleichzeitig brauchte das Werk aber auch mehr klangliche Opulenz und räumliche Entfaltung für seine volle Ausdruckskraft.
Zijing Lisa Lin verzauberte alle bei Kostproben von Glinka, Beethoven und Prokofjew durch feinsinnige, empfindsame und filigrane Interpretationen in entwaffnender melodischer Anmut oder perlender Geläufigkeit. Da wirkte alles analytisch durchdrungen, sehr solide einstudiert in nuanciert elegantem Leggiero-Anschlag ohne Kraft, sondern spielerisch und grazil.